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«OK, Boomer» – wie zwei Wörter eine ganze Generation (zu Recht?) verunglimpfen

Man liest sie derzeit häufig. Zwei Worte, acht Buchstaben, viel Wirkung: «OK, Boomer». «Bitte, was?», denkt sich der über 50-Jährige und provoziert damit gerade ein erneutes «OK, Boomer».



Wir Jungen müssen uns beweisen. Sieben Praktika vor der Festanstellung, davor am besten schon den Master gemacht und zwei Start-Ups gegründet. Und, achso, bitte nicht älter als 25 sein, ja? Gut. Chinesisch-Kenntnisse wären auch von Vorteil. OK, Boomer.

Aber wir Jungen wollen uns gar nicht beweisen. Denn wir haben keine Lust zu arbeiten, wir brechen alles nach kurzer Zeit ab und müssen erstmal Selbstfindungsferien in Bali machen. Die Vibes sind halt besser dort. Von richtiger Arbeit verstehen wir nichts. OK, Boomer.

Wir Jungen sind zudem narzisstische Schneeflöckchen. Unser empfindliches Selbstbewusstsein bricht schneller in sich zusammen als der Touchscreen eines Smartphones beim Aufprall aus mehr als Hüfthöhe. Zusammengebastelt haben wir es uns aus Insta-Likes von Spiegelselfies und bedeutungsschwangeren Bildern, die uns vermittelt haben, dass wir einzigartig sind. #Selflove. OK, Boomer.

Meme-gerechte Mundtotmacher

Wir Jungen müssen vor allem eines: Uns viel Mist von den Älteren anhören. Doch damit ist jetzt Schluss. Die digitale Generation schlägt zurück – mit Meme-gerechten Mundtotmachern.

Angefangen hat es auf der Video-Plattform Tik-Tok, als User mit dem Spruch «OK, Boomer» auf die Videos eines alten Mannes reagierten, der über Millenials herzog. Bald war der Spruch auf Reddit zu lesen und von dort aus verbreitete er sich wie ein Lauffeuer.

«OK, Boomer» – das Boomer bezieht sich auf die in der Nachkriegszeit geborenen Babyboomer – ist zu einer unzählig wiederholten Antwort der Generation Y und Z auf Anfeindungen älterer Menschen geworden. Eine Art Massenappell von Millionen Jungen, die die Schnauze voll haben. Es wird unter peinlichen Youtube-Videos und Donald-Trump-Tweets gepostet, oder von 25-jährigen Jungpolitikern gebraucht, um sich nicht dazwischenrufen zu lassen.

Ja, richtig, selbst in der Politik ist das neue Bonmot der Digital Natives angekommen. Chlöe Swarbrick, 25-jährige Politikerin der Grünen in Neuseeland, wurde während ihrer Rede von einem Zwischenruf unterbrochen. Diesen quittierte sie mit einem nonchalanten «OK, Boomer» und erregte damit weltweites Aufsehen.

Wer ist hier das Schneeflöckchen?

Nun sollte man meinen, die Baby-Boomer, die sich gerne als hartgesottene Arbeitstiere, als strebsame Konformisten sehen, sollten es verkraften, wenn sich die Jugend mit zwei Wörtern gegen das Dauerrattern des Generationenbashing-Maschinengewehrs wehrt. Schliesslich können sie ja noch Scherze verkraften.

Doch weit gefehlt. User auf Reddit melden, dass Facebook «OK, Boomer»-Kommentare gelöscht hat. Reihenweise (ältere) Journalisten beklagen, dass man mit den beiden Wörtern eine ganze Generation diskriminiert.

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Bild: reddit

Der US-amerikanische Radiomoderator Bob Lonsberry meinte in einem mittlerweile gelöschten Tweet sogar, das «Boomer» das N-Wort der Altersdiskriminierung sei. Auf solche Abstrusitäten kann man nur mit einem Meme antworten:

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Bild: reddit

Die älteren Generationen sollten sich also besser daran gewöhnen, ab sofort in bester Meme-manier die Kappe gewaschen zu bekommen, wenn sie wiedermal behaupten, dass die Jungen heutzutage nicht mehr überlebensfähig seien. Trotzdem sollte die Verwendung von «OK, Boomer» nicht überstrapaziert werden. Gräben schliesst man damit nämlich keine. Und in Zeiten riesiger globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel würden wir gut daran tun, uns zu vertragen.

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