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Swiss Federal Councillor Alain Berset, center, gets off the plane, next to Pietro Lazzeri, Ambassador of Switzerland to the Republic of Cameroon, the Republic of Equatorial Guinea and the Central African Republic, right, and Leopold Ismael Samba, Ambassador of the Republic of Cameroon to Switzerland, left, at the Bangui M'Poko International Airport during an official visit in Bangui, Central Africa Republic, on Sunday, May 5, 2019. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Bundesrat Alain Berset, als er den Bundesratsjet bei einem Besuch in der Zentralafrikanischen Republik verlässt. Der Fotograf der Bildagentur war selbst im Jet mitgeflogen. Bild: KEYSTONE

Kurz ins Tessin und Promis an Bord: So nutzen Berset und Co. die Bundesratsjets

Wer darf bei Bundesräten im Regierungsjet mitfliegen? Warum gibt es Zwischenhalte für Karin Keller-Sutter? Und was sagen die Flüge der Bundesratsjets über die Klimaaffinität der Landesregierung aus? Fünf Antworten zu Inlandflügen und Promis an Bord.

Lucien Fluri / ch media



Seine Ehefrau nahm der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller gerne mal in der Regierungsmaschine mit. Für die Fachpolitiker der Opposition hatte er dagegen keinen Platz an Bord. Darüber hat Deutschland in den letzten Wochen diskutiert Höchste Zeit also für die Frage: Wer darf in der Schweiz im Bundesratsjet mitfliegen? Die «Schweiz am Wochenende» hat, gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz, beim Bund die Liste der Mitreisenden der Jahre 2019 und 2020 verlangt. Inzwischen liegen die Angaben von fünf Bundesräten vor. Die wichtigsten Erkenntnisse:

Die Wirtschaft bleibt fast immer draussen

Reisen Bundesräte ins Ausland, mögen sie dort der Schweizer Wirtschaft Türen öffnen. Doch kaum je fliegt ein CEO im Bundesratsjet mit. Dies zeigt ein Blick auf die Gästeliste der Flüge. Meist befinden sich nur enge Stabsmitarbeiter, Amtschefs und Spezialisten aus der Verwaltung im Jet.

Einzig Finanzminister Ueli Maurer hatte prominente Gäste an Bord: 2019 flog er von einem Besuch in Abu Dhabi weiter zum König von Saudi-Arabien in Riad. Mit an Bord waren Blaise Goetschin, Chef der Genfer Kantonalbank, Thomas Gottstein, inzwischen CEO der Credit Suisse, und UBS-Topbanker Ali Janoudi. Herbert Scheidt, der Präsident der Bankiervereinigung, war die ganze Reise dabei, von Bern über Abu Dhabi nach Riad und zurück.

Man fliegt gerne hin und wieder ins Tessin

Klimaschädliche Inland-Linienflüge, etwa von Zürich nach Lugano, gehören verboten: Dies forderten 2019 zwei Politikerinnen in einem Vorstoss. Der Bundesrat sprach sich dagegen aus. Alles andere wäre inkonsequent gewesen. Denn die Bundesräte nutzen ihre beiden Jets auch für Inlandflüge. Ueli Maurer flog etwa von Bern nach Genf.

SP-Mann Alain Berset flog die Strecke Zürich-Genf oder nutzte den Bundesratsjet, um am Montag nach dem Filmfestival Locarno mit seiner Frau zurück nach Bern zu gelangen. Gerade das Tessin wird aus Zeitgründen immer wieder mit dem Regierungsjet angeflogen. Die Terminpläne der Bundesräte sind äusserst eng. Müssten sie mit dem Dienstwagen ins Tessin, könnten sie manchen Termin dort wohl gar nicht wahrnehmen. Meist aber fliegen die Jets die Bundesräte ins europäische Ausland; nach Rom, Wien oder Brüssel. Selten geht es weiter, etwa nach Tunis, Washington oder Moskau.

Hilfsgueter fuer Moria werden in den Bundesratsjet auf dem Flugplatz Belp bei Bern verladen, am Freitag, 11. September 2020. In Absprache mit den griechischen Behoerden wird das EDA rund eine Tonne Hilfsmaterial liefern. An Bord fuehrt es gemaess der Anfrage der griechischen Behoerden Schlafsaecke, Schlafmatten, Wasserkanister, Kuechenutensilien und andere Hilfsgueter mit. (KEYSTONE/Adrian Reusser)

Aussergewöhnliche Fracht: Im Herbst 2020 transportierte der Bundesratsjet keine Bundesräte, sondern Hilfsgüter ins abgebrannte griechische Flüchtlingslager Moria. Bild: keystone

Extra-Halt für Karin Keller-Sutter

Zwischenhalte brauchen zwar Kerosin und sind wenig klimafreundlich. Es kommt gelegentlich trotzdem vor, dass sich Bundesräte näher an der Haustüre (oder beim nächsten Termin) abladen lassen, bevor der Jet mit dem Rest des Stabes an den Stammplatz Bern-Belp zurückkehrt. Bundesrat Guy Parmelin wurde schon in Payerne rausgelassen.

