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Berset fordert schnelleres Impfen – langsame Kantone könnten bestraft werden

Gesundheitsminister Alain Berset setzt die Kantone beim Impf-Tempo unter Druck. Dabei mahnte noch vor kurzem sein eigenes BAG zu Vorsicht. Sollte der Bund den Verteilungsschlüssel für die Impfdosen verändern, «gibt es einen Aufstand», sagt ein Kantonsvertreter.

Patrik müller / Ch media



Alain Berset und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) müssen sich bei jeder Gelegenheit fragen lassen: Warum schafft es die Schweiz nicht, die Bevölkerung schneller durchzuimpfen? Wieso sind andere Länder, allen voran Israel, weiter als wir mit dem teuersten Gesundheitswesen der Welt?

Bundesrat Alain Berset spricht waehrend einer Medienkonferenz des Bundesrates zur aktuellen Lage im Zusammenhang mit dem Coronavirus, am Mittwoch, 13. Januar 2021, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Gesundheitsminister Alain Berset setzte die Kantone unter Druck. Bild: keystone

Auf solche Kritik reagiert Berset zunehmend gereizt. Das berichten Teilnehmer einer Sitzung vom Samstag, an der sich Berset und die kantonalen Gesundheitsdirektoren ausgetauscht haben.

Der SP-Bundesrat drängte die Kantone dazu, die bereits gelieferten Dosen raschestmöglich zu verimpfen. Bislang ist das aber erst bei 66'000 Dosen der Fall, obwohl insgesamt mehr als 400'000 Dosen angeliefert worden sind.

Noch vor zwei Wochen mahnte der Bund, Reserven zu halten

Berset wolle den Schwarzen Peter an die Kantone weitergeben, mutmassen deren Vertreter. Um seine Entschlossenheit zu demonstrieren, prüft der Bund jetzt, den Verteilschlüssel anzupassen und jene Kantone, die schon viele Impfungen durchgeführt haben, mit zusätzlichem Serum zu versorgen – und andere leer ausgehen zu lassen.

Die «NZZ am Sonntag» konkretisierte diese Drohung: Habe ein Kanton weniger als die Hälfte der Dosen verimpft, könnte er künftig keines mehr erhalten. Nora Kronig, Vizedirektorin im Bundesamt für Gesundheit (BAG), lobte in der Zeitung das Tessin, das bereits 80 Prozent der Dosen gespritzt hat. Hohe Werte haben auch Basel-Stadt, Nidwalden, Graubünden und Glarus. Baselland und das Wallis haben hingegen erst einen Viertel verbraucht, im Mittelfeld liegen der Aargau und Zürich.

A nurse administers the Pfizer-BioNTech COVID-19 vaccine during the vaccinations against the coronavirus disease (COVID-19) on the opening day of the vaccination centers in the canton of Vaud at

Mit dem Impfen soll es schneller vorangehen, findet der Bund. Bild: keystone

Vertreter mehrerer Kantone reagieren verärgert darauf, dass Berset plötzlich aufs Tempo drückt. Noch vor zwei Wochen mahnte sein BAG in einem vertraulichen Dokument, das der CH-Media-Redaktion vorliegt, zu einem behutsamen Vorgehen.

In dem Dokument mit dem Titel «Informationen zur Umsetzung Covid-19-Impfungen in den Kantonen» heisst es:

«Denken Sie daran, von den Ihnen zustehenden Kontingenten die auch benötigten Impfdosen für die Zweitimpfung nach ca. 4 Wochen zu reservieren. Diese Zweitimpfung muss mit demselben Impfstoff durchgeführt werden wie die erste Impfdosis.»

Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit wäre es also falsch, jetzt schon die grosse Mehrheit des Impfstoffs zu verbrauchen. Denn das Express-Impfen birgt ein Risiko: Der Impfstoff kommt schubweise, und es ist jederzeit mit Lieferungsverzögerungen zu rechnen.

Vor wenigen Tagen teilte Pfizer mit, in der Produktionsstätte in Belgien komme es zu erheblichen Verspätungen. Just diesen Impfstoff hat die Schweiz zuerst erhalten. Und es ist nicht möglich, die erste Impfung mit dem Pfizer-Biontech-Produkt zu machen und die zweite dann mit dem Moderna-Serum, von dem die Schweiz bald grosse Mengen erhalten wird.

900'000 Dosen von Moderna bis zum 22. Februar verfügbar

Laut dem BAG wird die Schweiz bis 1. Februar über 500'000 Impfdosen von Moderna verfügen, danach treffen bis 22. Februar weitere 400'000 ein. Insgesamt sind es also 900'000. Das Bundesamt hat in einer internen Auflistung die Liefermengen auf die einzelnen Kantone heruntergebrochen. Diese Kontingente wären infrage gestellt, sollte jetzt der Verteilschlüssel verändert werden.

Bei den Kantonen kommt diese Idee nicht gut an. Ein hochrangiger Kantonsvertreter sagt:

«Wenn das kommt, gibt es einen Aufstand.»

Diplomatischer formuliert es Tobias Bär, Sprecher der Gesundheitsdirektorenkonferenz. «Dass ein Kanton insgesamt weniger Impfdosen bekommen soll, als ihm gemäss dem Verteilschlüssel zustehen, halten wir für wenig zielführend», sagt er.

Hingegen sei ein kurzfristiger Vorbezug oder Abtausch unter den Kantonen eine Möglichkeit, die vereinzelt auch schon praktiziert werde. Für die unterschiedlichen Impf-Geschwindigkeiten der Kantone gibt es laut Bär mehrere Gründe, etwa die Bevölkerungsstruktur und geografische Gegebenheiten. Er sagt, innerhalb der nächsten Woche dürften alle etwa das gleiche Verimpfungsniveau erreicht haben», sagt Bär.

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