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Nicht gern gesehen: Mütter, die in der Öffentlichkeit stillen.  bild: keystone/bearbeitung durch watson

Basler Grossratspräsident schmeisst stillende Politikerin raus – «Das ist unglaublich!»

Eine Basler Grossrätin wurde am Mittwoch vom Grossratspräsidenten aus dem Saal gewiesen, weil sie ihren zwei Monate alten Sohn dabei hatte. Grünen-Nationalrätin Irène Kälin, selbst Mutter von einem fünfmonatigen Sohn, war schockiert über die Szenen.



Die Szene erhitzte die Gemüter: Der Basler Grossratspräsident Remo Gallacchi warf am Mittwochnachmittag die grüne Grossrätin Lea Steinle aus dem Saal. Steinle kam kurz zuvor mit ihrem Kind im Tragtuch in den Saal, um abzustimmen. 

Im Grossen Rat sorgte Steinles Saalverweis für tumultartige Szenen. SP-Grossrätin Danielle Kaufmann stellt einen Ordnungsantrag: «Es kann nicht sein, dass ein gewähltes Mitglied nicht im Saal sein darf, weil sie ein Kind hat, das gestillt werden muss», sagt sie aufgebracht. «Wir Parlamentarier sind hier im Saal grundsätzlich unter uns», verteidigte Gallacchi seine Reaktion. 

Irene Kaelin, GPS-AG, mit ihrem Kind, an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 26. September 2018 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Die Grüne Nationalrätin Irène Kälin mit ihrem Sohn im Nationalrat.  Bild: KEYSTONE

Für Irène Kälin, Grüne Nationalrätin, ist der Entscheid symptomatisch für die noch immer von Männern dominierte Schweizer Politik. «Die Reaktion von Gallacchi war unglaublich. Das Kind hat überhaupt nicht gestört. Offenbar hat man einfach immer noch ein Problem mit jungen und stillenden Müttern.» Kälin ist selbst Mutter eines fünf Monate alten Buben. Im September nahm sie ihren Sohn mit ins Bundeshaus und stillte ihn. Dafür erntete auch sie Kritik. 

Dass Frauen mit kleinen Kindern genauso das Recht haben, am politischen Prozess teilzuhaben, sei hierzulande noch nicht angekommen, so Kälin. «In der Schweiz fehlt es an Akzeptanz und Entlastungsangeboten für junge Mütter. Andere Länder sind da schon viel weiter.»

epa06093773 (FILE) - Australian Greens Senator Larissa Waters soothes baby Alia Joy after breastfeeding her during a division in the Senate Chamber at Parliament House in Canberra, Australian Capital Territory, Australia, 09 May 2017 (reissued 18 July 2017). Greens senator Larissa Waters is set to resign from federal parliament over dual citizenship with Canada.  EPA/MICK TSIKAS  AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Die australische Politikerin Larissa Waters war eine der ersten, die ihre Tochter im Parlament stillte.  Bild: EPA/AAP

Die Premierministerin von Neuseeland hatte während der UN-Vollversammlung ihre kleine Tochter dabei – zur Freude der Pressefotografen. 

Die Grüne Nationalrätin nennt das Beispiel Australien: Seit Mai 2017 ist es australischen Politikerinnen erlaubt, im Parlament zu Stillen. Und auch an der UN-Generalversammlung in New York war der Umgang mit Kleinkindern wesentlich entspannter als in Basel. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hatte ihre kleine Tochter bei einer Rede zu Ehren von Nelson Mandela mit dabei. Anstatt böse Blicke erntete Ardern nur positive Stimmen und sorgte für eine Auflockerung in New York. 

Stillende Mütter: Eine Fotografin verwandelt sie in stolze Göttinnen

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Stillende Mütter: Eine Fotografin verwandelt sie in stolze Göttinnen
quelle: catersnews / / 1086237
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«Nur in der Schweiz tun wir uns unglaublich schwer damit», kritisiert Kälin. Sie wünscht sich, dass junge Mütter in Zukunft noch besser unterstütz werden – auch in der Politik. «Es ist wichtig, dass auch Mütter mit kleinen Kindern Politik machen können, auch wenn es nicht ganz einfach ist.» Die Nationalrätin schlägt eine Stellvertreterlösung vor. «So könnte man die ersten Monate Zuhause bleiben, ohne dass man seinem politischen Auftrag nicht nachkommt.»

Tausende Kolumbianerinnen stillen in der Öffentlichkeit

Video: srf/SDA SRF

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