DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Mit dem Corona-Zertifikat sollen bald auch nicht notwendige Reisen wieder möglich sein.
Mit dem Corona-Zertifikat sollen bald auch nicht notwendige Reisen wieder möglich sein.
Bild: sda

Beim Corona-Zertifikat ist Sand im Getriebe – Start vor Sommerferien nicht sicher

Bis Ende Juni soll das Bundesamt für Informatik ein Corona-Zertifikat für Geimpfte ausarbeiten. Die Skepsis ob der kurzen Frist ist gross. Derweil zeigt ein Blick über die Grenzen: Auch die EU bekundet Mühe.
19.05.2021, 05:48

Wie steht es um das Schweizer Corona-Zertifikat?

Erste Schritte werden gemacht. Letzte Woche fasste das Bundesamt für Informatik den Auftrag, bis Ende Juni eine technische Lösung für ein entsprechendes Zertifikat auszuarbeiten. Das heisst: Vor Juli wird es nicht bereit sein. In ersten Kantonen beginnen dann aber bereits die Sommerferien. Hinzu kommt, dass das Zertifikat gestaffelt ausgerollt werden soll, wie das BAG gegenüber dem «Tages-Anzeiger» bestätigte.

Ein Zertifikat für Geteteste und Genese soll demnach erst zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Wann genau, ist noch nicht bekannt. Das BAG blieb bei dieser Frage vage und sagte lediglich: «Zeitnah».

Warum kommt das Zertifikat erst so spät?

Das BAG begründet dies damit, dass es erst seit März eine gesetzliche Grundlage gebe, die es erlaube, die Anforderungen an das Zertifikat zu definieren. Theoretisch ist es aber bereits seit Monaten klar, dass es in naher Zukunft einen Impfausweis brauchen wird.

Zudem würde man gestaffelt vorgehen, weil der Personenkreis der Geimpften besser abgegrenzt werden könne.

Wo wird dieses Zertifikat zum Einsatz kommen?

Das muss vom Bundesrat noch präzisiert werden. Vorgesehen ist, dass man damit selektiv Zutritt zu «Orten mit hohem Übertragungsrisiko» bekommen soll. Darunter fallen Konzerte, Bars und Discos.

Dies soll aber nur so lange der Fall sein, wie sich die Schweiz in der «Stabilisierungsphase» befindet. Danach sollen die Massnahmen für die gesamte Bevölkerung fallen.

Gemäss Definition befindet sich die Schweiz in Stabilisierungsphase, sobald 40 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Sie dauert bis zu dem Zeitpunkt, zu dem alle Erwachsenen Zugang zur Impfung hatten. Dies dürfte laut Schätzungen Ende Juli der Fall sein.

Kommt das Zertifikat erst im Juli, so dürfte es also nicht sehr lange zum Einsatz kommen.

Danach soll das Zertifikat nur noch bei Auslandreisen eingesetzt werden.

Apropos Reisen: Wollte die Schweiz dafür nicht mit der EU zusammenspannen?

Doch. Aber bei der EU scheint momentan auch etwas Sand im Getriebe zu sein. Wenige Wochen vor dem geplanten Start eines europaweit gültigen Covid-Impfzertifikats im Juni streiten Vertreter des Europaparlaments und der EU-Staaten noch über die Details. Am Dienstagabend trafen sich Unterhändler der beteiligten Institutionen, um die letzten strittigen Punkte zu klären. Es konnte jedoch keine Einigung erzielt werden, teilte die portugiesische Ratspräsidentschaft am späten Abend mit. Am Donnerstag werde weiter verhandelt. Portugal hat derzeit turnusgemäss den Vorsitz der EU-Länder inne.

Das Zertifikat soll ein fälschungssicherer Nachweis für eine Corona-Impfung, einen frischen Test oder eine überstandene Covid-Erkrankung sein. Ziel ist einfacheres Reisen in Europa. In den bei Deutschen besonders beliebten europäischen Reiseländern Spanien, Österreich und Griechenland gibt es beispielsweise derzeit uneinheitliche Regeln.

Wo liegen die Streitpunkte?

In Bezug auf das EU-Impfzertifikat wurde in den vergangenen Tagen unter anderem darüber diskutiert, welchen Status frisch Getestete haben sollen und wer für die Kosten der Tests aufkommt. Das EU-Parlament setzte sich für kostenlose Tests ein. Die Einmischung des EU-Parlaments wollen allerdings nicht alle EU-Staaten, weil dies in die Kompetenz der Länder fällt. Ausserdem ging es um die Frage, ob das Zertifikat automatisch Reisefreiheit in Europa bedeutet oder ob und wie die EU-Staaten einschränken können.

«Das Zertifikat muss eine Bedeutung haben», sagte der Europaabgeordnete Peter Liese (CDU) mit Blick auf mögliche Erleichterungen durch den Impfnachweis. Nach Angaben der Linken Europaabgeordneten Cornelia Ernst scheiterte es etwa an den Kernfragen. Es drehe sich immer noch um Schlüsselpunkte wie den vom Parlament geforderten Zugang zu kostenlosen Tests für alle, teilte sie nach Abschluss des Verhandlungstages mit. Die Abgeordneten lehnten es auch ab, dass einzelne EU-Länder die Möglichkeit bekommen könnten, trotz Zertifikat individuelle Einreisebeschränkungen zu beschliessen.

Welche Erleichterungen hingegen künftig in Urlaubsländern an die Einführung des einheitlichen Nachweises geknüpft sein sollen, ist weiterhin nicht abschliessend geklärt.

Wann also kommt das EU-Zertifikat?

Sollte es in dieser Woche zu einer Einigung zwischen den Unterhändlern von Rat und Parlament kommen, müsste die Entscheidung noch formell von den EU-Ländern und dem Parlament abgesegnet werden. Dass es in diesen Schritten jedoch noch zu Änderungen an dem Beschluss kommt, gilt als unwahrscheinlich.

Wird es noch zu einer Zusammenarbeit kommen?

Voraussichtlich schon. Wann dies aber der Fall sein wird, ist offen. Im Hinblick auf die Einführung eines international anerkannten Zertifikats begleitet der Bund die Arbeiten der Weltgesundheitsorganisation WHO mit dem Projekt «Smart Vaccination Certificate» und der EU mit dem «Digital Green Certificate». Letzteres soll den Rahmen für jeweils nationale Impf-, Test- und Genesungszertifikate bilden.

(Mit Material der SDA)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Coronavirus: Was du wissen musst

1 / 15
Coronavirus: Was du wissen musst
quelle: ap / zoltan balogh
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Drohnenvideo von improvisierten Krematorien in Indien

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Bekannte Corona-Leugner von Anonymous brutal vorgeführt

«Querdenker» planten eine «zensurfreie» Facebook- und YouTube-Alternative und spendeten Geld dafür. Doch bevor sich die Plattform richtig etablierte, wurde sie von Anonymous-Aktivisten gehackt. Die Spur zum Hauptdrahtzieher führt in die Schweiz.

Selbsternannte «Querdenker» haben ein Problem. Facebook und YouTube gehen seit der Corona-Pandemie konsequenter gegen Falschinformationen und Verschwörungserzählungen vor. Da liegt es auf der Hand, dass bekannte «Querdenken»-Vertretende von einer alternativen Plattform träumen, auf der ungestraft gelogen und gehetzt werden darf. Die neue Plattform «Ignorance – pulls the trigger» sollte daher eine «schweizerisch-europäische Facebook- & YouTube-Alternative» für …

Artikel lesen
Link zum Artikel