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Da half alles Klatschen nichts: Pflegepersonal stand in erster Corona-Welle unter Stress

Die physische und psychische Belastung war für das Schweizer Pflegepersonal in der ersten Corona-Welle immens, die Löhne niedrig. Das hat eine Umfrage ergeben.



Das Pflegepersonal in Schweizer Spitälern fühlte sich während der ersten Corona-Welle deutlich mehr gestresst als ein Jahr zuvor. Das hat eine Umfrage der Universität Bern bei 4100 Pflegefachkräften in neunzehn Schweizer Spitälern ergeben.

Wie die Berner Hochschule am Montag bekanntgab, erhöhte sich die Stressbelastung der Pflegefachkräfte corona-bedingt ganz allgemein. Der Grund liege «klar» bei Covid-19 als zusätzlicher Stressquelle. Das Pflegepersonal wurde aber vor allem durch die Gefahr der Covid-19-Übertragung auf Familienangehörige gestresst.

Medical personnel at work in the intensive care unit of the hospital Pourtales site

Ebenfalls ein Stressfaktor war das Gebot, zu Familienangehörigen Abstand zu wahren. Bild: KEYSTONE

Die vom Institut für Unternehmensrechnung und Controlling der Berner Hochschule durchgeführte Umfrage zeigte auch, dass die Arbeitsbelastung während der ersten Corona-Welle allgemein anstieg. Dies gilt aber vor allem für Angestellte in Not- und Intensivbehandlungsabteilungen. Dort erhöhte sich die Arbeitsbelastung um 31 Prozent.

Die Motivation ist gestiegen

Die Zufriedenheit des Pflegepersonals mit seiner Entlöhnung sank im Vergleich zu 2019 zum 9.4 Prozent. Trotzdem blieb die allgemeine Arbeitszufriedenheit der Pflegefachkräfte sowie ihre Bindung an ihr Spital unverändert oder stieg sogar teilweise leicht an.

«Vermutlich ist dies darauf zurückzuführen, dass die öffentliche Anerkennung der Arbeit von Pflegefachkräften angestiegen ist.»

Arthur Posch, Studienautor

Die Resultate zeigen auch, dass Pflegefachkräfte während der ersten Covid-19-Welle eine noch höhere Motivation und einen grösseren Einsatz für ihre Abteilung zeigten als 2019. So waren sie etwa bereit, bei akuter Personalknappheit die Ferien zu verschieben.

Die Resultate der Umfrage von 2020 wurden mit den Ergebnissen einer Befragung von 2019 verglichen. Damals begann das Berner Institut mit jährlichen Erhebungen von Daten zur Arbeitssituation von Pflegefachkräften im Rahmen des Spitalpflegereports Schweiz.

Schutzmassnahmen zahlen sich aus

Ausbezahlt hat sich für ein Spital laut den Autoren der Studie, wenn die Spitalleitung während der ersten Corona-Welle Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitssituation ergriff. Es ging vor allem um die Kommunikation klarer Richtlinien im Umgang mit Covid-19-Patienten und darum, genügend Tests zur Verfügung zu stellen.

Diese Massnahmen wurden vom Personal als insgesamt zufriedenstellend beurteilt.

Eine Minderheit des Personals erhielt während der ersten Corona-Welle vom Spital eine Belohnung. Bei 38 Prozent der Personen, welche bei der Umfrage mitmachten, war das der Fall.

Bei Pflegefachkräften, die eine Belohnung erhielten, stieg die Zufriedenheit mit Covid-19-Schutzmassnahmen des Spitals um 37 Prozent sowie die allgemeine Arbeitszufriedenheit um 8 Prozent im Vergleich mit Angestellten, die keine Belohnung erhielten.

Keine grosse Rolle spielte, in welcher Art und Weise die Belohnung daherkam, also ob es sich um einen Geschenkkorb, um Gutscheine oder um eine offizielle Anerkennung handelte. Ebenfalls nicht so wichtig war, wie gross der Wert der jeweiligen Belohnung war. (sda)

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