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Nationalrat Ignazio Cassis, FDP-TI, verfolgt die Debatte an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 15. Juni 2017, in Bern. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Bald «consigliere federale»? Ignazio Cassis will in die Landesregierung. Bild: KEYSTONE

Ist Ignazio Cassis schon so gut wie gewählt? 5 Antworten zum Tessiner Bundesrats-Entscheid

Ignazio Cassis startet aus der Pole-Position: Geht es nach den Chefs seiner Kantonalpartei, soll er ohne Tessiner Konkurrenz ins Bundesratsrennen steigen. Ist dieses damit schon so gut wie gelaufen? Und wenn nicht: Wer kann den «Kranken-Cassis» noch aufhalten?



Ist die Wahl von Ignazio Cassis jetzt nur noch Formsache?

Sicher ist: Für Ignazio Cassis läuft bisher alles wie am Schnürchen. Schon seit Jahren werden dem 56-jährigen Bundesrats-Ambitionen nachgesagt – mit dem Rücktritt von Didier Burkhalter schlug seine Stunde. Unüberhörbar sind die Stimmen, die nach fast 20 Jahren endlich wieder eine Tessiner Vertretung in der Landesregierung wollen.

Dass die Tessiner FDP-Spitze nun beschlossen hat, alles auf eine Karte zu setzen und keine weiteren Kandidaten ins Rennen zu schicken, dürfte Cassis' Chancen weiter erhöhen. Der Entscheid ist allerdings noch nicht in Stein gemeisselt: Die Delegierten der Kantonalpartei entscheiden erst am 1. August über das definitive Tessiner Ticket. Auch alle anderen Kantonalparteien können ihre Nominationsvorschläge einbringen. Die Bundeshaus-Fraktion der FDP legt erst im September fest, wen sie ins Rennen schickt.

Ignazio Cassis, Nationalrat, rechts und Bixio Caprara, President der FDP Tessin, links, sprechen an der Medienkonferenz zur Bundesratskandidatur der FDP am Dienstag, 11. Juli 2017 in Camorino, Tessin. Die FDP stellt als Kandidaten nur Cassis vor und setzt alles auf eine Karte. (KEYSTONE/TI-PRESS/DAVIDE AGOSTA)

Bixio Caprara (l.), Präsident der FDP Tessin. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Wer oder was könnte Cassis denn noch gefährlich werden?

Am virulentesten ist die Frauenfrage: In den letzten Tagen wurden die Stimmen lauter, die eine weibliche Kandidatur verlangten. «Die FDP hat ein Gleichstellungsproblem erster Güte», sagte SP-Präsident Christian Levrat in der «NZZ am Sonntag» – und legte den Freisinnigen ein Ticket mit zwei Frauen nahe. Auch der designierte GLP-Chef Jürg Grossen lässt sich heute im «Blick» mit der Aussage zitieren, dass er lieber eine zusätzliche Frau als einen Tessiner im Bundesrat sähe. Bereits früh äusserte zudem Grünen-Chefin Regula Rytz ihren Wunsch nach einer weiblichen Nachfolgerin für den abtretenden Didier Burkhalter.

Juerg Grossen, GLP-BE, Mitte, diskutiert mit Tiana Angelina Moser, GLP-ZH, links, und Kathrin Bertschy, GLP-BE, rechts, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 13. Juni 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Thomas Delley).

Dem künftigen GLP-Chef Jürg Grossen ist die Frauenfrage wichtiger als die Vertretung des Tessins im Bundesrat. Bild: KEYSTONE

Wo ist das Problem? Der zu ersetzende Didier Burkhalter ist ja ein Mann

Viele der Kritiker denken schon einen Schritt weiter: Es wird erwartet, dass die amtsälteste Bundesrätin Doris Leuthard eine der nächsten ist, die ihren Sitz räumt. Sollte sie ebenfalls von einem Mann beerbt werden – geeignete Bundesratskandidatinnen sind in den Reihen der CVP eher dünn gesät –, sässe plötzlich nur noch eine Frau in der Landesregierung. Dies, nachdem die Politikerinnen 2010 mit Micheline Calmy-Rey (SP), Doris Leuthard (CVP), Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) und Simonetta Sommaruga (SP) noch die Mehrheit stellten. Die Kritik richtet sich aber auch gegen die FDP selber, die bisher nur eine Bundesrätin hatte – und zwar vor drei Jahrzehnten mit Elisabeth Kopp.

Bundesratsfoto (bearbeitet mit schwarzem Hintergrund)

Das aktuelle Bundesratsfoto. Lacht auf einem der nächsten nur noch eine Frau? bundeskanzlei/ beat mumenthaler

Abgesehen von der Frauenfrage hat Cassis also freie Bahn?

Vieles spricht für Cassis: Er ist perfekt dreisprachig, gilt als kompetent, umgänglich und gut vernetzt. Letzteres ist allerdings auch seine Achillesferse: Seine zahlreichen Mandate, vor allem im Gesundheitsbereich, bringen dem Arzt immer wieder scharfe Kritik ein. Unter anderem präsidiert er den Krankenkassenverband Curafutura – und verdient allein für dieses Teilzeit-Mandat 180’000 Franken jährlich. Im Tessin hat er deshalb auch den Übernamen «Kranken-Cassis». Auch im Zuge der Debatte über die Rentenreform büsste der FDP-Fraktionschef einige Sympathiepunkte ein. Er rief seine Fraktion zu geschlossenem Widerstand auf – obwohl er gleichzeitig die zuständige Kommission für soziale Sicherheit präsidierte. SP-Chef Levrat drohte ihm daraufhin mit «personellen Konsequenzen».

Von links: Jodok Wyer, Verwaltungsratspraesident CSS, Ignazio Cassis, neuer Praesident und Nationalrat, FDP-TI und Thomas Szucs, Verwaltungsratspraesident Helsana, stellen den neuen Verband curafutura vor, am Freitag, 26. April 2013, in Bern. Der Krankenkassenverband santesuisse verliert zwei seiner groessten Mitglieder: Die beiden Krankenkassen CSS und Helsana treten auf Ende Jahr aus dem Verband aus und gruenden zusammen mit der Sanitas curafutura. (KEYSTONE/Peter Schneider)

«Kranken-Cassis» mit den Verwaltungsratspräsidenten der Krankenkassen CSS und Helsana. Bild: KEYSTONE

Her mit den Namen! Wer könnte sich am Ende mit Cassis messen?

Im Tessin hatte die Alt-Regierungsrätin Laura Sadis Bundesratsambitionen angemeldet. Sie hätte gern neben Cassis auf einem Zweierticket kandidiert. Ob ihr Name an der Delegiertenversammlung vom 1. August nochmals aufs Tapet kommt (siehe Frage 1), wird sich zeigen. Daneben muss Cassis vor allem Konkurrenz aus dem Westen fürchten: Denn der Sitz soll nach dem Willen des FDP-Schweiz-Präsidiums in lateinischer Hand bleiben. Als valable Kandidatinnen werden in der Romandie etwa die Waadtländerinnen Isabelle Moret oder Jacqueline de Quattro gehandelt. Auch dem Genfer Staatsrat Pierre Maudet werden Bundesratsqualitäten attestiert.

Nationalraetin Isabelle Moret, FDP-VD, verfolgt eine Rede an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 15. Juni 2017, in Bern. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Nationalrätin Isabelle Moret wird in der Westschweiz als heisse Kandidatin gehandelt. Bild: KEYSTONE

So überraschend kam der Rücktritt

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