International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
In this photo taken from the Turkish side of the border between Turkey and Syria, in Ceylanpinar, Sanliurfa province, southeastern Turkey, smoke and dust billows from targets in Ras al-Ayn, Syria, caused by bombardment by Turkish forces, Tuesday, Oct. 15, 2019. Turkish artillery on Tuesday pounded suspected Syrian Kurdish positions near the town in northeast Syria amid reports that Kurdish fighters had retaken the town as Turkey pressed ahead with a military incursion that has drawn widespread condemnation. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

Türkische Artillerie nimmt Ras al-Ain unter Beschuss. Bild: AP

Schwere Kämpfe in Syrien – Kurden erobern Grenzstadt zurück



Trotz der Forderung der USA nach sofortiger Waffenruhe und Sanktionen liefern sich die türkischen Truppen in Nordsyrien weiterhin erbitterte Kämpfe mit der Kurdenmiliz YPG. Die von der YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte eroberten offenbar Ras al-Ain zurück.

Dies berichtete jedenfalls die sonst glaubwürdige, oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag. Türkische Truppen hatten den Ort mit Unterstützung von Rebellen der sogenannten Syrischen Nationalarmee zwei Tage zuvor unter ihre Kontrolle gebracht.

Kurdische Quellen bestätigten den Gegenangriff und die Eroberung von Ras al-Ain. Die Kurdenmilizen hätten auch das nahe gelegene Dorf Tall Halaf am Stadtrand von Ras al-Ain eingenommen. Eine offizielle Bestätigung aus Ankara gab es nicht. Der Sender CNN Türk berichtete, in der Nacht habe es schwere Gefechte in Ras al-Ain gegeben. Türkische Truppen versuchten, YPG-Kämpfer in Verstecken aufzuspüren.

In der Stadt Manbidsch wurden nach offiziellen Angaben ein türkischer Soldat getötet und 18 weitere verletzt.

In this Monday, Oct.14, 2019 photo made available Tuesday, Oct. 15, 2019, Turkey's forces advance towards Manbij, Syria. U.S. military spokesman says U.S. forces have left Kurdish-held town of Manbij, part of withdrawal from northeast Syria. (Ugur Can/DHA via AP)

Türkische Truppen rücken gen Manbidsch vor, 14. Oktober. Bild: AP

Nach anderen europäischen Ländern erklärte am Dienstag auch Grossbritannien, es würden vorerst keine Waffen mehr an die Türkei geliefert, die für die Militäroffensive in Nordsyrien genutzt werden könnten. Man werde den Export sehr genau kontrollieren, sagte Aussenminister Dominic Raab. Die britische Regierung sei von der Militäroffensive der Türkei «tief enttäuscht».

Nach Angaben der Uno-Organisation für Migration (IOM) sind bereits mindestens 190'000 Menschen vor den Kämpfen geflohen. Rund 2000 seien auf dem Weg zum Irak, berichtete das Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Genf. Die meisten fliehen vor dem türkischen Militär und mit ihm verbundenen syrischen Kampfgruppen nach Süden und kommen teilweise bei Verwandten unter, wie das Uno-Nothilfebüro (Ocha) berichtete.

Reporter ohne Grenzen verurteilte Angriffe auf Journalisten in der Region scharf und forderte die Türkei auf, Uno-Resolutionen zum Schutz von Reportern in Kriegsgebieten einzuhalten.

Erneut vor dem Uno-Sicherheitsrat

Am Mittwoch will sich der Uno-Sicherheitsrat erneut mit der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien beschäftigen. Deutschland habe im Namen der fünf EU-Mitgliedsländer des Rates - neben Deutschland sind das Polen, Belgien, Frankreich und Grossbritannien - beantragt, das Thema erneut bei einer Sitzung des Gremiums anzusprechen, hiess es am Dienstag in New York aus Diplomatenkreisen.

Workers unload boxes of United Nations World Food Programme provisions of fortified date bars enriched with vitamins and minerals from a truck in Hasakeh, some 100km south of the border with Turkey, in northeastern Syria, on Friday, Oct. 11, 2019.  WFP announced Tuesday, Oct. 15, 2019 that it has provided so far immediate food assistance to more than 83,000 internally displaced people fleeing hostilities in northeastern Syria and that it has the capacity to provide ready-to-eat food packages to over 450,000 people. (Alan Ali/WFP via AP)

Arbeiter der UNO verteilen Essenslieferungen in Hasakeh, Syrien. Bild: AP

Die Türkei hatte die seit langem geplante Offensive im syrisch-türkischen Grenzgebiet vergangenen Mittwoch begonnen. Ankara begründet den Einsatz mit dem Recht auf Selbstverteidigung. Die Türkei betrachtet die Kurdenmiliz YPG sowie deren politischen Arm PYD als Terrororganisationen. Die YPG pflegt enge Kontakte zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die auch in den USA und in Europa auf der Terrorliste steht - allerdings nicht in der Schweiz.

