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Im Fokus: Lev Parnas. bild: msnbc

«Nicht nur die Militärhilfe, Trump wollte alle Gelder stoppen»: Schlüsselfigur packt aus



Lev Parnas, angeklagter Gehilfe von Trumps Anwalt Rudy Giuiliani und eine der zentralen Figuren in der Ukraine-Affäre des Weissen Hauses, belastete den US-Präsidenten in einem Interview mit dem Fernsehsender «MSNBC» am Mittwochabend schwer.

Dabei ging es um die erst kürzlich von den Demokraten erhobenen Vorwürfe, dass Trumps Team mit illegalen Wahlkampfspenden die Abberufung der damaligen US-Botschafterin in der Ukraine, Marie Yovanowitch, angestrengt habe.

Doch nicht nur das. Parnas machte deutlich, dass Trump über alles, was sich in der Ukraine abspielte, Bescheid wusste:

«Er war sich all meiner Bewegungen bewusst. Ich würde nichts ohne die Zustimmung von Rudy Giuliani oder des Präsidenten tun.»

Im Interview mit Rachel Maddow, Journalistin bei MSNBC, sagte Parnas: «Trump wusste ganz genau, was vor sich ging. Er war sich all meiner Bewegungen bewusst. Ich würde nichts ohne die Zustimmung von Rudy Giuliani oder des Präsidenten tun. Ich hätte ansonsten weder die Absicht noch einen Grund gehabt, mit einem dieser Beamten zu sprechen.»

Parnas argumentierte weiter, dass er ohne Trump im Rücken auch gar nie mit hohen Regierungsbeamten aus der Ukraine hätte sprechen können. «Warum sollte sich Präsident Zelenskys engster Kreis oder Minister Avakov oder all diese Leute wie Ex-Präsident Poroshenko mit mir treffen? Wer bin ich denn schon? Trump wollte, dass ich mich mit ihnen treffe.»

Der entsprechende Ausschnitt im Video:

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Video: YouTube/MSNBC

Parnas ist im Ukraine-Karussell als «Mann fürs Grobe» bekannt. Der in der Sowjetunion geborene Parnas soll Trumps Team vor Ort in der Ukraine bei der Suche nach schädlichen Informationen über die politischen Gegner des US-Präsidenten geholfen haben.

Im MSNBC-Interview holte Parnas nun zum Rundumschlag aus. Vier weitere brisante Aussagen:

«Es ging um mehr als nur Militärhilfe»

Lev Parnas behauptete im Interview, dass Trump nicht nur mit der Vorenthaltung von Militärhilfe drohte. Der Präsident wollte jegliche Hilfe stoppen, wenn die Ukrainer nicht öffentlich ankündigten, eine Untersuchung gegen die Bidens einzuleiten.

«Die Nachricht war: Es geht nicht nur um Militärhilfe. Es geht um alle Hilfen. Im Grunde würden unsere Beziehungen ‹sauer› werden. Wir hätten alle Hilfen gestoppt.»

Auch Justizminister Barr «muss alles gewusst haben»

Der Gehilfe Giulianis schwärzte auch Justizminister William Barr an. Parnas sagte, dass Giuliani Barr über die Druckkampagne gegen die Ukraine in Kenntnis setzte.

«Barr muss alles gewusst haben. Der Generalbundesanwalt war im Grunde genommen Teil des Teams.»

Auch Mike Pence kriegt sein Fett weg

Parnas beschuldigte auch Vizepräsident Mike Pence, Teil der Ukraine-Affäre zu sein. So hätte Pence seine Reise in die Ukraine, um dem frisch gewählten Präsidenten Selenskyj zu gratulieren, abgesagt, weil das Land sich weigerte, eine Biden-Untersuchung anzukündigen. «Da bin ich mir 100 Prozent sicher», sagte Parnas.

Als Maddow fragte, ob der Vizepräsident wisse, dass sein Besuch in eine «Gegenleistung» eingebettet sei, zitierte Parnas die Bemerkungen des EU-Botschafters Gordon Sondland während den Impeachment-Hearings:

«Alle waren eingeweiht.»

Es ging nie um die Korruption im Land

Das Weisse Haus beharrt auf dem Standpunkt, dass es bei der Forderung nach einer Untersuchung von Hunter Biden und Burisma, der Firma, bei der er im Verwaltungsrat sass, immer nur darum ging, die Korruption in der Ukraine zu bekämpfen.

Parnas widersprach dem vehement:

«Es ging nie um Korruption – es ging ausschliesslich um Burisma, was Hunter Biden und Joe Biden einschloss.»

Trump leugnet alles

Die Demokraten beschuldigen Trump, sein Amt missbraucht zu haben, indem er die Ukraine unter Druck setzte. Er soll 400 Millionen Dollar an US-Militärhilfe zurückgehalten haben. Diese sollten nur freigegeben werden, wenn die Ukraine eine Untersuchung gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten und ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden sowie seinen Sohn Hunter Biden einleiteten.

Der Präsident hat alle Verfehlungen geleugnet und wiederholt versucht, sich von Parnas und seinem Geschäftspartner Igor Fruman zu distanzieren, nachdem diese beschuldigt wurden, ausländisches Geld in die US-Wahlen zu schleusen und Strohmänner zu benutzen, um die wahre Quelle der politischen Spenden zu verschleiern.

Trump behauptet derweil, er kenne die beiden gar nicht.

«Ich kenne sie nicht», sagte Trump zu Journalisten, nachdem sie verhaftet wurden.

«Ich weiss nichts über sie. Ich weiss nicht, was sie tun, und ich weiss nicht, vielleicht waren sie Klienten von Rudy. Sie müssen Rudy fragen, ich weiss es einfach nicht.»

Fakt ist, dass Trump bei mindestens sieben Gelegenheiten für Fotos mit Fruman oder Parnas posierte. Auch sollen sie schon private Treffen im Weissen Haus abgehalten haben.

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So berichteten die US-Zeitungen über Trumps Impeachment

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