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In this image released by Twentieth Century Fox, Mystique, portrayed by Jennifer Lawrence, appears in a scene from,

Jennifer Lawrence als Mystique im Singer-Film «X-Men: Apocalypse». Bild: AP/Twentieth Century Fox

Seine Opfer waren 13 Jahre alt – die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Regisseur Bryan Singer

Zwei amerikanische Journalisten haben ein Jahr lang recherchiert und die Männer interviewt, die in viel zu jungen Jahren mit dem Erfolgsregisseur in Kontakt gekommen sind. Das Resultat ist erschütternd.



An den Award-Shows dieses Winters fehlt sein Name. Dabei ist sein Film ganz vorne mit dabei. Wie jeder andere seiner Filme. Über 3 Milliarden Dollar sind für Bryan Singers Filme an den Kinokassen schon ausgegeben worden. Für «The Usual Suspects», die «X-Men»-Filme, «Superman Returns». Und «Bohemian Rhapsody» hat bis jetzt auch schon weit über 400 Millionen Dollar weltweit eingespielt. Doch der Regisseur wird – gut hörbar beziehungsweise eben nicht – totgeschwiegen. Zum Beispiel bei den Golden Globes. Aber wieso?

This image released by Twentieth Century Fox shows Joe Mazzello, from left, Ben Hardy, Rami Malek and Gwilym Lee in a scene from

«Bohemian Rhapsody»: Singer-Hit aus Hits. Bild: AP/Twentieth Century Fox

Drei Wochen vor Drehende von «Bohemian Rhapsody», im Dezember 2017, wurde Bryan Singer (heute 53) gefeuert. Weil er sich mit der Crew überwarf. Weil er zu viele Medikamente konsumierte. Weil er immer wieder tage- oder wochenlang vom Set verschwand. 

Wenige Tage später klagte der 33-jährige Cesar Sanchez-Guzman Singer der Vergewaltigung an. Cesar war 17 Jahre alt gewesen und Freunde hatten ihn zur Party eines lokalen Tech-Millionärs mitgenommen, wo sich reiche erwachsene Männer mit minderjährigen Jungs verlustierten. Cesar wurde auf die Millionärsyacht eingeladen. Dort soll ihn Singer oral und anal vergewaltigt haben.

Bryan Singer, Kevin Spacey «The Usual Suspects» 1995

Die üblichen Verdächtigen, rechts aussen Kevin Spacey. Bild: Polygram filmed entertainment

Es war nicht der erste Missbrauchsvorwurf gegen den Regisseur, aber ein weiterer aus dem Jahr 2014 war derart konfus und widersprüchlich gewesen, dass der Kläger schliesslich öffentlich als Lügner gebrandmarkt worden war. Allerdings hatten bereits 1997 nach den Dreharbeiten zu «Apt Pupil» mindestens fünf Statisten zwischen 14 und 17 Jahren Vorwürfe gegen Singer und seine Crew erhoben – vor dem Dreh einer Duschszene seien sie gezwungen worden, sich nackt zu zeigen. Die Produktionsfirma bezahlte, die Statisten schwiegen.

Zwei Journalisten haben jetzt recherchiert. Zunächst für das Magazin «Esquire», wie Singer im Oktober 2018 wütend auf Instagram kundtat. 12 Monate lang interviewten Alex French und Maximillian Potter insgesamt 50 Quellen, darunter vier Männer, die bis dahin noch nicht gegen Singer ausgesagt hatten. Aber auch Zeugen, Mitarbeiter von Singer und Anwälte.

James McAvoy, from left, Bryan Singer, and Jennifer Lawrence attend the

Singer zwischen seinen Stars James McAvoy und Jennifer Lawrence an der Comic-Con 2015. Bild: Chris Pizzello/Invision/AP/Invision

Doch nachdem ihre Geschichte auf Fakten geprüft und vom Verlags-Anwalt abgesegnet worden war, untersagte ihnen die oberste Verlagsetage die Publikation. Nun ist die Recherche der beiden bei «The Atlantic» erschienen. 

Der Bericht reisst – 15 Monate nach Ronan Farrows erschütternden Enthüllungen über Harvey Weinstein im «New Yorker» – das nächste Höllentor zu Hollywood auf.