Am Montag waren auch syrische Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad in dem kurdisch kontrollierten Norden des Landes eingetroffen. Sie werden von Russland unterstützt. Die SDF hatten sich nach dem angekündigten Abzug der US-Truppen hilfesuchend an Damaskus und Russland gewandt, die Vereinbarung zugleich aber als «schmerzhaften Kompromiss» bezeichnet. Russlands Syrien-Beauftragter Alexander Lawrentjew sagte der Agentur Tass, Russland werde eine direkte Konfrontation zwischen türkischer und syrischer Armee nicht zulassen.

Russische Soldaten ersetzen amerikanische

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, 150 US-Soldaten hätten sich von Manbidsch aus auf den Weg in den Irak gemacht. Auch das russische Verteidigungsministerium teilte der Agentur Interfax zufolge mit, dass die US-Truppen Manbidsch in Richtung Irak verlassen hätten. Das russische Militär patrouilliere in der Gegend.

A masked Russian military adviser, foreground, gestures as he speaks to Syrian soldiers during military exercises at a base about 50-kilometers away from Damascus, Syria, Tuesday, Sept. 24, 2019. (AP Photo/Alexander Zemlianichenko)

Ein maskierter russischer Militärberater erklärt syrischen Soldaten ein Manöver. Bild: AP

Die USA hatten am Montag wegen der Militäroffensive Sanktionen gegen türkische Minister verhängt und eine sofortige Waffenruhe gefordert. US-Präsident Donald Trump will seinen Vize Mike Pence so bald wie möglich zur Vermittlung zwischen den Kurden und den Türken nach Ankara schicken.

US-Strafzölle auf türkischen Stahl

Strafmassnahmen wurden gegen Verteidigungsminister Hulusi Akar, Energieminister Fatih Donmez sowie Innenminister Süleyman Soylu verhängt. Mögliches Vermögen der Betroffenen in den USA wird eingefroren. Trump kündigte zudem die Anhebung von Strafzöllen auf Stahlimporte aus der Türkei auf 50 Prozent an. Verhandlungen über ein Handelsabkommen würden «umgehend» abgebrochen.

Die US-Sanktionen fielen allerdings nicht so scharf aus wie erwartet. Am Dienstag erholten sich türkische Aktien vom Einbruch am Vortag. Auch am Devisenmarkt hinterliessen die jüngsten politischen Entwicklungen kaum Spuren. Die türkische Lira hatte zum Wochenstart im Vergleich zum US-Dollar sogar etwas zugelegt. Am Dienstag gab sie ein wenig nach.

Im vergangenen Jahr hatte die US-Regierung Sanktionen gegen zwei türkische Minister wegen des Vorgehens der Türkei gegen einen amerikanischen Pastor verhängt. Schon die Androhung hatte die türkische Landeswährung Lira auf Rekordtiefstände geschickt. In den USA trieb parallel auch der Kongress Bemühungen um Sanktionen voran. (sda/dpa/afp/reu)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Türkei startet Offensive gegen Kurden in Syrien

Syrische Armee unterstützt Kurden in Nordsyrien

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Operation «Tigerpranke»: Erdogan bombardiert Nordirak – 4 Dinge, die du dazu wissen musst

2014 ermordete die Terrormiliz «Islamischer Staat» tausende Jesidinnen und Jesiden. Die Bilder des Völkermords an der religiösen Minderheit gingen um die Welt. Sechs Jahre später wirft die Türkei über dem Jesiden-Gebiet Bomben ab.

Das türkische Militär wirft wieder Bomben auf fremdes Staatsgebiet ab. Seit Wochen führt Präsident Recep Tayyip Erdogan erneut einen aggressiven Kurs gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK. Seit einer Woche wird mit der Offensive «Adlerkralle» und «Tigerpranke» das Kandil- und Sinjar-Gebirge im Nordirak schwer unter Beschuss genommen. Auf dem Gebiet leben auch tausende Jesiden, die 2014 vor der Terrormiliz Islamischer Staat geflohen waren. Ein Überblick in vier Punkten.

Am Montag, 15. Juni …

Artikel lesen
Link zum Artikel