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Jonas Projer hitzig, Andreas Glarner in der Defensive: Die Burkaplakate (hier in der vom SRF modifizierten Form) haben den «Arena»-Moderator auf die Palme gebracht. Bild: screenshot/srf

Lausbub Glarner bekommt den Kopf gewaschen und muss seine Burkas übermalen

Eigentlich hätte in der «Arena» über die erleichterte Einbürgerung für die dritte Generation diskutiert werden sollen. Eigentlich. In Erinnerung bleibt aber vor allem, wie Moderator Jonas Projer den SVP-Asylschreck Andreas Glarner massregelt.  



«Mit dem allergrössten Respekt, Herr Glarner, das ist einfach falsch.» Jonas Projer gab sich bis zur 50. Minute der Einbürgerungs-«Arena» gewohnt souverän: Unterhaltsam, eloquent und ausgewogen regelte das SRF-Aushängeschild den Debattenverkehr im Leutschenbach. Dann aber legte Projer seinen Moderatoren-Mantel ab, zitierte Glarner in den Prüfstand und wusch dem Parlamentarier gehörig den Kopf: «Was Sie machen, Herr Nationalrat, ist einfach nicht in Ordnung.»

Was hatte Glarner verbrochen? Den Unterricht gestört? Das machen auch andere regelmässig, da ist der Oberwiler Gemeindeammann keine Ausnahmeerscheinung. Hinter dem Rücken des Lehrers unflätige Gesten gemacht? Dem Banknachbarn (alt Nationalrat Markus Wäfler, schlohweisser Schnauzer, skeptische Augenbrauenschranken, brummelnd Gemeinplätze absondernd) Zoten ins Ohr geflüstert? 

Nein. Glarner hat gemalt. Plakate. Und zwar wie wild. So wild, dass einen von Schleitheim bis Schönengrund Burkaträgerinnen davor warnen, die unselige Einbürgerungsvorlage anzunehmen. Sollte dies nämlich geschehen, so würden sie, die Burkaträgerinnen, sich selber rasend und unkontrolliert einbürgern lassen, verhüllt lächelnd darüber, dass das naive Schweizervolk ihnen den roten Pass («dieses grosse Privileg», O-Ton Jonas Projer) so anstandslos aushändigt, ohne dass sie überhaupt integriert wären. Man stelle sich das vor. 

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Bildnerisches Gestalten: Note 1. Betragen: Note 1. Bestreben um Wahrheit: Note −15. Warum, wollte Projer wissen, tut der Glarner sowas? Warum warnt der Glarner vor Burkaträgerinnen, obwohl er doch weiss, dass es bei dieser Vorlage nicht um orthodoxe Muslimas geht, sondern um die dritte Generation von Saisonniers-Nachfahren, Enkel der Italiener, Portugiesen und Spanier also, die in den 70er-Jahren in die Schweiz eingewandert waren, um sich für ein paar Franken beim Gleislegen den Rücken zu schinden?

«Herr Glarner, wenn Sie gegen diese Vorlage sind, müssten Sie von einer Tschinggen-Vorlage sprechen, das wäre zwar auch daneben gewesen, aber es wäre weniger daneben gewesen.»

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Andreas Glarner, die imaginären Eselsohren aufgesetzt, benetzte sich die Lippen und verteidigte sich mit der Taktik, die alle Kinder vorbringen, wenn sie bei einem dummen Streich erwischt werden: der Verweigerungstaktik. Man habe immer die Wahrheit erzählt, es sei ein Symbol, und in zehn oder 20 Jahren würden dann eben auch ganz andere Leute eingebürgert werden. Burka-Trägerinnen zum Beispiel. 

Eigentlich hätte man ja die Rolle des Oberlehrers eher Simonetta Sommaruga zugetraut. Die Justizministerin hat einen Hang zum Aufklärenden, Belehrenden. Ihre Expertise wird selten in Frage gestellt, das gravitätische Auftreten ist es, das ihr vor allem von rechter Seite angekreidet wird. 

Sommaruga aber gab sich gefühlsbetont. Sie wusste mit Kurt Fluri (FDP/Solothurn) einen dossierfesten und wohltemperierten Redner an ihrer Seite. Da konnte es nicht schaden, ein wenig das emotionale Füllhorn auszuschütten.

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Die Frage war: «Ist man integriert, wenn man hier zur Schule gegangen ist?»

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Ist man? Sommaruga sagte Ja. Kurt Fluri sagte Ja. Elena Marti (Grüne) sagte Ja. Glarner sagte, verglichen zu Zeiten der «Schweizermacher» sei es heute ein Klacks, Schweizer zu werden, eine erleichterte Erleichterung also völlig unangebracht, und überhaupt, er wolle ja nur wissen, wer eingebürgert werde («Ich will sie kontrollieren!») und so richtig konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Glarner eigentlich doch ganz gerne die Uhr zurückgedreht hätte zur hartbürgerlich gesinnungspolizeilichen «Schweizermacher»-Zeit. EDU-Wäfler brummelte derweil Unverständliches, Adrian Pulver von den Schweizer Demokraten jammerte über die «chronische» Zunahme der Einbürgerungen, und eine selbsttitulierte «Vollblut-Schweizerin» aus dem Publikum monierte, dass sie auf dem Pausenhof als Schweizerin beschimpft wurde.

Vielleicht wäre es der ganzen Debatte dienlich gewesen, wenn zu Beginn geklärt worden wäre, für was dieses kleine Heft im A6-Format mit der plastifizierten roten Hülle, vorne ein Schweizer Kreuz, hinten nichts, denn eigentlich steht. Dafür, dass man sich bis zur Selbstaufgabe assimiliert, im Blas-Orchester das erste Alphorn spielt und vor dem Einschlafen verzückt lächelnd den Schweizerpsalm summt? Oder, dass man die grundlegenden Werte dieses Landes teilt, die da wären: Rechtsstaat, Demokratie, Solidarität unter den Gemeinschaften?

Dass aber Burkas nicht das Thema dieser Einbürgerungsvorlage sind, dafür hätte es Projers Massregelung nicht gebraucht. Dafür reichte Social-Media-Komiker Zeki, der trocken feststellte, Burkas sehe er in der Schweiz eigentlich nur auf SVP-Plakaten.

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