Schweiz
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F/A-18-Absturz im Jura: Pilot wird angeklagt



Nach dem Absturz eines F/A-18-Kampfjets im französischen Jura 2015 hat die Schweizer Militärjustiz Anklage gegen den Piloten erhoben. Er habe sich Pflichtverletzungen zuschulden kommen und fahrlässig Material zerstört. Der Pilot war bei einem Luftkampftraining verunfallt. Er rettete sich leicht verletzt mit dem Schleudersitz. Das Flugzeug wurde zerstört.

ARCHIV --- Eine zweisitzige FA 18 der Schweizer Luftwaffe startet am Dienstag, 14. Oktober 2008 auf dem Flugplatz Emmen. Ein F/A-18-Kampfjet der Schweizer Luftwaffe ist am Mittwoch, 14. Oktober 2015 im franzoesischen Departement Doubs bei Glamondans, im Grenzgebiet zur Schweiz, in einem unbewohnten Gebiet abgestuerzt. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten. ie Maschine war in Payerne VD gestartet. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Bild: KEYSTONE

Der Absturz geschah am 14. Oktober 2015, wie die Militärjustiz am Donnerstag mitteilte. Der F/A-18-Pilot flog mit zwei F-5 Tiger ein Luftkampftraining. Dabei kam es in der letzten Phase zu einem Strömungsabriss im linken Triebwerk.

Dadurch fiel die Leistung ab. Das Flugzeug drehte sich mit einer Walzbewegung nach links und verlor rasch Höhe. Der Pilot konnte es nicht mehr stabilisieren und betätigte den Schleudersitz. Der Jet stürzte auf einen Acker in der Nähe von Glamondans in der Nähe von Besançon im französischen Jura.

Zu tiefe Flughöhen

Der Auditor wirft dem Piloten einerseits vor, dass dieser als Missionschef die Vorschriften für die minimale Flughöhe für den Sichtluftkampf im Trainingsraum und angesichts des Wetters missachtete. Die beiden relevanten Sicherheitsflughöhen seien zu tief festgelegt worden.

Dabei geht es gemäss der Militärjustiz um die Flughöhen «Harddeck» und «Softdeck». Unter der Höhe «Harddeck» dürfen im Training grundsätzlich keine Luftkampfmanöver geflogen werden. Unterhalb der «Softdeck»-Höhe sind lediglich bestimmte Manöver verboten.

Anderseits soll der Angeklagte Sorgfaltspflichten verletzt haben. Nach dem Strömungsabriss hat er demnach die vorgeschriebenen Notfallmassnahmen fehlerhaft oder gar nicht ausgeführt, was letztlich zum Absturz führte.

Diese Massnahmen heissen den Angaben zufolge «Immediate Actions». Ein Pilot muss diese elementaren Sicherheitsvorschriften für aussergewöhnliche Situationen oder im Notfall auswendig ausführen.

Verzögerte Warnung

Zudem hält der militärische Ankläger fest, dass aus nicht genau nachvollziehbaren Gründen das Warnsystem den Leistungsabfall im Triebwerk erst nach 24 Sekunden meldete. Der Auditor geht von einem technischen Versagen aus. Der Pilot hätte aber spätestens zu diesem Zeitpunkt die für solche Fälle vorgeschriebenen und ihm als erfahrenen Flieger bekannten Notfallmassnahmen einleiten müssen.

