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Solche Szenen wird man heuer nicht sehen: Kroatische Fans jubeln an der WM 2018 beim Public Viewing dichtgedrängt in Bern. bild: keystone

Deutsche Polizei warnt vor Corona-«Frustkrawall» an der EM – warum Bern entspannt bleibt

Ausgelassen feiern? Fehlanzeige! In Deutschland befürchtet die Polizei wegen Corona Ausschreitungen von Fussball-Anhängern. In Bern hat Sicherheitsdirektor Reto Nause kaum Bedenken. Aus einem guten Grund.



Fussball, Jubelfeiern und viel Bier: Nach der monatelangen Corona-Tristesse erwarten längst nicht nur eingefleischte Fussball-Fans sehnsüchtig den Kickoff der Europameisterschaften. Hochkochen könnten die Emotionen bereits am Samstag, wenn die Schweizer Nati in Baku ihr Auftaktspiel gegen Wales bestreitet.

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Bei der WM 2018 gingen die Emotionen wie hier im Berner Progr hoch. bild: keystone

Richtig ausgelassen feiern ist aber wegen den Corona-Regeln (siehe Box) kaum möglich. In Deutschland warnt Rainer Wendt, Chef der Polizeigewerkschaft, vor «Frust-Krawallen» der Fans. «Gefühlt ist für viele Menschen die Coronapandemie zu Ende. Wenn dann die Polizei einschreitet und auf Abstandsregeln und Maskentragen pocht, gilt sie als Spielverderber und kann leicht zum Ziel von Corona- und Fussball-Frust werden», sagte er zur «Neuen Osnabrücker Zeitung.»

Die Regeln

Grosse Public-Viewings mit tausenden Zuschauern sind zumindest bis Ende Juni nicht möglich. In Innenräumen sind insgesamt 100 Personen zugelassen, wobei die Gästegruppen jeweils nur 4 Personen zählen dürfen. Anders sieht es draussen aus. Hier dürfen gesamthaft 300 Personen bei einer Grösse der Gästegruppen von 6 Personen zusammenstehen. Getränke und Essen muss sitzend konsumiert werden. Kann der erforderliche Abstand zwischen den Gästegruppen nicht eingehalten werden, müssen Abschrankungen angebracht werden. Die Erfassung der Kontaktdaten aller Gäste ist Pflicht. Ab 1. Juli 2021 sind Public Viewings bis 3000 Personen drinnen oder 5000 Personen draussen erlaubt.

«Bern hat bewiesen, wie man die Corona-Regeln mit Augenmass und Dialog pragmatisch umsetzt.»

Reto Nause, Sicherheitsdirektor

Keine Sorgen bereiten dem Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (Die Mitte) die «Corona-EM». «Bei den Meisterfeierlichkeiten haben sich etwa die YB-Fans zuletzt äusserst diszipliniert gezeigt», sagt Nause. In der Tat: Anstatt beim Stadion oder in der Innenstadt zu feiern, zündeten die Anhänger der Gelb-Schwarzen ein dezentrales Feuerwerk. Er habe zudem ein grosses Vertrauen in die Gastronom:innen, dass sie die Schutzkonzepte konsequent umsetzen. Wenn die Schweiz aber gegen Italien gewinne, könne man natürlich spontane Freudenfeiern nicht ausschliessen. «Das wird eine Herausforderung für die Polizei. Aber Bern hat zuletzt bewiesen, wie man die Corona-Regeln mit Augenmass und Dialog pragmatisch umsetzen kann.»

EM-Hotspot in der Fussball-Meisterstadt Bern ist die Aarbergergasse. In der Partymeile drängten sich bereits letzten Samstag Nachtschwärmer dicht an dicht, wie ein Augenschein vor Ort zeigte. Mit dem EM-Start geht nun die Party richtig los. Die Polizei nehme fortlaufend eine Lagebeurteilung vor. «Wir werden an den neuralgischen Orten Präsenz markieren und auch auf die Einhaltung der Corona-Vorschriften achten», sagt Kapo-Sprecherin Jolanda Egger zu watson. Je nach Verlauf und Spielpaarungen werde man das Dispositiv allenfalls anpassen.

«Niemand will, dass die EM zum Corona-Superspreader wird.»

Deutsche Polizeigewerkschaft

Schärfere Töne schlägt die Deutsche Polizei an: Polizeigewerkschafter Wendt warnte insbesondere vor öffentlichen Ansammlungen und erheblichem Alkoholkonsum. «Da müssen starke Polizeikräfte sichtbar präsent sein und konsequent durchgreifen, wenn gegen bestehende Vorschriften verstossen wird.» Das gelte insbesondere für die Masken- und Abstandspflichten, gegen die in solchen Situationen erfahrungsgemäss» «beharrlich und in hoher Zahl» verstossen werde. «Niemand will dass die EM zum Corona-Superspreader wird», so Wendt weiter zur Zeitung.

Public-Viewing meldet «ausverkauft»

So oder so ist das Fussballfieber bei den Schweizer Nati-Fans bereits ausgebrochen. «Ausverkauft», meldet etwa das Berner Kultur- und Konzertlokal «Bierhübeli», welches sowohl im Garten wie auch im Saal ein Public-Viewing anbietet. «Das Interesse ist sehr gross», sagt Geschäftsführer Dave Naef zu watson. Man habe keine zusätzlichen Sicherheitskräfte aufgeboten, um die Corona-Regeln durchzusetzen. «Wir führen das Public-Viewing wie einen Gastrobetrieb. Die Regeln sollten für alle klar sein.»

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