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epa02699552 An employee works on the top of the reactor of the second power unit of Smolensk Nuclear Power Plant in Desnogorsk, some 350 km west of Moscow, Smolensk region, Russia, 22 April 2011. Annually, the three units of Smolensk Nuclear Power Plant (built according to Chernobyl design) generates up to 20 billion kWh of electricity that constitutes about 13 per cent of the overall electricity balance produced by 10 nuclear power plants of Russia. EPA/MAXIM SHIPENKOV

Arbeiter im Atomkraftwerk von Desnogorsk bei Smolensk, Russland. Bild: EPA

Nordeuropa registriert leicht erhöhte Radioaktivität

Mehrere skandinavische Länder haben leicht erhöhte Strahlenwerte gemessen. Die Ergebnisse deuten auf einen Zwischenfall in einem Atomreaktor hin. Liegt der Ursprung in Russland?

Lars Wienand / T-Online



Eine Meldung aus Skandinavien lässt aufhorchen: Nachdem Norwegen, Finnland und Schweden erhöhte Radioaktivität gemessen haben, haben sich auch die Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen und die Internationale Atomenergiebehörde gemeldet. t-online.de erklärt die Lage.

Was wurde gemessen?

Die ersten auffälligen Befunde machte die norwegische Strahlenschutzbehörde (DSA). An zwei Messstationen im Nordosten Norwegens an der Grenze zur russischen Halbinsel Kola wurden in der ersten Juni-Woche sehr geringe Mengen an radioaktivem Jod-131 gemessen. Auch eine Station auf Spitzbergen registrierte das Jod-131. Es zerfällt vergleichsweise schnell, die Halbwertszeit liegt bei acht Tagen.

Jeweils im Süden der Länder stiessen Schweden in der Woche darauf und Finnland am 16. und 17. Juni auf geringe Mengen von längerlebigen radioaktiven Isotopen: Kobalt-60, Ruthenium-103, Cäsium-134 und Cäsium-137. Die Organisation hinter dem Atomwaffen-Sperrvertrag, die CTBTO, die ein eigenes Messnetz betreibt, registrierte am 22. und 23. Juni in Schweden ebenfalls Cäsium und Ruthenium. Die genannten Nuklide sind allesamt Spaltprodukte von Prozessen in Atomkraftwerken, also künstliche radioaktive Stoffe.

Wie gefährlich ist die Strahlung?

Alle Behörden betonen, dass keine Gefahr für den Menschen oder die Natur von den gemessenen Werten ausgeht. Der Höchstwert an der Grenze zu Russland lag bei 1,3 Mikrobecquerel pro Kubikmeter Luft. Zum Vergleich: Im September und Oktober 2017 war radioaktives Ruthenium-106 in vielen Ländern Europas nachgewiesen worden. In Deutschland meldete das Bundesamt für Strahlenschutz einen Höchstwert von rund fünf Millibecquerel pro Kubikmeter Luft, also rund 5000 Mikrobecquerel, und beruhigte, dies sei 100'000 mal kleiner als der Wert, an dem Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergriffen werden müssten.

Wildschweinfleisch, in dem auch 34 Jahre nach dem Super-Gau von Tschernobyl noch Cäsium nachgewiesen wird, darf bis zu einer Strahlenbelastung von 600'000 Millibecquerel pro Kilogramm verkauft werden.

Woher kommen die strahlenden Teilchen?

Die skandinavischen Länder halten sich mit Aussagen dazu zurück. Ein wenig konkreter wurde die Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen. Lassina Zerbo, Chef der Atomwaffen-Sperrvertrags-Organisation CTBTO, twitterte aber eine Karte, die zeigen soll, wo 72 Stunden zuvor der mögliche Ursprungsort gewesen sein könnte. Es ist ein riesiges Gebiet.

Zerbo erläuterte, die Organisation könne die wahrscheinliche Region der Quelle angeben. «Aber es liegt ausserhalb des Mandats des CTBTO, den genauen Ursprung zu identifizieren.» Die Internationale Atom-Energiebehörde erklärte am Samstag, sie habe aus den Ländern Informationen erbeten, ob diese Radioisotope nachgewiesen wurden und zu der Freisetzung ein Zwischenfall passt.

Das Nationale niederländische Institut für Umwelt erklärte, die Radionuklide müssten von einem Schaden an einem Brennelement stammen. Eigene Berechnungen zeigten, dass die Nuklide aus Richtung Westrussland kommen müssen. Wegen der wenigen Messungen sei ein genauer Ursprungsort aber nicht zu identifizieren.

Was sagt Russland?

