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«Die Rache der Fledermaus»: pralle Komik, süss und köstlich

«Die Rache der Fledermaus» im Casinotheater Winterthur – eine ebenso schräge wie bestens gelungene Interpretation von Johann Strauss’ weltberühmtem Opus.

Rosmarie Mehlin / Nordwestschweiz



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Zuschauen und Zuhören ist ein Genuss. Das Ensemble in originellen Kostümen.  Michael Bigler

Werke der goldenen Operettenära tauchen regelmässig auf den Spielplänen nicht nur von Stadttheatern und Landbühnen auf, sondern ebenso auf jenen weltberühmter Opernhäuser wie der Met in New York oder der Mailänder Scala. Besonders häufig vertreten istda «Die Fledermaus». 144 Jahre hat das Meisterwerk von Johann Strauss inzwischen auf dem Buckel, und gar so manche Inszenierung scheut nicht davor zurück, der Patina mehr oder weniger radikal an den Kragen zu gehen.

Mit «Die Rache der Fledermaus» hat nun das Casinotheater Winterthur «eine liebenswerte Abrechnung mit Johann Strauss» in Szene gesetzt. Wer als Kenner und Liebhaber des Operetten-Genres, beherrscht von grimmiger Vorahnung der Aufführung trotzend fernbleibt, schneidet sich ins eigene Fleisch. Denn in dieser schrägen, urkomischen Version wird bei allem Klamauk dem Opus als solchem sowie – auf ungewöhnliche, aber überzeugende Weise dem musikalischen Kunstwerk von Johann Strauss die gebührende Ehre erwiesen. Sämtliche der unzähligen Ohrwürmer sind zu hören – in anderen, spannenden Rhythmen, intoniert auf ebenso überraschenden, wie faszinierenden Instrumenten – vom Akkordeon bis zur «singenden Säge» – und mit köstlichen Texten gesungen. Egal ob im Original wohlbekannte Walzer, Csárdás, Galopp, Polka, ob Solo, Duett, Quartett: Sie alle erklingen neu, anders, frisch, aber genauso wunderbar wie in der klassischen Version. Für dieses «Klangwunder» zeichnen die Multiinstrumentalisten Francesco Carpino aus Zürich und die «Zucchini Sistaz» – drei Musikerinnen aus Deutschland – verantwortlich, die sie unter Leitung von Kai Tietje, notabene dem Leiter der Komischen Oper Berlin, begeisternd interpretieren.

Zuhören ist das eine Vergnügen; das andere – nicht weniger mitreissende – ist das Zuschauen. Der Hochgenuss beginnt in der Ausstattung, vorab den erlesen-originellen Kostümen (Heike Seidler), setzt sich fort in der wunderbar einfalls-, geist- und temporeichen Inszenierung von Stefan Huber und gipfelt im umwerfend lustvoll agierenden Ensemble. Mit ebenso nonchalanter Grandezza gibt Christoph Marti (besser bekannt als Ursli von den «Geschwistern Pfister») die betrogene und betrügende Rosalinde, wie die Berlinerin Stefanie Dietrich einen hinreissenden Prinzen Orlofsky verkörpert. Auch ohne «Geschlechtsumwandlung» überzeugen unter anderem die Zürcherin Gabriela Ryffel als Stubenmädchen, der Deutsche Tobias Bonn (alias Toni Pfister)als Eisenstein, der Urner Rolf Sommer als Gefängnisdirektor und der Berner Max Gertsch als «Rächer» Dr. Falke.

Und dann ist da noch Stefan Kurt, bekannt auch als «Papa Moll». Als Gefängniswärter Frosch pfeffert er ein Kabinettstücklein der Extraklasse auf die Bühne: Vom «Alpenbitter»-Konsum gezeichnet, Berndeutsch lallend, schwankend wie eine Barkasse bei hohem Seegang, Polos «Kiosk» in Endlosschlaufe singend stellt Kurt sein komödiantisches Talent schlagend unter Beweis – wie das sämtliche Mitwirkenden tun. Wahrlich: Diese Rache ist nicht nur süss – sie ist ein wonnigliches Amüsement.

Die Rache der Fledermaus bis 30. September im Casinotheater Winterthur. (aargauerzeitung.ch)

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