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Ärger um Moderna-Impfstoffe: Die Schweiz geht auch beim Impfen ins Risiko

Künftig wird beim Impfen mit weniger Reserven gearbeitet. Die Kantonsapotheker nehmen den Hersteller Moderna in die Pflicht und fordern, dass Lieferungen früher verbindlich angekündigt werden.

Dominic Wirth / ch media



Der Impfstoff von Moderna wird vorbereitet, um die letzten Senioren in den Pflegeheimen des Kantons Aargau mit dem Impfstoff gegen Corona zu impfen, im Seniorenheim Wasserflue in Kuettige, Kt. Aargau, am Donnerstag, 18. Maerz 2021. Der Kanton Aargau schliesst mit den letzten Impfungen die Serie von Corona Impfungen in den Aargauer Pflegeheimen ab. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Moderna-Impfstoff: Heiss begehrt, aber schwierig einzuplanen. Bild: keystone

Die Schweiz öffnet: Das ist die eine Botschaft dieser Woche, die vom Mittwoch. Die andere haben Bund und Kantone gestern in einer gemeinsamen Mitteilung verbreitet. Man kann sie ungefähr so zusammenfassen: Die Schweiz impft jetzt auch schneller.

Konkret passiert das so: Die Kantone sollen künftig, so die neue Empfehlung des Bundesamts für Gesundheit (BAG), beim Impfen weniger Sicherheitsmarge einbauen. Und schneller verabreichen, was sie geliefert bekommen.

Bis anhin hatte das BAG den Kantonen empfohlen, jeweils eine zweite Impfdosis zu reservieren. Das war mit ein Grund dafür, dass viele Dosen nicht verimpft wurden. Stand gestern wurden 2,3 Millionen Dosen in die Kantone geliefert. Verabreicht worden sind erst etwas mehr als 1,8 Millionen – gut 79 Prozent. Das hat viele Fragen aufgeworfen. Vor allem die, ob das nicht alles schneller gehen müsste. Beantwortet haben sie die Kantone auch mit dem Verweis auf die BAG-Empfehlung.

Doch jetzt, wo die Liefermengen im Mai noch einmal «deutlich ansteigen», sollen die Reserven gesenkt und die zweite Impfdosis «vermehrt durch noch zu liefernde Impfdosen» sichergestellt werden, wie es in der Mitteilung heisst.

Das heisst zum einen, dass das Impftempo sich jetzt erhöhen sollte. Und es heisst zum anderen auch, dass die Schweiz mehr Risiko eingeht. Denn wenn weniger Reserven da sind, darf auch weniger schiefgehen. Oder konkreter: Wenn eine Lieferung ausfällt, wird das schneller zum Problem, weil dann Impftermine abgesagt werden müssen.

Die schlechten Erfahrungen vom Februar wirken nach

Thomas Steffen ist Kantonsarzt in Basel-Stadt und Vorstandsmitglied der Vereinigung der Schweizer Kantonsärzte. Er ist einer der Männer, die in der Impfkampagne an der Front stehen. Steffen sagt, es sei richtig, dass die Schweiz künftig aufs Gaspedal drücke. Doch er betont auch, dass das ein gewisses Risiko mit sich bringe.

In Basel-Stadt sind bisher 73 Prozent der Impfdosen verimpft worden. Das ist weniger als im schweizweiten Durchschnitt. Steffen sagt, zu Beginn der Impfkampagne habe man in seinem Kanton sehr forsch vorwärtsgemacht. Doch dann konnte der angekündigte Moderna-Impfstoff Anfang Februar kurzfristig nicht geliefert werden. Steffen und seine Leute mussten in der Folge Impftermine verschieben und das Impftempo verzögern.

Die Erfahrung hat sie geprägt, weil das «emotional schwierig» gewesen sei. «Wir mussten Hoffnungen auf die Impfung zunichtemachen», sagt Steffen, und schlimmer noch: Man habe an Vertrauen verloren. Darum sei man dazu übergegangen, Reserven für die zweite Impfung aufzubauen. Und darum sei es auch jetzt wichtig, zu kommunizieren: «Auch wenn die Liefersituation nun stabiler ist, kann einmal etwas schiefgehen, eine Kette reissen.»

Auch Samuel Steiner sagt, er sei in Sachen Lieferverzögerungen ein gebranntes Kind. Er ist Berner Kantonsapotheker – und als Präsident der Kantonsapothekervereinigung Schweiz auch der Oberste im Land. Noch so ein Mann von der Impffront. Steiner nennt es einen «Paradigmenwechsel», dass die Kantone künftig weniger Reserven zurücklegen sollen.

Probleme mit Moderna-Terminen

Der Berner unterstützt das Vorgehen. Doch auch er warnt vor den Risiken, dem «Worst-Case-Szenario», in dem eine Lieferung ausfällt, Tausende Impftermine verschoben werden müssen – was in Impfzentren, besonders aber in Hausarztpraxen riesigen Aufwand nach sich ziehen würde.

Steiner spricht zudem ein Thema an, das man oft zu hören bekommt, wenn man sich bei den Kantonen umhört: die fehlende Planungssicherheit beim Moderna-Impfstoff. Von diesem erwartet die Schweiz laut BAG bis Ende Juni fünf Millionen Dosen. Kein anderer Lieferant ist nun wichtiger.

BAG will sich der Sache annehmen

Das Problem ist nur: Wann genau eine Lieferung in der Schweiz eintrifft, wird sehr kurzfristig definitiv bestätigt. Während Pfizer-Biontech seine Lieferungen bereits bis Ende Mai fix zugesagt hat, gibt es von Moderna nur für diese Woche eine verbindliche Zusage, für eine weitere Lieferung im April noch eine provisorische. Für den Mai verfügt Steiner wie die anderen Kantonsapotheker nur über eine Prognose, wie viele Dosen sein Kanton erwarten kann. Zwar habe die Firma zuletzt zuverlässig die angesagten Mengen geliefert, sagt er. «Für die Termin- und Personalplanungen in den Impfzentren wäre es aber sehr wichtig, dass wir mit mehr Vorlauf verbindliche Liefertermine von Moderna bekommen», sagt Steiner.

Dem Vernehmen nach wird das Thema auch an den regelmässigen Lagerapporten der Kantone mit dem BAG immer wieder diskutiert. Beim Amt heisst es auf Anfrage, man sei sich bewusst, dass die Bestätigungen von Moderna kurzfristig eintreffen. Man stehe mit der Firma in Kontakt, um Lösungen zu suchen.

(aargauerzeitung.ch)

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