DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this Tuesday, July 25, 2017 file photo President Donald Trump pauses as he speaks during a rally, Tuesday, July 25, 2017, at the Covelli Centre in Youngstown, Ohio. As Democrats bring their primary debate to Ohio Tuesday, the question is whether the Republican foothold in Appalachia and places like industrial Youngstown is irreversible, whether Ohio is a political battleground no more. (AP Photo/Carolyn Kaster, File)
Donald Trump

Bild: AP

Trump will «gesamte türkische Wirtschaft lahmlegen» – Erdogan unbeeindruckt



Nach dem türkischen Einmarsch in Syrien hat US-Präsident Donald Trump Sanktionen gegen die Türkei angekündigt. In einer Mitteilung Trumps hiess es am Montag, unter anderem würden wegen der «destabilisierenden Handlungen der Türkei in Nordost-Syrien» Strafzölle auf Stahlimporte aus der Türkei auf 50 Prozent angehoben.

Zudem werde die US-Regierung «umgehend» Verhandlungen über ein Handelsabkommen abbrechen, hiess es weiter. Derzeitige und frühere Regierungsmitglieder der Türkei sowie alle Personen, die zu den Handlungen der Türkei im Nordosten Syriens beitragen, könnten mit Sanktionen belegt werden. Weitere Angaben gab es dazu zunächst nicht.

«Präsident Erdogan trägt die volle Verantwortung für die Konsequenzen, einschliesslich eines möglichen Wiederauflebens des IS»

Trump hatte die Zölle auf Stahlimporte aus der Türkei im August vergangenen Jahres auf 50 Prozent verdoppelt. Er verlieh damit seiner Forderung nach Freilassung des US-Pastors Andrew Brunson Nachdruck, der in der Türkei festgehalten wurde. Brunson wurde im Oktober freigelassen. Im vergangenen Mai halbierte Trump die Zölle dann wieder.

US-Verteidigungsminister Mark Esper will zudem die Nato-Mitgliedsstaaten zu Massnahmen gegen die Türkei drängen. «Das einseitige Vorgehen der Türkei war unnötig und impulsiv», erklärte Esper am Montag. Der «inakzeptable Einmarsch» habe die erfolgreiche internationale Mission gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien «untergraben». «Präsident Erdogan trägt die volle Verantwortung für die Konsequenzen, einschliesslich eines möglichen Wiederauflebens des IS, möglicher Kriegsverbrechen und einer wachsenden humanitären Krise. Die bilaterale Beziehung zwischen unseren Ländern wurde auch beschädigt.»

FILE - In this Aug. 28, 2019, file photo, Secretary of Defense Mark Esper speaks to reporters during a briefing at the Pentagon. Esper says the

US-Verteidigungsminister Mark Vesper fordert Nato-Massnahmen gegen die Türkei. Bild: AP

Am 24. und 25. Oktober kommen die Verteidigungsminister der Nato-Staaten zu einem Treffen in Brüssel zusammen. Die Türkei ist ebenfalls Mitglied in dem Bündnis. Dort wolle Esper die Verbündeten «drängen», gemeinsame und individuelle diplomatische und wirtschaftliche Massnahmen zu ergreifen, um auf die «ungeheuerlichen» Handlungen der Türkei zu reagieren.

EU-Aussenminister ohne Einigung

Die Aussenminister der EU-Staaten hatten die türkische Militäroffensive in Nordsyrien, die sich gegen die YPG-Kurdenmiliz richtet, scharf verurteilt, aber keine Einigung auf ein Waffenembargo oder Sanktionsdrohungen erzielt.

Die US-Regierung hatte die Türkei vergangene Woche zum Abbruch der seit Mittwoch laufenden Militäroffensive gegen die kurdische YPG-Miliz aufgefordert und den Nato-Partner mehrfach gewarnt.

Dabei hatte Trump kurz vor Beginn der Offensive am Mittwoch mit dem Abzug von US-Truppen aus der Region faktisch den Weg dafür frei gemacht, wofür er viel Kritik auch aus den eigenen Reihen erhielt. Verteidigungsminister Mark Esper gab am Sonntag zudem bekannt, Trump habe angeordnet, dass mit dem Abzug der rund 1000 verbleibenden Soldaten in der Region begonnen werden soll.

Mnuchin: Können gesamte Wirtschaft stilllegen

US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte am Freitag angekündigt, die USA bereiteten harte Sanktionen gegen die Türkei vor. «Der Präsident hat mich ermächtigt, die gesamte türkische Wirtschaft wirksam stillzulegen, und wir können das von einem Moment auf den anderen auf seinen Befehl hin tun», sagte Mnuchin am Sonntag noch dem Fernsehsender ABC.

Trump erklärte nun, die Militäroffensive gefährde Zivilisten sowie Frieden, Sicherheit und Stabilität in der Region. Die Türkei dürfe die erzielten Erfolge im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nicht gefährden. Zudem müsse die Türkei den Schutz von Zivilisten, ethnischen und religiösen Minderheiten vorne anstellen.

Die türkische Regierung hatte sich von Sanktionsandrohungen unbeeindruckt gezeigt. Wer glaube, die Türkei werde wegen Wirtschaftssanktionen oder Waffenembargos von ihrem Weg abweichen, irre sich, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag. Die Türkei sei ein Nato-Partner und die Kurdenmiliz YPG eine «Terrororganisation».

Turkey's President Recep Tayyip Erdogan addresses the World Turkish Business Council meeting, in Baku, Azerbaijan, Monday. Oct. 14, 2019. Erdogan says Turkey's military offensive into northeast Syria is as

Präsident Erdogan lässt sich von den Drohungen nicht beeindrucken. Bild: AP

Die YPG-Miliz kontrolliert auf syrischer Seite der Grenze zur Türkei ein grosses Gebiet. Sie führt die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) an, die im Kampf gegen die IS-Terrormiliz ein wichtiger Verbündeter der USA waren.

Die Türkei sieht in ihr hingegen einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die Offensive stösst international auf scharfe Kritik. Regierungen und Institutionen sprachen aber auch von legitimen Sicherheitsinteressen der Türkei im Grenzgebiet. (mim/jaw/sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Türkei startet Offensive gegen Kurden in Syrien

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Operation «Tigerpranke»: Erdogan bombardiert Nordirak – 4 Dinge, die du dazu wissen musst

2014 ermordete die Terrormiliz «Islamischer Staat» tausende Jesidinnen und Jesiden. Die Bilder des Völkermords an der religiösen Minderheit gingen um die Welt. Sechs Jahre später wirft die Türkei über dem Jesiden-Gebiet Bomben ab.

Das türkische Militär wirft wieder Bomben auf fremdes Staatsgebiet ab. Seit Wochen führt Präsident Recep Tayyip Erdogan erneut einen aggressiven Kurs gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK. Seit einer Woche wird mit der Offensive «Adlerkralle» und «Tigerpranke» das Kandil- und Sinjar-Gebirge im Nordirak schwer unter Beschuss genommen. Auf dem Gebiet leben auch tausende Jesiden, die 2014 vor der Terrormiliz Islamischer Staat geflohen waren. Ein Überblick in vier Punkten.

Am Montag, 15. Juni …

Artikel lesen
Link zum Artikel