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Ihre Einsätze können Helfer des schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) belasten. Bild: KEYSTONE

Schweizer Katastrophenhelfer erleidet Trauma im Einsatz – Militärversicherung zahlt nicht

Nach Einsätzen in Katastrophengebieten ist ein Helfer traumatisiert. Trotz ärztlicher Diagnose will die Versicherung den Arbeitsausfall nicht zahlen und das Bundesgericht gab ihr Recht.



Schutt, Dreck, Leichenteile: Die Bilder, die Katastrophenhelfer und -helferinnen zum Teil sehen, können grausig sein. Im Fall des heute 47-jährigen M.H.* sogar traumatisch: Wegen seiner Arbeit für das schweizerische Korps für humanitäre Hilfe (SHK) ist er heute arbeitsunfähig. Trotz ärztlicher Diagnose des Traumas muss die Versicherung nichts bezahlen. Das entschied das Bundesgericht Anfang Jahr.

Das Urteil ist ein schwerer Schlag für den ehemaligen Helfer. Während seiner Arbeit als Logistiker für das SHK war M.H. bei der Militärversicherung versichert. Dass diese nicht zahlen würde, hätte er sich nicht erträumen lassen, sagt M.H. gegenüber der Sendung Kassensturz vom SRF.

Traumatischer Einsatz

Zum ersten Mal im Einsatz war M.H. nach dem schweren Tsunami in Indonesien im Jahr 2005. 25'000 Menschen kamen damals alleine in der Stadt Banda Aceh ums Leben. Dazu musste er bei einem Nachbeben mit der Stärke 8,6 um sein Leben fürchten.

Indonesien nach dem Tsunami 2004

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Tsunami: Zerstörung
quelle: http://imgur.com/gallery/v63wm
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Wieder zuhause ging M.H. in Therapie. Er war psychisch krank, traumatisiert. Nach den Behandlungen fühlte sich M.H. wieder gesund, leistete während zehn Jahren weitere Einsätze.

Dann, 2015 brach sein Trauma wieder auf. Er lag in Nepal im Spital, als ein schweres Erdbeben ausbrach. «Wer konnte, ist in Panik hinausgerannt. Ich war geschwächt und hing an der Infusion. Ich betete, dass das Haus nicht zusammenfällt. Mein erstes Trauma in Indonesien wurde wieder aufgebrochen», so M.H.

Diagnose half nichts

Danach landet er wegen Atemnot immer wieder auf der Intensivstation, arbeiten ist nicht mehr möglich. Zwei Jahre nach Nepal erhielt M.H. eine Diagnose vom Psychiater: Posttraumatische Belastungsstörung. Allerdings bezahlt die Militärversicherung nicht, trotz des ärztlichen Befundes.

«Sie haben einen Bürger, der sich für den Staat einsetzt, verwandelt in einen Bürger, der nichts mehr mit dem Staat zu tun haben will.»

M.H.*, ehemaliger Helfer des SKH

M.H. musste sich vor Gericht wehren. Die erste Instanz, das Aargauer Versicherungsgericht, gab ihm Recht. Doch die Militärversicherung zog den Fall weiter vor Bundesgericht. Dieses entscheid Anfangs 2021, dass Suva und Militärversicherung nicht bezahlen müssen.

Der Grund für den Entscheid: M.H. habe viel zu heftig reagiert, das entspreche nicht dem normalen Lauf der Dinge. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs sei nicht gegeben. Zudem habe sich M.H. nie in objektiver Lebensgefahr befunden.

Wie es nun weitergehen soll, weiss M.H. nicht. «Sie haben es geschafft, einen Bürger der sich für den Staat einsetzt, in einen Bürger zu verwandeln, der nichts mehr zu tun haben will mit dem Staat.»

*Name durch SRF geändert

Der volle Beitrag wird Heute um 21.05 Uhr im Kassensturz auf SRF 1 ausgestrahlt.

(van)

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Schweres Erdbeben in Nepal

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Schweres Erdbeben in Nepal
quelle: epa/epa / narendra shrestha
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