Auf den Seiten des Kernkraft-Monopolisten Rosenergoatom, Betreiber der zivilen Anlagen, findet sich keine Meldung. Es gebe auch nichts zu melden, berichten die Agenturen Interfax und Tass unter Berufung auf den Konzern. In den beiden Kernkraftwerken Leningrad und Kola seien die Kontrollwerte nicht überschritten worden. Die Seite der russischen Behörde für Umweltüberwachung Roshydromet zeigt an keiner Messstelle erhöhte Werte.

Wie plausibel ist das?

Greenpeace Russland verweist darauf, dass die Freisetzung auch möglich sei durch den Reaktor eines nuklearen Eisbrechers oder eines Atom-U-Boots. Russlands Umweltüberwachungsbehörde habe zudem in der Vergangenheit Kritik an den veralteten Messstationen der staatlichen Atomenergie-Agentur Rosatom geübt. Der Nachweis von Radionukliden in geringen Konzentrationen ist nur möglich durch Spezialgeräte mit Luftstaubsammlern, die grosse Mengen Luft durch Filter leiten.

Dazu kommt: Auch bei der europaweit gemessenen Ruthenium-106-Wolke im Jahr 2017 hatte Russland zurückgewiesen, dass die Quelle ein Zwischenfall in Russland sein könnte. Internationale Forscherteams sind dagegen zu diesem Schluss gekommen.

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51Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • El Rafiosi 30.06.2020 05:55
    Highlight Highlight Wäre ja auch das erste mal dass Russland zugibt dass bei ihnen was schief gelaufen ist.
  • Dr.Röntgen 30.06.2020 01:10
    Highlight Highlight Ist die Holzplatte abgefallen die sie über das Loch im Reaktor 4 genagelt haben?^^
  • Klaus & Klaus 29.06.2020 23:53
    Highlight Highlight Wie oft denn noch?!?! Finnland gehört nicht zu Skandinavien! „EINE Sache die Ihr wissen müsst!“ 😉
  • Scott 29.06.2020 23:19
    Highlight Highlight Die Russen haben wohl mal kurz durchgelüftet.
  • Fip 29.06.2020 23:13
    Highlight Highlight Dafür wird das Pilzsuchen wieder einfacher!
    Ich hol schonmal den Geigerzähler aus dem Keller.
  • Shiftphoner 29.06.2020 23:10
    Highlight Highlight 1986 in a nutshell...
  • nadasagenwirjetzteinfachmal 29.06.2020 22:36
    Highlight Highlight Also der Wert von 5'000 liegt um das 100'000 fache unter dem gefährlichen Wert und wir reden hier von einem Wert von 1.3
    Das ist nur dann dramatisch wenn man an die Wirkung von homöopathischer 'Medizin ' glaubt .
    • Hans Jürg 30.06.2020 12:35
      Highlight Highlight Naja, Tchernobyl hat damals auch klein angefangen...
  • Meyer Andrej 29.06.2020 21:45
    Highlight Highlight Unmöglich, wenn Russland einen Störfall gehabt hätte, wäre dieser sicherlich analog dem schweizer Verfahren an die entsprechende Behörde gemeldet worden. Wobei, das AKW Beznau, hat ja auch einen meldepflichtigen Störfall nicht gemeldet, jaja...
    • Nikl 29.06.2020 22:44
      Highlight Highlight Und die Dummheit der Schweiz macht die der Russen besser?
  • redeye70 29.06.2020 21:27
    Highlight Highlight Im Osten nichts Neues!
  • 1of8mio 29.06.2020 21:04
    Highlight Highlight Und Russland mal wieder... You think Khoronsky Virus is bad? Chold my vodka...
    • Silent_Revolution 30.06.2020 01:38
      Highlight Highlight Chold my racism. Die Faktenlage ist viel zu dünn um "den Russen" oder der russichen Regierung irgendwas anzudichten.
    • 1of8mio 30.06.2020 09:12
      Highlight Highlight Klar, und bestimmt auch ein Zufall dass es überall entlang der Russischen Grenze aufpoppt. Aber hast recht - das waren bestimmt nicht die Russen, sondern wiedermal diese unsäglichen Luxemburger 🙄.
  • Unicron 29.06.2020 20:08
    Highlight Highlight 2020 keeps on giving.
    • Miss Anthropocene 29.06.2020 23:56
      Highlight Highlight Hey, es ist erst Halbzeit! :D
    • Pepe Le Fart 30.06.2020 07:18
      Highlight Highlight Chesus... krieg keine Luft...
      Benutzer Bild
  • Roy Eugster 29.06.2020 19:29
    Highlight Highlight Mikrobequerel? Seid ihr sicher oder habt ihr es mit Sievert verwechselt? Einfach so als Gedankenstütze: Der Radon Grenzwert in der Schweiz liegt bei 300 Bequerel pro Kubikmeter. Und das wären 300'000'000 Mikrobequerel pro Kubikmeter. Bei Mikrosievert hätte ich jetzt nichts gesagt.
  • Tiny Rick 29.06.2020 18:56
    Highlight Highlight Ich habe in SimCity ja auch immer gerne mit den Katastrophen gespielt, wer aber auch immer SimCity 2020 mit uns am Spielen ist, es reicht. Lass mal was abklingen bevor du die nächste Katastrophe aktivierst.
  • weissauchnicht 29.06.2020 18:28
    Highlight Highlight Hey, easy. Buschbrände, Corona, Rassenunruhen, was war da noch?
    Komm, bring den AKW-SuperGAU, am besten noch in diesem Jahr. Bringen wir all den Shit hinter uns, damit es nächstes Jahr wirklich nur noch besser werden kann...
    • Tartaruga 29.06.2020 21:14
      Highlight Highlight Asteroiden fehlen noch
    • redeye70 29.06.2020 21:29
      Highlight Highlight Wäre es ein Super-GAU wären die Strahlenwerte massiv höher. Das hat ja Tschernobyl gezeigt. Auch sehr typisch ist, wie die Russen damit umgehen. Die werden nie verlässliche Partner sein.
    • Silent_Revolution 30.06.2020 01:43
      Highlight Highlight redeye

