Schweiz
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epa08726592 A health worker wearing protective equipment takes swabs for coronavirus tests at the 'Casa della Salute' of the ASL Roma 1 health facilities in the Labaro district, in Rome, Italy, 07 October 2020. Several regions, such as Lazio, the regional around Rome, and Campania, had already made facemasks obligatory outside after an upswing in coronavirus cases in recent weeks.  EPA/GIUSEPPE LAMI

Testen, testen, testen! In Bern hat diese Woche das Drive-In-Testzentrum seinen Betrieb wieder aufgenommen. symbolBild: keystone

Interview

«Das ist ein Warnschuss»: So schätzt Epidemiologe Tanner die Corona-Lage ein

Die Corona-Fallzahlen haben am Mittwoch die 1000er-Grenze durchbrochen. Covid-Taskforce-Mitglied Marcel Tanner erklärt, warum die Situation trotzdem nicht ausser Kontrolle ist und was die Menschen nun unbedingt tun sollten.



Er ist oberster Repräsentant der Schweizer Wissenschaft und Mitglied der Covid-Taskforce. Der Basler Epidemiologe Marcel Tanner (67) äussert sich besorgt über die aktuelle Corona-Entwicklung. Und sieht dennoch Lichtblicke.

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Herr Tanner, mit zuletzt über 1000 Fällen schiessen die Corona-Infektionen steil nach oben. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?
Die Situation ist sicher beunruhigend. Wir hatten zuletzt zwei Wochen eine relativ stabile Situation, nun stellen wir einen massiven Anstieg der Zahlen fest. Es ist aber nicht so, dass die Lage ausser Kontrolle geraten ist. Wir können die Infektionsketten noch nachverfolgen. Das Contact-Tracing ist zwar stark belastet, funktioniert aber. Zudem sind die Infektionszahlen nicht in der ganzen Schweiz gleich hoch. So können sich Kantone bei Engpässen aushelfen.

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Epidemiologe Marcel Tanner. Bild: sda

Viele Leute stecken sich an privaten Anlässen oder in der Familie an. In Berlin etwa dürfen sich darum neu nur noch fünf Personen gleichzeitig treffen. Braucht es auch bei uns wieder eine stärkere Beschränkung der sozialen Kontakte wie im Lockdown?
Die starke Zunahme der Fallzahlen sollte für alle Leute ein Warnschuss sein. Wir alle müssen uns wieder «am Riemen reissen» und auch im privaten Kreis die Corona-Grundregeln wie Abstand halten, Hände waschen et cetera strikt befolgen. Während und nach dem Lockdown haben die Leute dies eindeutig besser gehandhabt als zuletzt. Die Disziplin hat deutlich nachgelassen. Ich appelliere an alle Menschen, die Verantwortung für die Gemeinschaft stets und jetzt besonders wahrzunehmen. Flächendeckende strikte Massnahmen wie Kontaktbeschränkungen halte ich im Moment aber nicht für vordringlich.

Die Zahl der Hospitalisationen ist nach wie vor eher tief, weil sich vor allem jüngere Personen anstecken. Also alles halb so schlimm?
Das kann man sicher nicht sagen. Man muss die Zahl der Hospitalisationen immer gut im Auge behalten – und den Leuten wieder klarmachen, um was es geht: Das Gesundheitssystem funktionsfähig halten zu können. Darauf gilt es den Finger zu halten.

Inmitten der steigenden Zahlen sind am Wochenende erstmals wieder tausende Fans an Fussball- und Eishockeyspiele geströmt. In Bern drängten sich hunderte Leute vor Eingängen. Sollte man man bei den Grossevents wieder die Schraube anziehen?
Die Vereine müssen die Schutzkonzepte strikt durchziehen und womöglich können sie diese noch verbessern. In Basel hat dies gut geklappt, wie ich selbst beobachten konnte. Natürlich müssen die Clubs nach dem ersten Spiel nochmals über die Bücher. Aber es ist nicht so, dass man Grossevents jetzt wieder verbieten sollte. Die Menschen brauchen einen Ausblick. Etwas, auf das sie sich freuen können. Zusammen schaffen wir das.

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