Schweiz
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epa04054303 Protesters of the organization 'Reporter ohne Grenzen' (lit. Reporters Without Borders, or RWB) hold a placard 'for freedom of press' as they stand in front of the Russian embassy in Berlin, Germany, 04 February 2014. Members of the organization were protesting against the limited freedom of speech during the 2014 Winter Olympics in Sochi, Russia.  EPA/BRITTA PEDERSEN

Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt «nachdrücklich die rassistischen Beleidigungen», die sich direkt gegen den Undercover-Journalisten richten. Bild: EPA/DPA

Rassismus-Hetze gegen den Undercover-Journalisten aus der Westschweiz



Ein Bericht des Onlineportals Heidi.news über Verschwörungstheoretiker-Kreise in der Romandie hat im Internet eine Welle von erbosten Kommentaren ausgelöst. Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt «nachdrücklich die rassistischen Beleidigungen», die sich direkt gegen den Journalisten richten, der verdeckt recherchiert und die Geschichte geschrieben hat.

«Diese Reaktionen erinnern daran, dass die Schweiz gegen Rassismus und Hass auf Journalisten nicht immun ist», teilte die Schweizer Sektion der NGO am Dienstag in einer Stellungnahme mit. Die Kommentare einiger Internetnutzer in sozialen Netzwerken seien «zutiefst schockierend».

«Inmitten einer Gesundheitskrise sind ihre Theorien gefährlich, denn es sterben Menschen.»

Sami Zaïbi

Heidi.news überlegt sich Strafanzeige zu erstatten, wie Chefredaktor Serge Michel der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Bislang sind nur zwei der sieben Teile der Recherche mit dem Titel «Au coeur de la complosphère» (Im Zentrum der Verschwörung) veröffentlicht worden. Léman Bleu, der sich an dieser Recherche beteiligt hatte, veröffentlichte ebenfalls einen Bericht zu diesem Thema.

Gruppierung infiltriert

Der Journalist Sami Zaïbi leitete die Recherche. Zwei Monate lang unterwanderte er eine Gruppierung aus sogenannten Verschwörungstheoretikern, die insbesondere das Referendum gegen die Corona-Warn-App lancierte. Der Genfer tunesischer Herkunft schloss sich dem Team an, das Videos für einen Web-Kanal produziert, dessen Ziel es ist, «Überlebenstipps für diese Welt in der Verdammnis» zu geben.

Zaïbi hat diese «Flut von Beleidigungen» erwartet, wie er auf Anfrage sagte. Er habe sich bereit erklärt, die journalistische Herausforderung anzunehmen, wegen des öffentlichen Interesses an diesem Thema und an den Menschen, die in diesen Kreisen verkehren. «Inmitten einer Gesundheitskrise sind ihre Theorien gefährlich, denn es sterben Menschen», sagte der Journalist.

Lehrerin protestiert

Unter den im Bericht genannten Personen protestiert eine Lehrerin, die sich derzeit im Sabbatical befindet, gegen die Undercover-Reportage von Heidi.news und prangert «Lügen an, die ihr schaden wollen». Sie plane, Strafanzeige wegen Verleumdung und Persönlichkeitsverletzung zu erstatten.

Chefredaktor Michel rechtfertigt hingegen die verdeckte Recherche. Der Zweck dieser Methode sei es in diesem speziellen Fall gewesen, Informationen von öffentlichem Interesse zu erhalten, die auf anderem Wege nicht hätten beschafft werden können.

Nicht im Klassenzimmer

Nachdem die Journalisten herausfanden, dass mehrere Lehrer in diesen sogenannten Verschwörungstherotiker-Kreisen verkehren, wurde Heidi.news beim Genfer Erziehungsdepartement vorstellig. Das Departement äussere sich nicht zu den Personalakten seiner Mitarbeiter, hiess es am Dienstag auf Anfrage von Keystone-SDA.

Es sei jedoch klar, dass Äusserungen im Sinne der Verschwörungstheorien im Klassenzimmer nicht toleriert würden. Was öffentliche Äusserungen anbelange, so ist die Meinungsfreiheit durch die Bundesverfassung garantiert, hiess es weiter. Für Amtsträger könnten je nach ihrer Funktion, dem Kontext oder dem Inhalt des Ausdrucks Einschränkungen gelten.

(sda)

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