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A Pro-Russian fighter gestures in Troitsko-Khartsyzk, 30 Km east of Donetsk, on August 28, 2014. Mortar bombardments have killed 11 civilians and wounded 22 more in east Ukraine's main rebel bastion of Donetsk over the past 24 hours, local authorities said on August 28. AFP PHOTO/ FRANCISCO LEONG

Ein pro-russischer Soldat nahe Donezk. Bild: AFP

Ukraine

Russische Soldaten vor Donezk: Klare Hinweise und doch viele Fragen



Für seine Hiobsbotschaft vom angeblichen Einmarsch der Russen hätte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko keine dramatischere Kulisse wählen können. In die Ukraine seien russische Truppen gebracht worden, sagt der Staatschef mit Grabesstimme in einer Fernsehansprache.

Er steht auf dem Rollfeld eines Flughafens in Kiew, im Hintergrund heulen die Düsen der Regierungsmaschine. Doch Poroschenko fliegt nicht ab. «Ich habe einen Besuch in der Türkei abgesagt. Der Platz des Präsidenten ist heute in Kiew», sagt der prowestliche Staatschef mit leichenbitterer Miene.

«Ich habe einen Besuch in der Türkei abgesagt. Der Platz des Präsidenten ist heute in Kiew.»

Petro Poroschenko

Fünf Monate nach der Annexion der Halbinsel Krim sollen russische Truppen hinter der ukrainischen Grenze mehrere Orte besetzt haben. Von einer «zweiten Front» im verlustreichen Kampf der Armee gegen moskautreue Separatisten ist die Rede. 

Doch während Poroschenko eine Sondersitzung des Sicherheitsrats in Kiew einberuft, lässt der Kreml Diplomaten und Abgeordnete den vermeintlichen Einmarsch am Asowschen Meer als «Lüge» dementieren. Die «erste Garde» der Atommacht, also etwa Präsident Wladimir Putin oder Aussenminister Sergej Lawrow, äussert sich zunächst nicht.

Separatisten bestätigen russische Unterstützung

Alexander Zakharchenko, prime minister of the self-proclaimed Donetsk People's Republic, speaks to the media in Donetsk, eastern Ukraine August 28, 2014. Zakharchenko said serving Russian soldiers, on leave from their posts, are fighting Ukrainian troops alongside the rebels, Russian state television reported. REUTERS/Maxim Shemetov (UKRAINE - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT)

Bild: MAXIM SHEMETOV/REUTERS

Schon mehrfach hatte die Führung in Kiew von russischen Truppen gesprochen, aber nie Beweise vorgelegt. Auch die NATO berichtet am Donnerstag von russischem Militärengagement.

Als zweifelsfrei gilt mittlerweile, dass russische Soldaten in der Ukraine mitkämpfen. Dies räumen sogar die Aufständischen ein. Insgesamt «3000 bis 4000» Russen hätten in der Ukraine zu den Waffen gegriffen, sagt Separatistenführer Andrej Sachartschenko. 

«Sie kämpfen mit uns, weil sie dies als ihre Pflicht verstehen.»

Separatistenführer Andrej Sachartschenko

Er spricht von ehemaligen russischen Berufssoldaten oder regulären russischen Soldaten, die «ihren Urlaub an der Front verbringen» würden. «Sie kämpfen mit uns, weil sie dies als ihre Pflicht verstehen», behauptet Sachartschenko. Das dies ohne Duldung des Kremls geschehen könnte, halten selbst Experten in Moskau für unwahrscheinlich.

Vorwürfe einer gezielten Militärhilfe der Aufständischen hat Russland stets zurückgewiesen. Aber es häufen sich Berichte über russisches Engagement.

Unter Geheimhaltung würden verwundete Soldaten in einer Klinik in St. Petersburg gepflegt, sagt Ella Poljakowa vom Verband der Soldatenmütter. Zuletzt hatten Medien in Moskau auch über Beerdigungen russischer Soldaten berichtet, die in der Ukraine getötet worden seien. 

