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Ein Mann macht einen Schnelltest bei Covid-19 Flaechentests, aufgenommen am Freitag, 11. Dezember 2020, in Zuoz. Der Kanton Graubuenden fuehrt derzeit in drei Regionen freiwillige Flaechentests als Pilotprojekt durch. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller).A man is tested during Covid-19 mass testing, pictured on Friday, December 11, 2020, in Zuoz, Switzerland. Three regions in the canton of Grisons will be mass tested during three days. The test is voluntary. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

In Graubünden durften sich über 15'000 Freiwillige kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Bild: keystone

Graubünden hat den ersten Massentest hinter sich – das bedeuten die Zahlen

Rund 15'000 Tests und 150 entdeckte Infizierte: So lautet das Fazit des ersten Schweizer Corona-Massentests. Der Science-Task-Force-Mann für Diagnostik erklärt, was die Resultate bedeuten.



Der Kanton Graubünden hat den ersten grossflächigen Massen-Corona-Test hinter sich. Stattgefunden hat diese schweizweite Premiere am vergangenen Wochenende: Insgesamt 15'151 Personen liessen sich freiwillig ein Röhrchen in die Nase schieben, um bald darauf zu erfahren, ob Sars-CoV-2-Viren gemessen werden konnten.

Durchgeführt wurde dieser Test in den drei Bündner Regionen Bernina, Engiadina Bassa/Val Müstair und Maloja. Das erste Fazit: Es wurden 150 Personen entdeckt, die sich angesteckt hatten und mangels klarer Symptome nichts davon wussten. Das entspricht ungefähr einer Positivitätsrate von einem Prozent, wobei die Unterschiede zwischen den Regionen nicht unwesentlich sind.

150 symptomfreie Personen wurden nach dem Test isoliert

Der Kanton Graubünden veröffentlichte am Montagnachmittag die Resultate des Massentests. Die Verantwortlichen sehen einen klaren Nutzen aus dem Massentest, weil asymptomatische Personen «in erheblichem Mass zur Verbreitung und Aufrechterhaltung der Pandemie» beitragen würden – und nun eben entdeckt wurden.

Doch was sagen uns die Zahlen? Müssen wir uns Sorgen machen oder können die Gesundheitsverantwortlichen nach den Bündner Erkenntnissen «business as usual» machen? Wir haben darüber mit gesprochen.

Le professeur Didier Trono parle lors d'une conference de presse sur la nomination de Pierre-Francois Leyvraz, comme nouveau directeur general ad interiem de l'Hopital Riviera-Chablais le jeudi 4 juin 2020 a Rennaz. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Didier Trono, Chef Abteilung Diagnostik der Corona-Taskforce des Bundes. Bild: keystone

Resultate sagen nichts über die Dunkelziffer

Didier Trono, Chef der Abteilung «Diagnostik» bei der Corona-Task-Force des Bundes, hat sich die ersten Ergebnisse angeschaut und stellt fest: «Die Positivitätsrate bewegt sich eher im tiefen Bereich – aber das überrascht auch nicht.» Sie würde sich etwa in dem Rahmen bewegen wie bei den Corona-Massentests im Südtirol oder in der Slowakei.

Trotzdem will er die Zahlen nicht für die gesamte Schweiz vergleichen. «Die Resultate aus Graubünden kann man nicht einfach hochrechnen. Einerseits wurden hier nur drei Bündner Regionen getestet, andererseits ist der Inzidenzwert des Kantons nicht mit anderen Landesteilen vergleichbar», sagt Trono. Er meint damit die Anzahl positiv getesteter Personen pro 100'000 Einwohner. Graubünden liegt bei diesem Wert etwa im Mittelfeld aller Kantone.

Er warnt jedoch, die Zahlen auf die Goldwaage zu legen. Der Grund liege beim Antigen-Schnelltest. «Dieser Test benötigt eine höhere Virenlast, damit das Resultat positiv ausfällt.» Sprich: Es gibt eine Dunkelziffer an Personen, die das Virus in sich tragen, aber keine Symptome haben und negativ getestet wurden. Der Kanton Graubünden schätzt ein, dass die Hälfte aller Infizierten noch nicht «entdeckt» wurden.

Massentest alleine können eine Epidemie nicht stoppen

Zudem handle es sich bei den Resultaten um eine Momentaufnahme: «Wir wissen nicht, ob eine Person, die am Samstag negativ getestet wurde, am Montag wegen höherer Virenlast erkrankt.» Man müsste dafür die Bevölkerung mehrmals testen. «Das würde man in einer idealen Welt tun, die logistischen Herausforderungen sind aber enorm.»

Doch selbst dann würden solche landesweiten Schnelltests die Epidemie nicht ganz aufhalten. Trono verweist dazu auf die Erfahrungen aus der Slowakei: Dort wurden mit enormem logistischem Aufwand zwei Drittel der 5,5 Millionen Einwohner des Landes getestet, wo Berichten zufolge nur zwischen 40 und 50 Prozent aller Infizierten entdeckt wurden.

Trono sieht trotzdem einen Vorteil für den bündnerischen Massentest: «Jetzt wissen die infizierten Personen, dass sie sich isolieren müssen. So gibt es weniger Menschen in der kleinräumigen Deutschschweiz, die beim Pendeln oder im Freizeitbereich andere Leute anstecken können.»

Der Diagnostiker schmälert jedoch allfällige Hoffnungen im Bergkanton: Wegen der «grossen Attraktivität des Engadins und der Nachbartäler» sei damit zu rechnen, dass in den nächsten Tagen durch den zu erwartenden Besucheransturm viele neue Infektionsherde entstehen – «sofern nicht strenge Schutzmassnahmen getroffen werden», so Trono.

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