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Presse, Pussy und Pomade: Eine Beleidigung «mal von der anderen Seite beleuchtet»



Fussball-EM 2012. «10vor10» spielt Bilder von Ronaldo ein. «Mit perfekt gegelter Fisur, exakt gezupften Augenbrauen und überall glattrasiert», beschreibt Moderatorin Andrea Vetsch den Portugiesen. «Eine Diva, die nach der Pause sogar mit neuer Frisur auf den Rasen kommt.»

Portugal's Cristiano Ronaldo before their friendly soccer match with Turkey Saturday, June 2 2012, at the Luz stadium in Lisbon. The game is part of Portugal's preparation for the European soccer championship. The Euro 2012, to be held in Poland and Ukraine, starts June 8. (AP Photo/Armando Franca)

Ronaldo an der EM 2012. Bild: AP

Da stellt sich einem als Zuschauer natürlich nur eine Frage: ...

Und dann fällt folgender Satz:

«Solche – manche nennen sie Pussys – sind an dieser EM ein Auslaufmodell.»

Andrea Vetsch über Ronaldo ... wie heisst der eigentlich mit Nachnamen?

Bild

Hat Andrea Vetsch gerade wirklich «Pussys» gesagt?
screenshot: srf

Fussballer und «Pussys»: War da nicht mal irgendwas?

Marco Streller wird mit Traenen in den Augen vor dem Spiel gegen den FC St. Gallen im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Freitag, 29. Mai 2015, verabschiedet. (KEYSTONE/Patrick Straub)

Happy End: Marco Streller vergiesst bei seinem Abschiedsspiel anno 2015 ein Tränchen.
Bild: KEYSTONE

Was fällt dir bei «Fussballer» und «Pussys» ein?

Okay, okay, diese Assoziationen sind natürlich richtig und wichtig, aber eigentlich war etwas anderes gemeint.

Nämlich?

Volltreffer! Vetschs Aussage «Manche nennen sie Pussys» bezieht sich natürlich auf Büne Hubers Verbalausraster, als der Eishockey-Fan die Kicker-Konkurrenz böse abgeschossen hat.

Ab 2:10 Minuten spricht Huber über den Fussball.
video: teleclub

Aber wenn man nun über diese Moderation berichten will, fragt sich, was die bessere Schlagzeile ist:

Du bist Chefredaktor: Unsere Schlagzeile ist: ...

Na ja, eben! Die Beleidigung von heute verkauft sich halt besser als der Beleidigte von gestern. Die Facebook-Unterhaltungsseite Swissmeme schreibt also: «SRF-Moderatorin beleidigt iiskalt Ronaldo» und fügt im Video einen Filmschnipsel aus «Friday» ein: Ice Cube und Chris Tucker kommentieren Vetschs «Pussy» mit einem langgezogenen «Ewwwwww».

Dadurch bekommt auch 20 Minuten Wind von der Sache. «SRF-Frau nennt Ronaldo indirekt eine ‹Pussy›», titeln die Kollegen. Das Swissmeme-Video ist über 500'000 Mal angeschaut worden und hat mehr als 12'000 Facebook-Likes.

Also auf gut Deutsch: Es geht grad rum. Wir von der Online-Journaille haben aber ein vieeeel cooleres Wort dafür.

Wie heisst das Zauberwort?

Eben, ein Schweizer Video geht viral, und die letzten Schnarchnasen, die es mitbekommen, sind natürlich wir bei watson! Die «20 Minuten»-Konkurrenz hat bereits bei SRF nachgefragt: Hat Andrea Vetsch Ronaldo beleidigt?

Was antwortet das SRF?

Obwohl wir von der Schweizer Presse ja stets höchst souverän und gelassen auf schmerzliche Kritik oder unangenehme Nachfragen durch andere Medien reagieren, verpasst das SRF es hier, der ganzen Sache den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Um im Bild zu bleiben: Leutschenbach bohrt sogar noch ein fettes Loch ins eigene Schiff. Denn SRF-Sprecher Stefan Wyss beschwert sich über den Beitrag bei Swissmeme – wir erinnern uns: Da war eine kleine Szene aus «Friday» reingeschnitten worden.

Wie locker reagiert das SRF auf die eingefügte Filmszene?

Richtig ist die letzte Antwort: Ohne Not machen die Kollegen auf beleidigte Leberwurst. «20 Minuten» kann unter das erste Foto der Bildstrecke schreiben: «Illustration oder Beleidigung? Die Anmoderation von Andrea Vetsch geht viral.» Und der verschlafene watson-Schmierfink spielt mal wieder den medialen Nestbeschmutzer.

Was bleibt da noch, lieber User?

Ja, was denn nun?

PS: Worum es in dem SRF-Beitrag mit der «Pussy»-Moderation ging? «Die neue Männlichkeit auf dem Fussballplatz». Wenn das der Büne hört ...

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