International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06724728 A handout photo made available by government-affiliated Syrian Military Media is said to show Syrian air defense missiles intercepting missile strikes over Damascus, Syria, 09 May 2018 (issued 10 May 2018). According to Syrian official media reports, the air defense was responding to a new wave of Israeli missile strikes.  EPA/SYRIAN MILITARY MEDIA HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Dieses Foto soll die syrische Luftabwehr beim Abfangen israelischer Raketen zeigen. Bild: EPA/SYRIAN MILITARY MEDIA

Israel und der Iran greifen sich in Syrien gegenseitig an

Einen Tag nach dem Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ist der Konflikt zwischen Teheran und Israel eskaliert.



Die israelische Luftwaffe reagierte nach eigenen Angaben auf einen iranischen Raketenangriff aus Syrien mit massiven Attacken auf iranische Ziele in dem Bürgerkriegsland.

Dabei wurden nach Angaben des israelischen Verteidigungsministers Avigdor Lieberman fast alle dortigen militärischen Infrastrukturen des Irans getroffen. Dagegen sei keine der 20 von iranischen Streitkräften auf die Golanhöhen abgefeuerten Raketen auf von Israel kontrolliertem Gebiet eingeschlagen, sagte Lieberman am Donnerstag auf einer Konferenz in Herzlija bei Tel Aviv.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, bei dem Angriff in Syrien seien 23 Menschen getötet worden. Die syrische Armee sprach dagegen von drei toten und zwei verwundeten Soldaten.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden vier der Geschosse aus Syrien von der israelischen Raketenabwehr abgefangen. Es habe keine israelischen Opfer gegeben. Die anderen Raketen schlugen nach Aussage von Lieberman noch auf syrischem Staatsgebiet ein.

Washington sieht sich bestätigt

Die Angriffe erfolgten einen Tag nach dem Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran. US-Präsidialamtssprecherin Sarah Huckabee Sanders sagte in Washington, der iranische Beschuss Israels zeige, dass US-Präsident Donald Trump mit seinem Rückzug aus dem Abkommen die richtige Entscheidung getroffen habe.

Trump hatte die Aufkündigung des Abkommens auch mit der aggressiven Aussenpolitik des Landes begründet und ausdrücklich die Destabilisierung durch den Iran in Israels Nachbarschaft kritisiert.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Mittwoch bei einem Besuch in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Lage in Syrien gesprochen. Der Iran ist neben Russland und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah wichtigster Verbündeter des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad.

epa06722958 Russian President Vladimir Putin (R) meets with Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu (L) in the Kremlin in Moscow, Russia, 09 May 2018. Netanyahu is on a working visit to Moscow.  EPA/MICHAEL KLIMENTYEV / SPUTNIK / KREMLIN POOL / POOL MANDATORY CREDIT

Benjamin Netanjahu zu Besuch bei Wladimir Putin.  Bild: EPA/SPUTNIK POOL

Israel wirft Teheran vor, seine Präsenz im Bürgerkriegsland Syrien ausgebaut und viele Waffen dorthin geliefert zu haben. Israel wird für Luftangriffe in Syrien verantwortlich gemacht, bei denen auch Iraner getötet wurden. Teheran drohte mit Vergeltung.

Israel beschuldigt iranische Revolutionsgarden

Die israelische Regierung machte die Al-Kuds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, für den Angriff verantwortlich. Es handelt sich um die erste Attacke iranischer Streitkräfte aus Syrien auf israelische Ziele. Die israelische Luftwaffe habe daraufhin mehr als 50 iranische Militärziele in Syrien angegriffen, teilte die Armee mit.

«Wir haben kein Interesse an einer Eskalation, aber wir müssen auf jedes Szenario vorbereitet sein», sagte Lieberman. Es handle sich um einen punktuellen Konflikt Israels mit den Al-Kuds-Brigaden. Das israelische Sicherheitskabinett wollte nach Medienberichten am Donnerstagabend zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

epa06724239 Syrian air defense missiles are seen in the sky over the capital Damascus, Syria, 10 May 2018. According to Syrian official media reports, the air defense was responding to a new wave of Israeli missile strikes.  EPA/YOUSSEF BADAWI BEST QUALITY AVAILABLE

Syrische Luftabwehrraketen erhellen den nächtlichen Himmel über der Hauptstadt Damaskus. Bild: EPA/EPA

Die israelischen Luftangriffe in Syrien gehörten zu den «grössten, die Israels Armee gegen iranische Ziele unternommen hat», sagte der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus. Man habe dem iranischen Militär schweren Schaden zugefügt. Man habe auch das Gefährt zerstört, von dem aus die Raketen auf die Golanhöhen abgefeuert wurden. Es habe sich in 30 bis 40 Kilometern Entfernung von Damaskus befunden.