Prime Minister of the self-proclaimed

Bild: SERGEI KARPUKHIN/REUTERS

«Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass es unter uns viele Russen gibt, ohne deren Hilfe wir es sehr schwer hätten.»

Separatistenführer Andrej Sachartschenko

«Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass es unter uns viele Russen gibt, ohne deren Hilfe wir es sehr schwer hätten», sagt der Separatistenführer Sachartschenko. «Leider gab es auch Tote.»

Dramatische Lage für ukrainische Armee

Beobachter sehen allerdings die Lage vor allem für die ukrainische Armee dramatisch. Die prorussischen Separatisten erzielen seit Beginn ihrer Gegenoffensive massive Geländegewinne, heisst es. Etwa 300 Kilometer der russisch-ukrainischen Grenze von Lugansk bis Nowoasowsk stehen vermutlich unter ihrer Kontrolle.

Auch bei Lugansk und Donezk drängen sie die Armee zurück. Tausende Soldaten sollen eingekesselt sein. In Kiew fordern Demonstranten bereits offen den Rücktritt von Verteidigungsminister Waleri Geletej. Es wäre der dritte abgelöste Ressortchef seit dem Regierungswechsel im Februar.

Mitteilung aus wahltaktischen Gründen

Poroschenkos Gegner werfen dem Staatschef vor, die jetzige Mitteilung vom russischen Einmarsch auch aus taktischen Erwägungen gemacht zu haben. Am Donnerstag begann offiziell der Wahlkampf vor der Parlamentswahl am 26. Oktober, und Poroschenko braucht Stimmen aus dem antirussischen Lager. 

Am Freitag soll der Internationale Währungsfonds (IWF) über neues Geld für das nahezu bankrotte Land entscheiden. Am Samstag reist Poroschenko zu den EU-Spitzen nach Brüssel, in der kommenden Woche tagt die Nato in Wales. Dies sei eine gute Gelegenheit, jetzt die Aufmerksamkeit auf die Ukraine zu lenken.

In Moskau erinnern Experten daran, dass Putin zuletzt mehrfach ein schnelles militärisches Eingreifen in der Ukraine ausgeschlossen hatte. Eine förmliche Vollmacht dafür hatte der Präsident demonstrativ zurückgegeben.

Und kurz bevor Poroschenko seine dramatische Mitteilung macht, gibt der Kreml eine andere Erklärung heraus: Zwar sei der Krisengipfel in Minsk am vergangenen Dienstag recht ergebnislos verlaufen, Dialog sei aber wichtig. Putin und Poroschenko sollten sich wieder treffen – «möglichst bald». (pma/sda/dpa)

Lesen Sie hier unseren Live-Ticker von Donnerstagnachmittag (keine Updates mehr)

Liveticker: «Invasion» der Ukraine

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Kian
juergvollmer
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Russische Panzer identifiziert
von juergvollmer
Britische Experten vom Londoner Institut für Strategische Studien (IISS) haben auf einem Video aus der Ost-Ukraine einen Panzer identifiziert, der eindeutig aus Russland stammt. Der T-72BM handle es sich um ein Modell, welches Russland nie ins Ausland exportierte. Erkennbar ist er an seiner charakteristischen Panzerung mit einzelnen kleinen Platten.
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von juergvollmer
Gemäss Alexander Zakharchenko, selbst ernannter «Premierminister» der von den Separatisten ausgerufenen Volksrepublik Donezk, «kämpfen 3000 bis 4000 russische Staatsbürger in unseren Reihen, darunter viele ehemalige und aktuelle russische Armeeangehörige sowie ehemalige hochrangige Offiziere.»

