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Tucker Carlson hetzt auf Fox News gegen Maskenträger. screenshot: Fox news

«Wirklich, wirklich gefährlich» – der Ton bei Fox News wird immer schärfer

Der konservative TV-Star Tucker Carlson befeuert vor einem Millionenpublikum die Impfskepsis. Er attackiert Barack Obama und fordert seine Zuschauerinnen und Zuschauer auf, aktiv gegen Maskentragende vorzugehen.



Die Impfkampagne in den USA schreitet gut voran. Über die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung hat mittlerweile mindestens eine Spritze bekommen. Damit gehören die Vereinigten Staaten weltweit zu den Spitzenreitern.

In den vergangenen Tagen hat das Impftempo jedoch etwas abgenommen. Wurden anfangs April noch rund vier Millionen Impfdosen pro Tag verspritzt, so waren es zuletzt noch knapp drei Millionen. Diverse Impfzentren berichten von Impfdosen, die liegen bleiben. Es werden keine Leute mehr gefunden, die sich impfen lassen wollen.

Auch in den USA gibt es eine nicht zu vernachlässigende Gruppe an Personen, die einer Impfung skeptisch gegenüber stehen. Umstritten ist die Impfung bei den Republikanern. 45 Prozent der Wählerinnen und Wähler wollen sich gemäss «New York Times», die sich auf eine Umfrage der «Quinnipac University» beruft, nicht impfen lassen.

So bleibt offen, ob dank der Impfkampagne eine Herdenimmunität erreicht werden kann. Die Regierung von Präsident Joe Biden setzt nun alles daran, um auch die Skeptiker vom Nutzen einer Impfung zu überzeugen.

Unterstützung erhält Biden vom früheren Präsidenten Barack Obama. Dieser wandte sich in einer kurzen Videobotschaft an die jüngere Bevölkerung, da in den USA die Impfung ab 16 Jahren zugelassen ist. «Die Impfung ist sicher, sie ist effektiv und sie ist gratis», sagt Obama. «Nur so können wir zu all den Dingen zurückkehren, die wir lieben – von der sicheren Zeit mit den Grosseltern über den Besuch von Konzerten bis hin zum Live-Sport.»

Carlson greift Obama an

Nicht alle ziehen jedoch am gleichen Strick. Auf dem republikanischen Haussender «Fox News» wurde Obamas Videobotschaft heftigst kritisiert. Tucker Carlson, Moderator der TV-Station, bezeichnete den ehemaligen Präsidenten als einen «gruseligen alten Mann». «Irgendein gruseliger alter Mann erzählt euren Kindern, dass sie eine Medizin nehmen sollen, deren Effekte wir nicht vollständig verstehen», schimpfte der konservative TV-Star. Dabei liess er völlig ausser Acht, dass die Impfstoffe an tausenden von Jugendlichen über 16 Jahre getestet und als sicher eingestuft wurden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Carlson die Wirkung der Impfstoffe infrage stellt. Immer wieder verstrickt sich der Fox-News-Mann in Verschwörungstheorien. Kürzlich fragte er: «Wenn Impfungen funktionieren, weshalb dürfen dann geimpfte Leute kein normales Leben führen? Was ist die Antwort auf das? Vielleicht funktionieren sie gar nicht und sie erzählen es euch einfach nicht.»

Carlson spielte damit darauf an, dass in Innenräumen vielerorts nach wie vor eine Maskenpflicht gilt. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt das Tragen von Masken in Innenräumen, da noch nicht vollständig geklärt ist, inwiefern geimpfte Personen das Virus weiterverbreiten können.

«Rufen Sie die Polizei an!»

Hygienemasken scheinen Carlson sowieso besonders zu stören. Vor einer Woche forderte er seine Zuschauerinnen und Zuschauer auf, aktiv Personen zu konfrontieren, die im Freien eine Maske tragen. «Das nächste Mal, wenn du jemanden auf dem Trottoir oder auf dem Fahrradweg siehst, dann zögere nicht. Frage freundlich, aber bestimmt: Können Sie bitte die Maske abziehen?»

Carlson ging sogar noch weiter: Wenn man im Freien ein Kind mit einer Maske sehe, dann solle man nicht anders als bei einem Kindesmissbrauch reagieren. «Rufen Sie umgehend die Polizei an!»

Der Aufruf Carlsons sei «wirklich, wirklich gefährlich», meinte in der Folge die frühere FBI-Agentin Asha Rangappa. «Hören Sie auf die Tonalität seiner Stimme.» Er rufe seine Zuschauer dazu auf, aktiv gegen Nachbarn vorzugehen.

Bis jetzt scheinen nur wenige Leute Carlsons Aufforderung zu folgen. Wie eine Blitzumfrage der Washington Post ergab, gingen bei den Behörden keine zusätzlichen Anrufe wegen Kindern mit Masken ein.

Für Steven Petrow, der für «USA Today» schreibt, sind Carlsons Schimpftiraden jedoch nicht zu unterschätzen. «Fox News sollte Tucker Carlson feuern, bevor sein Mobbing gegen Covid-Masken jemanden tötet», fordert der Journalist in einem Meinungsbeitrag von Montag. Man habe nicht zuletzt beim Sturm aufs Kapitol gesehen, wohin solch aggressive Rhetorik führen könne.

Fox News dürfte Tucker Carlson jedoch nicht so schnell feuern – zumindest, wenn es nach Kolumnistin Margaret Sullivan von der Washington Post geht. Er mache genau das, was die Besitzer von Fox News – die Murdochs – wollten: «Einschaltquoten steigern und Fox eine Existenzberechtigung in der Post-Trump-Ära geben.» Es sei eigentlich nur noch eine Frage, wie tief Carlson noch sinke.

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