Aufgrund dieser Punkte lautet die Anklage auf fahrlässige Nichtbefolgung von Dienstvorschriften sowie fahrlässigen Missbrauch und Verschleuderung von Militärmaterial. Der Fall wird vor dem Militärgericht 2 verhandelt werden. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. (sda)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Toga 19.06.2020 11:47
    Highlight Highlight Also wenn das Warnsystem den Leistungsabfall im Triebwerk erst nach 24 Sekunden meldete, (worauf sich ein Pilot zu 100% verlassen muss können) , denke ich hatte er noch Glück im Unglück. - 24 Sekunden sind eine sehr kurze Zeit, bei diffusen bzw. nicht nachvollziehbaren, technischen Problemen.
  • Triumvir 18.06.2020 11:40
    Highlight Highlight Fahrlässiger Missbrauch und Verschleuderung von Militärmaterial ist doch an der Tagesordnung bei der besten Armee der Welt. Der Pilot wurde deshalb in meinen Augen zu Unrecht angeklagt.
    • DemonCore 18.06.2020 16:15
      Highlight Highlight Und wer ist denn die Armee? Du und ich.
    • 7immi 18.06.2020 17:26
      Highlight Highlight @triumvir
      Ist es das? Dann kannst du sicher Beispiele aufzeigen? Alle Fälle die ich kenne bedeuteten massive finanzielle Folgen für die Verurteilten...
  • Antichrist 18.06.2020 11:06
    Highlight Highlight Luftkampf nur bei schönem Wetter? Wir brauchen dringend neue Flugzeuge. Bitte ein Ja im Herbst.
  • Roger Küng 18.06.2020 10:05
    Highlight Highlight Jeder Mensch, noch so gut Trainiert, kann in einer Notfallsituation das richtige machen und die Technik macht nicht mit. Zum Glück ist nichts weiter geschehen und niemand zusätzlich Verletzt worden. Wenn alle Autofahrer nach einem Unfall nicht mehr fahren dürften, wären viel weniger Verkehr auf den Strassen. Denn jeder von uns behaubtet, ich fahre gut. @Philboe das sollten Sie einmal bedenken.
  • Philboe 18.06.2020 09:07
    Highlight Highlight Wir können froh sein ist das nicht beim Anflug in Emmen passiert über dem Wohngebiet. Tut mir leid aber dieser Herr sollte nicht mehr in einen Flieger steigen dürfen. Als Pilot hat er die Verantwortung für die Maschine und eine jahrelange Ausbildung mit Drill in Notsituationen. Somit beherrschte er die dafür nötigen Voraussetzungen und Fähigkeiten nicht. Woran das liegt soll das Gericht entscheiden aber die Konsequenzen sollten klar sein dass er nie mehr fliegt. Es gibt genug andere Möglichkeiten für BMP in der Armee zu arbeiten.
    • Bündn0r 18.06.2020 09:34
      Highlight Highlight Warten wir doch die Untersuchung und das Urteil ab, bevor wie Laien entscheiden, wer in eine FA-18 steigen darf.
      Denn die Unschuldsvermutung sollten sogar wir kennen.
    • Patrik Hodel 18.06.2020 10:27
      Highlight Highlight Also heist das, Philboe baut einen Unfall mit dem Auto und darf dann lebenslänglich nicht mehr fahren?

      Ich masse mir nicht an, über die Umstände zu urteilen, welche zum Absturz geführt haben. Dazu fehlt mir schlicht die Sachkenntnis.
      Und Dir mit grösster Wahrscheinlichkeit auch.

      Auch BMP sins Menschen, denen Fehler passieren können!
    • goschi 18.06.2020 11:18
      Highlight Highlight @Philboe, im Landeanflug auf Emmen, oder generell über dicht besiedeltem Gebiet, darf kein Luftkampftraining erfolgen, und ein Strömungsabriss am Triebwerk passiert nicht einfach so.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kiro Striked 18.06.2020 09:00
    Highlight Highlight "fahrlässigen Missbrauch und Verschleuderung von Militärmaterial."

    Das ist doch aber alles was dir Armee Teilweise tut...
    • Scaros_2 18.06.2020 09:37
      Highlight Highlight Ja - Panzerbatallion, noch die restliche Munition in den Steinbruch ballern damit man nächstes Jahr gleich viel bekommt. XD
    • 7immi 18.06.2020 11:09
      Highlight Highlight @scaros
      Diese Mär ist und bleibt falsch. Der wahre Grund ist, dass man im WK meistens eingelagerte, alte Munition bekommt (die derzeitige stammt aus den 80 ern, aus dem kalten Krieg, da hatte man sehr viel eingelagert). Diese muss ohnehin entsorgt werden. Entweder kostenpflichtig bei der RUAG oder eben bei Übungen. Somit entsteht mit diesem "unnötigen" Schiessen gar ein Mehrwert finanziell betrachtet. Auch das mit dem "Treibstoffverbrauchen fürs nächste Jahr" ist ein Relikt aus der analogen Budgetplanung des Kalten Krieges. Mit dem BEBECO-System ist das nicht mehr so eng geregelt.
    • Blitzmagnet 18.06.2020 11:09
      Highlight Highlight @scaros_2 wobei das ein Organisationsproblem des Militärs ist, dass Mittel die in einem WK ungenutzt bleiben im nächsten Jahr gar nicht mehr gesprochen werden. Dass der Kadi dann diese Entscheidung trifft kann ich gewissermassen nachvollziehen.
    Weitere Antworten anzeigen

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