Die russischen Soldaten würden sich dem Kampf in der Ukraine anschliessen, weil sie es als ihre Pflicht erachteten, sagte Zakharchenko in einem TV-Interview, «oder sie verbringen ihren Urlaub lieber unter uns als am Strand».
Satelliten-Bilder-Beweise
Satelliten-Bilder der #NATO beweisen Invasion von #Russland mit Panzerartillerie in der Ost-#Ukraine:
«Das ist nicht unser Krieg»
Eindrücklicher Video von jungen Journalisten aus der Ukraine, Russland Aserbaidschan, Kirgisistan und Usbekistan: «Das ist nicht unser Krieg»
Gerhard Mangott, Professor of Political Science, University of Innsbruck: Wenn die Verlegung von Truppen auf fremdes Territorium mit feindlicher Absicht eine Invasion ist, dann findet in #Ukraine Invasion statt.
Russische Truppen erobern Savur-Mogila
#Russland-Truppen haben strategisch wichtigen Ort Savur-Mogila an der Grenze zurückerobert:
Klärung aus der Luft
Soldaten der #Ukraine-Armee setzen zivile Quadrokopter ein zur Luftaufklärung:
Will Russland einen Koridor?
Nur 200 km Luftlinie durch die Süd-#Ukraine. Will #Russland einen Korridor zur #Krim-Halbinsel schaffen?
In Nowoasowsk the terrorists have the #DNR flag hoisted:
18:15
Ukraine-Krise bremst Schweizer Börse - Verluste auf breiter Front
Der Schweizer Aktienmarkt ist am Donnerstag mit einem Minus aus dem Handel gegangen. Der SMI verharrte den ganzen Tag unter dem Schlusskurs vom Vortag und fiel vorübergehend sogar unter die 8600-Punkte-Marke.

Grund für die Kursverluste waren laut Händlern die neusten Meldungen aus der Ukraine. Der Swiss Market Index (SMI) schloss 0,6 Prozent tiefer bei 8622,23 Punkten und hat damit gut ein Drittel der Gewinne der laufenden Woche wieder abgegeben.

Der breite Swiss Performance Index (SPI) sank 0,5 Prozent auf 8533,40 Zähler. Von den 30 wichtigsten Aktien schlossen 26 im Minus, drei im Plus sowie Swisscom unverändert.
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15:33 Uhr: In Nowoasowsk weht die Rebellenflagge
von juergvollmer
15:32
Wo sind die Journalisten?
15:22
USA und EU machtlos
Werden die jüngsten Ereignisse die Politik Washingtons gegenüber Moskau verändern? Damit ist nicht zu rechnen, schreibt der US-Korrespondent des «Spiegel», Sebastian Fischer. So mahnte der demokratische US-Abgeordnete Peter Welch den Westen zur Zurückhaltung, «auch wenn das, was Putin macht, ungeheuerlich ist». Militärisch könnten die USA und ihre Allierten nichts gegen russische Truppen im Osten der Ukraine unternehmen – «und das sollten wir auch nicht». Denn das würde die Situation nur weiter verschlechtern, sagte Welch auf CNN. Einzige Möglichkeit sei das weitere Hochfahren der wirtschaftlichen Sanktionen.
15:04
Nato-Offizier: «Das ist eine Invasionsarmee»
Die Nato liefert Details zu den mehr als tausend Soldaten: «Das ist eine eher konservative Schätzung», sagte ein Offizier der Nato. «Dahinter steht sehr grosse militärische Stärke.» In den vergangenen beiden Wochen seien die russischen Militäroperationen deutlich verstärkt worden. Im russischen Grenzgebiet zur Ukraine seien schätzungsweise rund 20'000 Soldaten stationiert. Sie seien besser ausgerüstet als zuvor eingesetzte Truppen. «Das ist eine Invasionsarmee», sagte der Nato-Offizier.
14:56
Krim-Déjà-vu?
Russische Soldaten, die aber freiwillig kämpfen, das kennen wir doch schon von der Krim. Steht am Ende wieder die Annexion?
14:52
Das wahre Gesicht des Wladimir Putin
14:40
Rebellen nehmen Hafenstadt Nowoasowsk ein




