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Kommentar

Warum der neue «Jacko lebt»-Hype mehr über Journalisten als (die anderen) Internet-Spinner aussagt



Lange nichts gehört von Michael Jackson! Gut, das mag daran liegen, dass der Sänger 2009 gestorben ist. Offiziell zumindest. Doch alle, die das nicht wahrhaben wollen, das nicht verkraften können oder einfach betont trotzig im Kopf sind, wissen es besser: Jacko lebt. Irgendwie. Irgendwo. Irgendwann.

Und diese weltfremden Spinner Skeptiker dürften ihre fixe Idee Wahnvorstellung Verschwörungstheorie These nun bestätigt sehen: Jacksons Tochter hat auf Instagram ein Foto veröffentlicht, auf dem Kenner den King of Pop erkannt haben wollen. 

Huch, falscher Instagram-Post ... Das ist natürlich wirklich Michael Jackson, doch gemeint ist dieses Bild:

«Wenn du etwas Liebe gibst, bekommst du auch ein wenig Liebe», hat die 18-Jährige dazu geschrieben. Das Foto ist bereits vor sechseinhalb Monaten in der Kleinstadt Joshua Tree in Kalifornien aufgenommen worden.

So weit, so unspektakulär – wäre da nicht der Schatten hinter Paris Jackson. Und in wessen Schatten steht der Teenager? Na, eben, in dem ihres weltberühmten Vaters.

Und was heisst das?

Eigentlich gar nichts. Aber hey, ist das nicht vielleicht Papa Michael auf dem dunklen Rücksitz, der seinen Tod bloss vorgetäuscht hat – und nun dummerweise auf das Selfie der Tochter geraten ist?

Nein, ganz sicher nicht. Aber erzähl das mal den Fantasie-Fanatikern des Internets, die überall Geheimbündelei und Theater wittern ...

Bereits Ende April wurde ein Video auf YouTube gestellt, in dem die Mär von Michaels Undercover-Leben «untermauert» wird. Der Clip ist amateurhaft gemacht – und blieb vorerst vollkommen zurecht gänzlich unbemerkt.

Um so eine harmlose, alberne Räuberpistole jedoch zu einer ausgewachsenen, durchgeknallten Verschwörungstheorie aufzublähen, bedarf es noch eines «Treibstoffs»: Erst wenn wir Medien über den hanebüchenen Unsinn berichten, erfahren auch Menschen davon, denen man alles erzählen kann. (Wobei eingeräumt werden muss: Mit diesem Artikel macht sich natürlich auch watson mitschuldig ... )

Bild

Wie du siehst, siehst du nichts: Die «Daily Mail» hat trotzdem einen Kreis gemacht. screenshot: daily mail

Hier eine Auswahl an aktuellen Überschriften zu dem Thema:

Das wirft natürlich Fragen auf: Wie kann bloss jemand ernsthaft glauben, Jacko sei nicht tot und fahre mit seiner Tochter durch Kalifornien? Warum verbreiten Medien so einen Mumpitz, obwohl selbst für Laien ersichtlich ist, dass das Video zum Instagram-Foto dilettantisch bearbeitet wurde?

Für 100 Millionen – Jacksons Neverland Ranch steht zum Verkauf

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Für 100 Millionen – Michael Jacksons Neverland Ranch steht zum Verkauf
quelle: epa/epa file / armando aroriyo
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Vielleicht gibt es unbedarfte Fans, die den Schwindel nicht durchschauen können, aber die Medienvertreter dürften den Schwindel ohne Probleme erkennen. Offenbar ist eine abstruse Schlagzeile jedoch attraktiver als das Thema links liegen zu lassen.

Das ist schade, denn da hätte man dann auch mehr draus machen können: Jacko ist nicht nur am Leben, er lebt auch wie ein Rebell! Hat sich der Mann nicht stets verschleiert? Ist der Song «Smooth Criminal» nicht ein Loblied auf den gemeinen Terroristen? Wieso sollte der Mann nicht gerade in Syrien für den «Islamischen Staat» kämpfen? Kampfname «Fata Morgana»?

Vielleicht macht jemand bald ein Video dazu.

Wearing a black surgical mask, pop singer Michael Jackson arrives with companion Debbie Rowe at a play performance on April 28, 1996, at the Pasadena Playhouse in Pasadena, Calif. A judge has ordered lawyers for Jackson and Rowe, his ex-wife to submit copies of missing papers from their divorce file. A Superior Court judge in Los Angeles on Monday, March 27, 2006, ordered Rowe's lawyer to submit duplicate copies of Rowe's 2001 motion to terminate her parental rights to her two children with Jackson. Jackson's lawyers were ordered to submit a copy of the pop star's opposition to the motion.  (AP Photo/Chris Pizzello)

Verschleiert – islamistisch? Michael Jackson 1996 mit Debbie Rowe in Pasadena, Kalifornien. Bild: AP

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