Die syrische Armee teilte mit, die Angriffe hätten eine Radaranlage und ein Munitionslager zerstört und mehrere Luftabwehranlagen beschädigt.

Zentrum und Süden Syriens getroffen

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte trafen Israels Raketen zahlreiche Ziele im Zentrum und Süden Syriens. Angegriffen worden seien Stellungen der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah und anderer regierungstreuer Milizen. Diese werden vom Iran unterstützt.

Den Menschenrechtlern zufolge wurden zudem Militärposten bombardiert, an denen iranische Kämpfer sowie Soldaten der syrischen Armee stationiert waren.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, Syriens Luftabwehr habe Dutzende israelische Raketen abgeschossen. Die meisten hätten ihr Ziel nicht erreicht.

epa06724730 A handout photo made available by government-affiliated Syrian Military Media is said to show Syrian air defense missiles intercepting missile strikes over Damascus, Syria, 09 May 2018 (issued 10 May 2018). According to Syrian official media reports, the air defense was responding to a new wave of Israeli missile strikes.  EPA/SYRIAN MILITARY MEDIA HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Raketen der syrischen Luftabwehr über Damaskus. Bild: EPA/SYRIAN MILITARY MEDIA

Russland von Israel vorab informiert

Die syrische Luftabwehr habe israelische Flugzeuge beschossen, aber nicht getroffen, sagte der israelische Armeesprecher Conricus. Man habe Russland vor dem Angriff in Syrien informiert.

Israel habe in der Nacht etwa 70 Raketen auf syrisches Gebiet abgefeuert, teilte das russische Verteidigungsministerium in Moskau mit. Dabei seien 28 F15- und F16-Kampfjets im Einsatz gewesen.

Auf palästinensischer Seite verurteilte die radikal-islamische Hamas die israelischen Angriffe in Syrien. «Es ist das Recht der arabischen und islamischen Länder, ihr Gebiet zu verteidigen und auf jede Aggression zu reagieren», hiess es in einer Stellungnahme. Israel hatte die syrischen Golanhöhen 1967 erobert und später annektiert. (sda/dpa/afp/reu)

Wie entstand der Konflikt im Nahen Osten?

Video: www.explain-it.ch

Netanjahu will geheimes Atomwaffenprogramm entdeckt haben

Mehr zum Konflikt zwischen Israel und Iran

«Der Iran lügt» – 5 Fragen zu Netanjahus rätselhaftem Fernsehauftritt

Link zum Artikel

Nach Angriff in Syrien: Sorge vor Israel-Iran-Krieg wächst

Link zum Artikel

Für Hassan Ruhani ist das Atomabkommen «in keinster Weise verhandelbar»

Link zum Artikel

Westen zweifelt an Israels Beweisen zu Irans Atomwaffenprogramm

Link zum Artikel
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Operation «Tigerpranke»: Erdogan bombardiert Nordirak – 4 Dinge, die du dazu wissen musst

2014 ermordete die Terrormiliz «Islamischer Staat» tausende Jesidinnen und Jesiden. Die Bilder des Völkermords an der religiösen Minderheit gingen um die Welt. Sechs Jahre später wirft die Türkei über dem Jesiden-Gebiet Bomben ab.

Das türkische Militär wirft wieder Bomben auf fremdes Staatsgebiet ab. Seit Wochen führt Präsident Recep Tayyip Erdogan erneut einen aggressiven Kurs gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK. Seit einer Woche wird mit der Offensive «Adlerkralle» und «Tigerpranke» das Kandil- und Sinjar-Gebirge im Nordirak schwer unter Beschuss genommen. Auf dem Gebiet leben auch tausende Jesiden, die 2014 vor der Terrormiliz Islamischer Staat geflohen waren. Ein Überblick in vier Punkten.

Am Montag, 15. Juni …

Artikel lesen
Link zum Artikel