Größere Kartenansicht
14:37
Rebellenführer Witalij Sachartschenko spricht von «3000 russischen Freiwilligen»
14:31
EU-Aussenbeauftragte Ashton besorgt
Die EU zeigte sich angesichts der eskalierenden Lage in der Ukraine sehr besorgt. Russland müsse jegliche Feindlichkeiten an der Grenze einstellen, sagte die Sprecherin der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton am Donnerstag in Brüssel. «Das umfasst natürlich die Bewegung von Waffen, Ausrüstung und Militärangehörigen von Russland in die Ukraine.»
14:30
Chodorkowski kritisiert Putin scharf
Auch der ehemalige Oligarch und Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski hat sich geäussert: «Wir sind im Krieg mit der Ukraine», wird er auf seiner Website zitiert. Die Lügen der Regierung sei man gewohnt. In den 1980er Jahren hätte sie über Afghanistan, in den 1990er Jahren über Tschetschenen gelogen, und heute über die Ukraine.
14:17
... und dementiert
Russland hat nach einer Sondersitzung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) einen Einmarsch dementiert. Die russische Führung habe «keinerlei Interesse» an einer Invasion, sagte der russische OSZE-Vertreter Andrej Kelin. «Wir haben ganz klar gesagt, dass Russland mit Ausnahme von zehn Grenzsoldaten keine Truppen in der Ostukraine hat», sagte er der österreichischen Agentur APA zufolge.
14:11
Putin-Beraterin spricht von Invasion
Ella Poljakowa, Mitglied im Menschenrechtskomitee von Wladimir Putin, spricht von einer Invasion der Ukraine. «Wenn Menschenmassen unter Befehlshabern auf Panzern, Mannschaftstransportwagen und unter Einsatz von schweren Waffen auf dem Territorium eines anderen Landes sind, dann halte ich das für eine Invasion», sagte Poljakowa der Nachrichtenagentur Reuters.
14:09
Nato geht von 1000 russischen Soldaten in der Ukraine aus
13:52
Hollande besorgt
Der französische Präsident François Hollande äusserte sich besorgt über die Berichte. Sollten die Angaben stimmen und sich russische Soldaten auf ukrainischem Boden aufhalten, wäre dies «nicht zu tolerieren und inakzeptabel».
13:42
Separatistenführer gibt russische Beteiligung zu
Zuvor hatte der Separatistenführer Alexander Sachartschenko bei einem Auftritt im russischen Fernsehen zugegeben, dass russische Soldaten in den Reihen der Rebellen kämpfen: «Unter uns sind kämpfende Soldaten, die ihre Ferien lieber mit uns verbringen als am Strand.» Die Unterstützer aus Russland hätten sich angeblich beurlauben lassen, um «ihre Brüder» im Freiheitskampf zu unterstützen. Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass es unter uns viele Russen gibt, ohne deren Hilfe wir es sehr schwer hätten.

Laut Sachartschenko haben etwa 3000 bis 4000 russische Soldaten an der Seite der Rebellen gekämpft. Dies sei jedoch freiwillig geschehen, ohne Weisung aus Moskau. «Viele sind heimgefahren. Viel mehr sind aber geblieben.»
13: 30
Ukrainische Regierung spricht von Invasion
Das ukrainische Militär teilt mit, die Kontrolle über eine Grenzregion im Südosten weitgehend verloren zu haben. Verantwortlich seien Einheiten aus dem Nachbarland. «Gestern gingen die Stadt Nowoasowsk sowie eine Reihe von Ortschaften der Kreise Nowoasowsk, Starobeschewo und Amwrosijewka unter die Kontrolle russischer Militärs»

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat Russland einen Militäreinmarsch in sein Land vorgeworfen. Wegen der «russischen Invasion» habe er einen Staatsbesuch in der Türkei abgesagt.
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