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Good-News

Weniger Nebenwirkungen: Neurodermitis wird deutlich besser behandelbar



Bis zu einem Sechstel der Kinder und zwei bis fünf Prozent der Erwachsenen leiden an atopischer Dermatitis, auch Neurodermitis genannt. Bisherige Mittel – Cortison etwa – haben oft schwere Nebenwirkungen. Doch es gibt vielversprechende neue Wirkstoffe – einige schon zugelassen, andere noch in der Warteschlange.

Nach jahrelangem Stillstand verspricht aktuell – zum Teil erst im «Windschatten» von Covid-19 zugelassen – eine ganze Reihe von neuen Behandlungsmöglichkeiten deutliche Besserung: wirksame Salben, Injektionen mit monoklonalen Antikörpern und Arzneimittel in Tablettenform.

Etwa 2 bis 5 Prozent der Bevölkerung sind von Neurodermitis betroffen.

Häufig müssen an Neurodermitis erkrankte Personen auf Behandlungsmethoden mit schweren Nebenwirkungen zurückgreifen. Bild: Shutterstock

Bei anhaltendem schweren Erkrankungsbild waren bisher alte und stark immunsupprimierende Medikamente wie Cyclosporin A, Cortison («systemisch») zum Schlucken, Methotrexat, Azathioprin, Mycophenolat mofetil sowie UV-Bestrahlung und Vitamin E-Abkömmlinge häufig verwendete Mittel – fast alle mit starken Nebenwirkungen.

Zugelassen, aber noch nicht erhältlich ...

Vor allem aus den molekularbiologischen Erkenntnissen der Immunologie stammen jetzt aber die neuen Therapiemöglichkeiten, die vergleichsweise gezielt in die Krankheitsprozesse eingreifen. Im März vergangenen Jahres wurde mit einer Crisaborol-Salbe ein neues antientzündliches Mittel von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA für Kinder und Erwachsene mit leichter bis moderater atopischer Dermatitis zugelassen.

Crisaborol hemmt die Freisetzung bestimmter Zytokine, die am Entzündungsprozess beteiligt sind, Tumornekrose-Faktor alpha etwa, Interleukine (IL-2, IL-4, IL-5) und Interferon-Gamma. Freilich ist der Markteinführungstermin für die EU noch nicht bekannt. Und auch für die Schweiz liegen noch keine Angaben vor.

Kinder sind von Neurodermitis häufiger betroffen als Erwachsene

Kinder sind von Neurodermitis häufiger betroffen als Erwachsene. Bild: Shutterstock

Interleukin-Antagonisten

Einen relatives neues Behandlungskonzept stellt Dupilumab dar. Der monoklonale Antikörper hemmt den Rezeptor für den Entzündungs-fördernden Immunbotenstoff Interleukin-4-Rezeptor alpha.

In zwei Phase-III-Studien mit Dupilumab bei erwachsenen Patienten mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis zeigte sich nach 16 Wochen bei 37 Prozent der Behandelten ein Rückgang der Beschwerden fast bis zur Symptomfreiheit. In der Vergleichsgruppe (Placebo) war das nur bei acht Prozent der Behandelten der Fall. Dupilumab muss unter die Haut injiziert werden.

Für Neurodermitis gibt es bald neue Behandlungsmöglichkeiten

Mit den neuen zugelassenen Wirkstoffen haben Erkrankte bald mehr Auswahl an Behandlungsmöglichkeiten. Bild: Shutterstock

Bei Patienten mit Neurodermitis findet sich – abhängig vom Schweregrad der Symptome – auch der Entzündungs-fördernde Immunbotenstoff Interleukin-13 (IL-13). Allein dagegen wirkt ein anderer monoklonaler Antikörper, der in absehbarer Zukunft zugelassen werden soll: Tralokinumab.

Wien it der gezielten Blockade von IL-13 kann offenbar bei mehr als 50 Prozent der Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis eine Reduktion der Hautsymptome um 75 Prozent erreicht werden. Bei 15 Prozent gelingt das sogar zu etwa 90 Prozent.

Speziell für Neurodermitis-Patienten mit starkem Juckreiz könnten Strategien zur Blockade von Interleukin-31 sein. Hier dürfte es in absehbarer Zukunft den monoklonalen Antikörper Nemolizumab geben, der den Rezeptor des Botenstoffs blockiert. Studien der Phase II zeigten gute Ergebnisse.

Rheumamittel hilft auch bei Ekzem

Doch während die monoklonalen Antikörper injiziert werden müssen, gibt es auch immer mehr wirksame Arzneimittel zur bloss oralen Einnahme. Erst im Oktober 2020 in Europa für die Behandlung der atopischen Dermatitis zugelassen wurde der Wirkstoff Baricitinib. Die Substanz hemmt sogenannte Januskinase-Enzyme, welche bei Entzündungen eine Rolle spielen.

Wirkstoffe wie Baricitinib werden seit 2017 mit grossem Erfolg in der Therapie der rheumatischen Arthritis eingesetzt. In Phase-III-Studien mit Baricitinib und Patienten mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis erreichte knapp ein Drittel der Probanden fast oder sogar vollständige Symptomfreiheit. Das entsprach etwa dem Doppelten der Erfolgsrate in einer Placebo-Gruppe.

Mit allen diesen Wirkstoffen dürften in Zukunft viel mehr und viel gezielter wirkende Mittel zur Behandlung der Neurodermitis zur Verfügung stehen. (saw/sda/apa)

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