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Der Laptop Computer von Nationalrat Andreas Glarner, SVP-AG, den ein Kleber mit dem Namen der Gemeinde, welcher Glarner als Gemeindeammann vorsteht, ziert, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 13. Juni 2016 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Liebt er es mehr als die Gemeinde? Andreas Glarners Laptop im Bundeshaus. Bild: KEYSTONE

In Glarners Gemeinde formiert sich Widerstand: Ein Verein will eine neue Dorfpolitik

In Aargaus reichster Gemeinde formiert sich ein Verein, der eine neue Dorfpolitik machen will.

Rolf Cavalli / Aargauer Zeitung



Siegfried Renggli, 46-jährig, ist Biobauer und lebt seit 17 Jahren in Oberwil-Lieli. Er ist das Aushängeschild des Vereins «Lebenswertes Oberwil-Lieli», der in diesen Tagen gegründet wird und unter anderen Leute rekrutiert, die sich in der IG Solidarität für die Aufnahme von Flüchtlingen einsetzt.

Vereinsziel ist es nach eigenen Angaben, sich für eine «aufbauende, faire, vielfältige und nachhaltige Politik» in Oberwil-Lieli einzusetzen. Der Verein will für «erschwinglichen Wohnraum» und eine «ausgewogene Durchmischung der Bevölkerung» sorgen und stehe allen offen, die sich «zukunftsorientiert und konstruktiv» im Dorf einsetzen wollten.

Der Name Glarner fällt zwar kein einziges Mal im Communiqué und Renggli betont: «Wir wollen keine Gegenbewegung sein, sondern eine Vorwärts-Bewegung.»

Doch in jeder Silbe der Gründungsmitteilung liest man mit: Die Leute von «Lebenswertes Oberwil-Lieli» wollen das Gegenteil sein von all dem, was Gemeindeammann Andreas Glarner aus ihrer Sicht verkörpert: Intoleranz, destruktive Politik, einer, der aus Oberwil-Lieli ein Dorf nur für Reiche machen wolle.

Es gebe hervorragende Köpfe in Oberwil-Lieli, die etwas bewegen wollten, sagt Renggli. Wie häufig in kleineren Gemeinden spreche Parteipolitik aber nicht alle an. «Mit unserem parteiunabhängigen Verein möchten wir diese Kräfte bündeln.»

Tritt Glarner überhaupt an?

Renggli spricht nicht gern über Andreas Glarner. Das sei genau das Problem in der Gemeinde, dass sich alles nur noch um den Ammann drehe.

Klar ist aber: Der Verein «Lebenswertes Oberwil-Lieli» will im Herbst an den Gemeinderatswahlen eine Rolle spielen. «Viele Leute im Dorf sind aufgrund der Ereignisse der letzten Monate angespornt, anzutreten.»

Das unausgesprochene Ziel ist klar: Glarner soll als Gemeindeammann abgelöst werden. Was sagt der umstrittene SVP-Politiker zur neuen Konkurrenz?

Andreas Glarner, SVP-AG, spricht an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 14. September 2016, im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SVP-Nationalrat und Gemeindeammann von Oberwil-Lieli, Andreas Glarner. Bild: KEYSTONE

«In einer Demokratie kann selbstverständlich jeder antreten», meint Glarner auf Anfrage, um gleich gewohnt spitzzüngig anzumerken: «Wer dann aber auch bereit ist, für einen so tiefen Tarif für die Gemeinde zu arbeiten, ist eine andere Frage.»

In Oberwil-Lieli erhält der Ammann eine Jahresentschädigung von 24'000 Franken, ein normaler Gemeinderat 14'000 Franken. Glarner wehrt sich vehement gegen eine höhere Entlöhnung. Umso mehr steht Glarner dazu, das Dorf für Reiche attraktiv zu machen: «Wir haben in meiner Amtszeit viele gute Steuerzahler in die Gemeinde geholt.»

Ob SVP-Nationalrat und Unternehmer Glarner überhaupt nochmals als Ammann antritt, ist noch offen. Wenn ja, wird er kaum im Schlafwagen wiedergewählt. Schon vor vier Jahren war sein Wahlresultat eher bescheiden, erhielt er doch die wenigsten Stimmen aller fünf gewählten Gemeinderäte.

Glarner dazu: «Das ist normal.» Der Ammann sei der, der alles unterschreiben müsse und sich so nicht bei allen beliebt mache.

400'000 Franken für Flüchtlinge

Einwohner von Oberwil-Lieli spenden der Hilfsorganisation «Schwizerchrüz» 400'000 Franken. Die Organisation hilft Flüchtlingen in Griechenland und der Türkei. Ammann Andreas Glarner hatte sie letztes Jahr besucht. Die Summe ist überraschend hoch. An der Gemeindeversammlung wurden letzten November 50'000 Franken als Spende gesprochen. In der Zwischenzeit sind nochmals 350'000 Franken dazugekommen, wie aus den jüngsten Gemeindenachrichten hervorgeht. Ein einzelner Spender alleine hat offenbar 250'000 Franken beigesteuert, bestäigt Andreas Glarner. Kritiker monieren, die Aktion sei vor allem eine PR-Aktion, die Gemeinde betont: «Es sind Taten, die zählen!»

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