Mehrfach kamen die Zwischenhalte bei der Ostschweizerin Karin Keller-Sutter vor. Sie ist dann nicht in Bern zugestiegen, sondern auf dem bundeseigenen Militärflugplatz Dübendorf, also näher bei ihrem Wohnort Wil (SG). Es kam sogar vor, dass Keller-Sutters Kommunikationschef, die persönliche Mitarbeiterin und ihr Staatssekretär von einer Pilatus PC 24 von Bern nach Dübendorf geflogen wurden.

Dort stieg man dann mit Keller-Sutter und einer weiteren Person in eine Bombardier-Maschine der Luftwaffe um, um nach Berlin zu fliegen. Beim Rückflug gab es für die drei Personen wieder einen Bern-Extra-Flug ab Dübendorf. Der Flugzeugwechsel sei aus Kapazitätsgründen erfolgt, sagt Keller-Sutters Departement. Sitzungen seien in der grösseren Maschine besser möglich.

Allerdings ist auch festzuhalten: Keller-Sutter nutzt den Bundesratsjet im Vergleich zu anderen Bundesräten sehr selten. Vielflieger ist verglichen mit der Justizministerin ihr Migrations-Staatssekretär Mario Gattiker. Er sass in den vergangenen zwei Jahren deutlich öfter im Bundesratsjet als seine Chefin.

Kaum Parteikollegen an Bord

Parlamentarier sind kaum je mit dabei, wenn Bundesräte fliegen. Einzig Guy Parmelin nahm seinen Parteifreund und Bauernkollegen, SVP-Nationalrat Marcel Dettling, mit, als er im Januar 2020 an eine internationale Landwirtschaftsmesse, in Berlin flog. Auch in Berlin anwesend, aber nicht mit dabei im Bundesratsjet waren mehrere Mitarbeitende des Bundesamtes für Landwirtschaft.

Für sie bezahlte der Bund Linienflüge, denn sie waren früher da oder blieben länger in Berlin als ihr Chef. Dettling war vom Landwirtschaftsminister als Mitglied der Wirtschaftskommission eingeladen worden, erklärt Parmelins Departement. Ein weiteres Kommissionsmitglied sei auch noch eingeladen worden, konnte aber nicht teilnehmen.

Gute Bilder schaden nie

Alain Berset hat kein Problem, vor eine Kamera zu stehen. Im Gegenteil. Dass sich der Innenminister gerne zeigt, wurde im Lockdown deutlich. Bei Berset war in den vergangenen zwei Jahren denn auch zwei Mal ein Fotograf einer Bildagentur an Bord, als der SP-Mann ins Ausland reiste. Im Mai 2019 war Berset zu Besuch in der Zentralafrikanischen Republik.

Berset im Spital, bei Gesprächen mit Regierungsmitgliedern: Das wurde fotografisch für das Schweizer Publikum festgehalten, immerhin machte der Besuch auch auf die Gesundheitsversorgung in Krisengebieten aufmerksam. Auch im Corona-Jahr gab es einen wichtigen Termin, der nicht verpasst werden durfte: Ende Februar reiste ein Agenturfotograf mit, als sich Berset in Rom mit den Gesundheitsministern von Deutschland, Frankreich, Österreich und Italien traf.

Captain Reto Koepfli, links, und Captain Michael Luethy, rechts, Piloten vom Bundesratsjet Swiss Air Force, im Cockpit vom Dassault Falcon 900 EX waehrend einem Flug von Addis Abeba nach Bern Belp, in Addis Abeba, Aethiopien am Dienstag, 27. Oktober 2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

So sieht es im Cockpit des Bundesratsjets aus: Die Dassault Falcon 900 2015 auf dem Weg zu einem Staatsbesuch in Äthiopien. Bild: KEYSTONE

2019/20 reisten die Bundesräte in drei Flugzeugmodellen: Eine Falcon 900 sowie eine Cessna Citation Excel waren jahrelang die offiziellen Bundesratsjets. Seit 2019 ist auch ein Schweizer Modell in Betrieb, eine Pilatus PC 24. Total waren die Bundesräte 2019 554 Stunden in der Luft, deutlich weniger als 2018 (788 Stunden), am häufigsten der Aussenminister. Mit der Coronakrise dürfte die Zahl der Flüge 2020 nochmals deutlich tiefer liegen. (bzbasel.ch)

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Ein paar schöne Bilder vom Bundeshaus in Bern

Gesamtes Insta-Live-Interview mit Alain Berset

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