Einer der Betroffenen war während des Drehs zu «Apt Pupil» von Singer auf einem Urinal «entdeckt» worden. Singer bestellte ihn daraufhin zum Dreh, wo er nur mit einem Handtuch bekleidet einen Tag lang in einem leeren Raum warten sollte. Immer wieder kam Singer, masturbierte vor ihm und versuchte, ihm einen runterzuholen. Der Junge war 13 Jahre alt. Später schlug er seine Freundin, wurde drogensüchtig, kam ins Gefängnis. 

Tom Cruise im Bryan-Singer-Film «Valkyrie»-

Tom Cruise im Singer-Film «Valkyrie», 2008. Bild: MGM

Ende der 90er-Jahre beteiligte sich Singer am Start-up-Unternehmen Digital Entertainment Network (DEN) von Marc Collins-Rector, das Kino- und TV-Formate für 14- bis 24-Jährige produzieren wollte. Zu den Investoren gehörten auch Microsoft, Dell und NBC. DEN stellte auffällig viele sehr junge Männer, oft auch Minderjährige, in wichtigen Positionen ein.

Wie jetzt klar wird, war DEN ein Tarnunternehmen, das Minderjährigen Pornos zeigte, sie mit Alkohol, Drogen und Beruhigungsmitteln versorgte und dazu brachte, Sex mit älteren Männern zu haben.

Ein anderer, er nennt sich im Bericht von French und Potter «Andy», wurde von Collins-Rector als 14-Jähriger in einem Online-Chat rekrutiert. Mit 15 wurde er Singers Geliebter. Danach ging er auf den Strich, wurde drogensüchtig, kam ins Gefängnis und wurde Pornodarsteller. Auch Brad Renfro, 15 und Teenstar aus «Apt Pupil», war bei diesen Orgien dabei. Mit 25 starb er an einer Überdosis. 

Brad renfro in «Apt Pupil» 1998

Brad Renfro in «Apt Pupil», 1998. Bild: Phoenix Pictures

Informant «Eric», der mit 17 zu DEN gelangte, beschreibt, wie sehr Jungs wie er damals Dutzendware für Singer waren. «Der Regisseur», schreiben French und Potter, «hatte Leute, die ihm Jungs exakt wie Eric brachten: ‹Wenn du nicht jung und süss genug für sie warst, konntest du dich immer noch beliebt machen, indem du sie selbst mit Jungs versorgtest›, sagt er.»

Im August 2000 wurde in neun Fällen von Missbrauch Minderjähriger gegen Collins-Rector ermittelt. Schliesslich wurde er in Spanien verhaftet – in seinem Besitz fanden sich Waffen und 8000 Bilder mit Kinderpornographie.

Ebenfalls im August 2000 lief am Filmfestival Locarno auf der Piazza die grosse Europapremiere von Bryan Singers «X-Men».

Der Film über Jugendliche mit besonderen Fähigkeiten, die von älteren Herren unterrichtet werden. Keine verdächtigen Spuren führten damals von Collins-Rector zu Singer. Dabei war er ganz einfach Teil eines monströsen Pädophilenrings.

HANDOUT --- Szene aus dem Film X-MEN von Bryan Singer, USA, mit Patrick Stewart, Ian McKellen, Hugh Jackman, Anna Paquin, Tyler Mane. Die internationale Premiere des Films wird am 53. Filmfestival Locarno am Mittwoch, 2. August 2000, ausserhalb des Wettbewerbs auf der Piazza Grande gezeigt. (KEYSTONE/HO/FILMFESTIVAL)

So sahen die «X-Men» aus, als sie 2000 in Locarno liefen. Bild: FILMFESTIVAL LOCARNO

Man kann sich fragen, ob der Mann, der «E.T.» zu seinem Leitfilm erklärte, weil dort Jugendliche, die sich wie Aliens fühlen, mit einem richtigen Alien in Kontakt kommen, anders gehandelt hätte, wenn Hollywood nicht so viele Jahre lang für so viele Homosexuelle eine Alptraumfabrik gewesen wäre. Ob der krasse Missbrauch weniger befördert und im Versteckten geschützt worden wäre, wenn Männer wie Singer und sein «Usual Suspects»-Held Kevin Spacey ihre Homosexualität in aller Offenheit gelebt hätten. Wahrscheinlich nicht. Weinstein und Co. mussten ihre Heterosexualität schliesslich auch nicht unterdrücken.

P.S. Im Herbst wurde Singer für die Regie der Comicverfilmung «Red Sonja» verpflichtet. Die Heldin, so French und Potter, ist Überlebende eines sexuellen Übergriffs.

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