DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Tausende Zivilisten sollen hier hingerichtet worden sein: Das Saidnaja-Gefängnis von oben. bild: youtube/amnestyinternational

In diesem Gefängnis soll die syrische Regierung bis zu 13'000 Personen hingerichtet haben



Syriens Regierung hat nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) bis zu 13'000 Gefangene hinrichten lassen. Die Menschen seien von 2011 bis 2015 im berüchtigten Militärgefängnis Saidnaja nahe Damaskus ohne ein rechtsstaatliches Verfahren gehängt worden.

Bei den meisten Hingerichteten handelte es sich um Zivilisten, wie es in einem am Dienstag veröffentlichten Amnesty-Bericht heisst.

Syriens Regierung setze die Gefangenen in Saidnaja zudem bewusst unmenschlichen Haftbedingungen aus, kritisiert Amnesty. So komme es zu Folter, Vergewaltigungen oder dem Entzug von Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Durch diese «Vernichtungspolitik» sei eine riesige Zahl an Häftlingen getötet worden.

Bei diesen Praktiken handle es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit, erklärte Amnesty weiter. «Die in diesem Bericht dargestellten Gräueltaten decken eine verborgene, monströse Kampagne auf, die von höchster Stelle der syrischen Regierung genehmigt wurde», heisst es. Ziel sei es, jede abweichende Meinung in der syrischen Bevölkerung zu vernichten.

230236_Sadnaya - Syria detentions 	

Sadnaya - Syria detentions - Collaboration with Forensic Architecture.

Illustrations taken from the Forensic Architecture Platform.

Saydnaya Military Prison is located 30km north of Damascus, Syria. The prison is under the jurisdiction of the Minister of Defence and operated by the Military Police. Saydnaya became notorious for the use of torture and excessive force following a riot by detainees in 2008. There are two buildings on the Saydnaya site, which between them could contain 10,000-20,000 prisoners.

In April 2016, Amnesty International and Forensic Architecture travelled to Turkey to meet a group of survivors from Saydnaya prison. Since 2011, journalists and other monitoring groups have been unable to visit the prison and speak with prisoners from Saydnaya, so this was an opportunity to tell their stories.

As there are no images of Saydnaya, we were dependent on the memories of survivors to recreate what happened inside. Using architectural and acoustic modelling, we helped witnesses reconstruct the architecture of the prison and their experiences of detention.

The interview techniques were developed by Forensic Architecture at Goldsmiths, University of London, in consultation with the university’s Forensic Psychology Unit.

Das Saidnaja-Gefängnis, Rekonstruktion durch Amnesty International. bild: Amnesty International/Forensic Architecture.

Schnellverfahren

Bei den Massenhinrichtungen seien routinemässig über fünf Jahre jede Woche oder oft zweimal in der Woche Gruppen von bis zu 50 Menschen unter grösster Geheimhaltung nachts gehängt worden. Es gebe starken Grund zur Annahme, dass dies bis heute weitergehe.

Dem Bericht zufolge wurden die Insassen vor der Hinrichtung in Schnellverfahren von einem Militärgericht zum Tode verurteilt. Die Urteile basierten auf falschen Geständnissen, die Gefangene unter Folter gegeben hätten. Zwischen 5000 und 13'000 Menschen seien in dieser Zeit schätzungsweise gehängt worden.

Der Bericht stützt sich nach Angaben von Amnesty auf Interviews mit 84 Zeugen, darunter mit früheren Wächtern und Offiziellen, Insassen, Richtern und Anwälten. Die Menschenrechtsorganisation forderte die Vereinten Nationen zu einem sofortigen Eingreifen und einer Untersuchung auf. Der UNO-Sicherheitsrat dürfe die Augen vor diesen grässlichen Verbrechen nicht verschliessen.

abspielen

Ex-Häftlinge erzählen: So soll es im Gefängnis aussehen. 10-minütiger Beitrag von Amnesty International. Video: YouTube/Amnesty International

Noch mehr Opfer

Bereits im vergangenen August hatte Amnesty angeprangert, seit dem Ausbruch des syrischen Aufstands im Frühjahr 2011 seien in den Gefängnissen der Regierung fast 18'000 Menschen ums Leben gekommen. Die Häftlinge seien dort vom ersten Moment an schwerer Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt.

Nach Schätzungen syrischer Menschenrechtler sind seit 2011 sogar bis zu 50'000 Menschen in Regierungsgefängnissen gestorben, viele durch Folter. Vor drei Jahren waren mehr als 50'000 Fotos von Toten bekannt geworden, die ein früherer Militärfotograf mit dem Decknamen Caesar 2013 aus dem Land geschmuggelt hatte. Die Bilder zeigen Tausende ausgemergelte Leichen mit schweren Misshandlungsspuren. (cma/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Operation «Tigerpranke»: Erdogan bombardiert Nordirak – 4 Dinge, die du dazu wissen musst

2014 ermordete die Terrormiliz «Islamischer Staat» tausende Jesidinnen und Jesiden. Die Bilder des Völkermords an der religiösen Minderheit gingen um die Welt. Sechs Jahre später wirft die Türkei über dem Jesiden-Gebiet Bomben ab.

Das türkische Militär wirft wieder Bomben auf fremdes Staatsgebiet ab. Seit Wochen führt Präsident Recep Tayyip Erdogan erneut einen aggressiven Kurs gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK. Seit einer Woche wird mit der Offensive «Adlerkralle» und «Tigerpranke» das Kandil- und Sinjar-Gebirge im Nordirak schwer unter Beschuss genommen. Auf dem Gebiet leben auch tausende Jesiden, die 2014 vor der Terrormiliz Islamischer Staat geflohen waren. Ein Überblick in vier Punkten.

Am Montag, 15. Juni …

Artikel lesen
Link zum Artikel