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Abstimmungs-Umfragewerte im Tief

Wie viel sind die Trendumfragen noch Wert? Das meinen die grossen Parteien dazu

Nach dem Abstimmungssonntag ist die Diskussion um die Trendumfragen erneut entflammt. Vom Gfs über 20 Minuten bis zu Politikprognose.ch lagen sämtliche Umfragewerte deutlich neben dem Resultat. Braucht es die Prognosen überhaupt noch? 



SVP

Martin Baltisser, Generalsekretaer der SVP, aufgenommen am 20. Maerz 2014 in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

SVP-Generalsekretär Martin Baltisser  Bild: KEYSTONE

Die SVP kann den Umfragen wenig abgewinnen: «Die Prognosen dienen in der heutigen Zeit insbesondere zur Unterhaltung des Medienpublikums», sagt SVP-Generalsekretär Martin Baltisser: «Die SVP kann problemlos auf solche Umfragen verzichten.»

 «Die SVP kann problemlos auf solche Umfragen verzichten.»

Grundsätzlich würden die Umfragen allenfalls bestimmte Entwicklungen in der Meinungsbildung sichtbar machen, meint Baltisser: «Aber auch Medienunternehmen versuchen damit Einfluss auf die Meinungsbildung zu nehmen.» Baltisser glaubt, dass gerade Wahlumfragen, welche kurz vor dem Wahltermin erscheinen, einen mobilisierenden oder demobilisierenden Einfluss haben. Er bemängelt, dass die Ergebnisse der Umfragen sich nur selten überprüfen lassen. 

BDP

Parteipraesident Martin Landolt spricht an der Delegiertenversammlung der Buergerlich-Demokratischen Partei, BDP, in der Weiermatthalle in Reinach am Samstag, 18. Oktober 2014. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

BDP-Präsident Martin Landolt kann den Fehlprognosen Longchamps auch Gutes abgewinnen. Bild: KEYSTONE

Die BDP will die Umfragen beibehalten. Sie dienen der Partei als Gradmesser, um die eigene Kampagne anzupassen. «Zudem helfen die Umfragen, die Aufmerksamkeit für Volksabstimmungen hoch zu halten», meint BDP-Präsident Martin Landolt. 

«Die Umfragen helfen, die Aufmerksamkeit für Volksabstimmungen hoch zu halten.»

BDP-Präsident Martin Landolt

Ob neben Lonchamps GfS Bern noch andere Institute mit dem Auftrag betraut werden sollten, will er nicht beurteilen: «Das müssen diejenigen entscheiden, die die Rechnung zahlen», sagt er. Im Hinblick auf die letzten Abstimmungen kann Landolt den Fehlprognosen Longchamps allerdings etwas Gutes abgewinnen: «Ich könnte mir vorstellen, dass gerade bei Ecopop die Ausgangslage lange als ‹unberechenbar› empfunden wurde und dies deshalb mobilisiert hat», sagt er. 

Braucht es vor Abstimmungen Trendumfragen?

FDP

Portrait von FDP Praesident Nationalrat Philipp Mueller, AG, im Bundesratszimmer der Wandelhalle des Nationalrats, am Montag, 22. September 2014, waehrend der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

FDP-Präsident Philipp Müller findet die Trendumfragen nützlich, um Abstimmungskampagnen besser zu planen.  Bild: KEYSTONE

FDP-Präsident Philipp Müller hält sich bedeckt: «Es liegt nicht an mir zu beurteilen, ob auf die Umfragen verzichtet werden könnte», sagt er. An ihren Einfluss auf das Abstimmungsverhalten glaubt er aber nicht: «Die Umfragen sind einzig ein guter Indikator, um Abstimmungskampagnen besser zu planen», findet er. 

«Es liegt nicht an mir zu beurteilen, ob auf die Umfragen verzichtet werden könnte.»

FDP-Präsident Philipp Müller

CVP

ZU DEN FORDERUNGEN VON CHRISTOPHE DARBELLAY AN PHILIPP MUELLER, DIE FDP SOLLE EINE KLARE HALTUNG ZU LISTENVERBINDUNGEN MIT DER SVP IM WAHLKAMPF 2015 EINNEHMEN, STELLEN WIR IHNEN AM SONNTAG, 21. SEPTEMBER 2014, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG-  CVP Parteipraesident Christophe Darbellay beim Interview in der Wandelhalle waehrend den Beratungen ueber das neue Fuehrungsmodell fuer die Bundesverwaltung (NFB)am Freitag, 13. Juni 2014 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

CVP-Chef Christophe Darbellay glaubt genauso so fest an die Trendumfragen wie an die Wetterprognose – mit Vorsicht. Bild: KEYSTONE

CVP-Präsident Christophe Darbellay möchte auf die Umfragen nicht verzichten, relativiert jedoch deren Aussagekraft: «Man darf die Resultate nicht überbewerten. Sie sind so sicher wie Wetterprognosen, also für maximal fünf Tage gültig», sagt Darbellay.

«Die Umfragen dürften etwas genauer sein. Das Quasi-Monopol Longchamps sollte in Frage gestellt werden.»  

CVP-Präsident Christophe Darbellay

An ihren Einfluss auf das Stimmverhalten glaubt er nicht: «Sie beeinflussen eher den Wahlkampf als die Stimmbürger», meint er. Vor Ecopop hätten alle Angst gehabt, diesbezüglich hätten die letzten Umfrageergebnisse eine Art Schockwirkung erzielt. Eines stört den CVP-Präsidenten jedoch an den Prognosen: «Sie dürften etwas genauer sein. Das Quasi-Monopol Longchamps sollte in Frage gestellt werden. Michael Hermann vom Institut sotomo könnte sogar präziser sein als Longchamps», sagt er.   

SP

Bild

SP-Mediesprecher Michael Sorg hätte lieber selber Geld, um Umfragen in Auftrag zu geben.  Bild: KEYSTONE

Auch die SP will die Umfragen nicht kippen. «Anders als beispielsweise Economiesuisse haben wir nicht die Möglichkeit, eigene Umfragen in Auftrag zu geben», sagt Mediensprecher Michael Sorg. «Die Umfragen geben uns einen wichtigen Anhaltspunkt, wie wir mit der Kampagne stehen.» 

«Für unsere politische Arbeit würden wir es begrüssen, wenn wir uns auf mehrere Umfragen stützen könnten, die gleich seriös erstellt werden.»

SP-Mediensprecher Michael Sorg

Sorg ist der Meinung, dass die Umfragresultate weniger Einfluss auf das Stimmverhalten, sondern eher auf die interne Mobilisierung der Parteien nehmen. Die Monopolstellung Longchamps sieht aber auch die SP nicht gerne: «Für unsere politische Arbeit würden wir es begrüssen, wenn wir uns auf mehrere Umfragen stützen könnten, die gleich seriös erstellt werden», sagt Sorg. 

Die zehn Ecopop-Gemeinden

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Die zehn Ecopop-Gemeinden
quelle: keystone / sigi tischler
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