      Keine Imperialmacht wird je ein verlässlicher Partner sein, da sie eine klare Strategie verfolgt und sofort Schluss macht, sobald sie in globaler Hinsicht von einem Partnerwechsel profitiert.

      Ob USA, China, Russland oder die EU. Alles derselbe, verlogene Dreck.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der müde Joe 29.06.2020 18:06
    Highlight Highlight 2020 kommt langsam so richtig in Fahrt!
  • Gulli 29.06.2020 18:03
    Highlight Highlight 2020 sucks
    • Pepe Le Fart 30.06.2020 07:19
      Highlight Highlight mhh.
      Benutzer Bildabspielen
  • Erbinho 29.06.2020 17:48
    Highlight Highlight Here we go again...
    Benutzer Bild
    • Hana Meier 29.06.2020 20:04
      Highlight Highlight Habe diesen Reddit-Post auch gesehen. In diesem Gebiet ist übrigens kein AKW.
    • redeye70 29.06.2020 21:32
      Highlight Highlight Da ist wirklich nix. Die Atom-U-Boote liegen in Murmansk. Wohl eher Fake.
    • The Rogue 30.06.2020 02:38
      Highlight Highlight Das ist eine Prognosekarte und keine welche auf aktuelle Messwerte beruht. Dh ist ein Rechenfehler und in dem Kontext Fake.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Weggli 29.06.2020 17:37
    Highlight Highlight Annus horribilis 2020. Kann bitte mal jemand auf FF drücken?
    • Ente_Sandman 30.06.2020 08:08
      Highlight Highlight Wer denkt dass 2021 besser wird hat den Knall wohl nicht gehört.
  • Christian Mueller (1) 29.06.2020 17:22
    Highlight Highlight Aber Atomkraft ist dich sicher sicher und völlig die Energiezukunft! Jedenfalls wenn man die richtigen Lobbyisten fragt...
    • Unicron 29.06.2020 20:11
      Highlight Highlight Es sterben mehr Menschen an den Auswirkungen von Kohlekraftwerken als bei allen Atomunföllen zusammen.

      Aber es ist halt wie bei einem Flugunglück. Stürzt ein Flugzeug ab sterben 250 Menschen auf einmal und das ist schlimm und schockierend. Dass jedes Jahr viel viel mehr Menschen bei Verkehrunfällen sterben geht vergessen weil es halt nur jeweils einzelne sind.
    • slick 29.06.2020 20:36
      Highlight Highlight Es hat auch niemand gesagt, dass Kohlekraftwerke die Alternative sei. Schon mal was von erneuerbaren Energien gehört?
    • Christian Mueller (1) 29.06.2020 21:56
      Highlight Highlight @Unicorn: Beides ist schlecht. Du betreibst gerade Whataboutismus.
    Weitere Antworten anzeigen
  • α Virginis 29.06.2020 17:18
    Highlight Highlight Bitte nicht schon wieder...
    • Pepe Le Fart 30.06.2020 07:17
      Highlight Highlight nicht schon wieder... fertig mit Virginis?
  • Lümmel 29.06.2020 16:52
    Highlight Highlight Ok 2020, jetzt ist dann mal langsam gut.
    • Harry Zimm 29.06.2020 23:53
      Highlight Highlight Denkste.
  • Statler 29.06.2020 16:45
    Highlight Highlight Ok, wer hatte «Supergau im Juli»?
    • Das etwas 29.06.2020 17:14
      Highlight Highlight wer den furz zuerst gerochen .... oder?

      naja bisher sin wir ja noch fast lichtjahre entfernt. von den gemessenen werten das sie überhaupt gefährlichwerden könnte. hätte es nen gau gegeben würden die messstationen nonstop in europa auschlagen.

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