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Interview

Oli Baroni – wie ist es eigentlich so als Rockstar (mit einer neuen Platte)?

Die Band unseres Food-Experten Oliver Baroni feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Und endlich dürfen wir wieder einmal ein Inzest-Interview führen.



Wir haben wahnsinnig kreative Menschen hier bei watson. Simone Meier schreibt zum Beispiel Bücher. Philipp Löpfe auch. Und Food-Experte Oliver Baroni tüddelt in seiner Band Hillbilly Moon Explosion am Kontrabass rum. Und das ist nicht irgend eine kleine Garagen-Band. In den nächsten zwei Wochen tourt Hillbilly Moon Explosion durch die USA.

Selbstverständlich unterstützen wir die ausserredaktionellen Bemühungen unserer Redaktorinnen und Redaktoren mit Gratis-PR: Hausintern nennen wir das dann «Inzestinterview». Und ein solches führen wir nun mit Oliver Baroni.

The Hillbilly Moon Explosion – «Call Me»

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Video: YouTube/THE-FREED TV

The HME – «My Love For Evermore» (ft. Sparky)

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(Nur 16 Millionen Views). Video: YouTube/Renaud S

Also, Food-Baroni. Machen wir ein Inzest-Interview. Bevor du dein PR-Sätzchen loswerden kannst, musst du aber ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.
Oliver Baroni: Also gut. Aber mir ist das schon ein bisschen peinlich. Ich bin ja eher der englische als der amerikanische Musiker.

Was ist der Unterschied?
Der Unterschied zwischen einem englischen und einem amerikanischen Musiker ist, dass der Ami wirklich glaubt, jeder im Publikum liebe ihn. Der Brite befürchtet es.

Aber als Musiker will man doch geliebt werden?
Jein. Das Konzept des Performens funktioniert in meinen Augen nur, wenn die Show ins Zentrum rückt. Versucht der Künstler hingegen zu sehr, grösser als die Show zu sein, merkt das Publikum das. Das kommt nicht gut an.

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Eieiei. Da sind wir jetzt aber schnell ins Philosophische abgedriftet. Dabei will ich doch nur ein paar lustige Anekdoten. 20 Jahre gibt es eure Rock'n'Roll-Band schon. Ungefähr 1000 Konzerte habt ihr gespielt. Da ist sicher was zum Erzählen zusammengekommen.
Lass mich mal überlegen ...

Irgendwas Peinliches?
Am peinlichsten war wohl eine Kollaboration mit einer französischen Schauspielerin. Sie ging die Produktion der CD wie eine Rolle in einem Film an. Die zwei Auftritte mit ihr waren ... fast schon Fremdschämen. Das Projekt ging komplett in die Hose.

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HME in Paris. bild: HME

Sehr technisch – gab es in den 20 Jahren keinen Slapstickevent? Dass du von der Bühne fielst? Oder Magen-Darm-Beschwerden mitten im Song?
Doch, doch. Natürlich gab es das. Bei einem Biker-Festival riss mir auf der Bühne die Hose mitten im Schritt hinauf bis zum A**** – und ich trug keine Unterhosen. Ich flüchtete hinter den Verstärker und klebte alles notfallmässig mit Gaffa-Tape zusammen.

Ich stelle mir das nicht sehr angenehm vor: Gaffa-Tape im Schritt.
Ich konnte einigermassen vermeiden, dass da mehr als nur die Hose zusammengeklebt wurde. Zuhause musste ich die Konstruktion aber mit einer Schere aufschneiden. Es waren alte Broki-Hosen. Kann ja mal passieren.

Ich glaube, wir kommen langsam in Fahrt. Sonstige Geschichten?
Einmal beim Aufstellen: Ich sah noch, wie unser Gitarrist den Verstärker auf die Bühne schleppte, und 15 Sekunden später prügelte er sich bereits mit irgendeinem Typen. Eine richtige Keilerei. Zehn Minuten später spielten wir unser Set. Wir sind halt eine sehr professionelle Rock'n'Roll-Band.

Sonstige Rock'n'Roll-Band-Storys?
Da gibt es schon welche, aber ich möchte nicht alles erzählen.

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Würden sie uns mehr erzählen? Baronis Band-Kollegen bei einem Auftritt in England. bild: hme

Aaaaah. C'mon. Bisschen am Rock'n'Roll-Image feilen ...
Unter dem Label Rock'n'Roll stellen sich die Leute eigenartige Dinge vor. Wir hatten einmal eine extrem schlecht organisierte Tournee. Gewisse Exponenten in der Entourage entschuldigten das damit, das sei halt eben «Rock'n'Roll». Ich finde, Rock'n'Roll ist vor allem eines: eine gute Show performen. Alles andere sind einfach Storys für Journis wie dich (lacht).

Das interessiert halt. Jeder wollte irgendwann einmal Fussballer oder Rockstar werden. Auch – vor allem – wegen dem wilden Lifestyle ...
... aber auch bei George Best ging es zuerst einmal um den Fussball und um seine Leistung auf dem Platz. Der Rest war nur Beigemüse.

Aber das Beigemüse machte aus einem guten Fussballer eine Legende.
Es ist ja nicht meine erste Band. Bei der ersten Band lebten wird das Rock'n'Roll-Image noch mehr. Wie es halt so ist, als junger Mann – da benimmt man sich gerne etwas dümmer.

Aber es ist auch eine Frage des Alters – und in der Schweiz Rockstar spielen ist sowieso ein bisschen eigenartig. Als Kulturschaffender lebt man hierzulande in einer geschützten Werkstatt: Die Infrastruktur ist super, die Distanzen sind kurz, die Leute gut organisiert. Wer da den wilden Rockstar mimt ... bisschen peinlich.

Aber jetzt geht ihr in die USA touren. Das tönt ja schon sehr aufregend.
Ja. Wir touren jetzt erstmal zwei Wochen durch die USA ...

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HME-Fans in Agen. bild: HME

... zum zweiten Mal, oder?
Ja genau.

Wo?
Westküste, von Oakland bis Las Vegas ...

... Las Vegas?
Dort treten wir beim «Viva Las Vegas»-Festival auf. Da waren wir bisher noch nie. Aber man sagte uns, dass etwa 20'000 Zuschauer erwartet werden.

Wäre das eure Rekordkulisse?
Ich habe mal bei der Stop-FA-18-Demo auf dem knallvollen Bundesplatz gespielt. Das waren auch sehr viele Leute. Vermutlich keine 20'000. Aber ich freue mich richtig auf die USA-Tour. Ich mag die Leute da. Vor allem das Latino-Publikum. Man muss dazu wissen, dass in Südkalifornien die Rock'n'Roll-Szene klar von den Mexikanern dominiert wird. In Long Beach oder Fullerton besteht das Publikum zu 95% aus Latinos. Die kommen mit ihren Hot Rods und den Low Ridern. Schon sehr cool.

Und dann tourt ihr da mit einem enormen Bus und einer riesigen Entourage? Wie muss man sich das vorstellen? Nein. Das ist alles sehr bescheiden. Unser Fahrer ist auch unser Merchandise-Typ – und unser Security, ein pensionierter Ex-Soldat, dem es sonst langweilig ist und der sein Leben lang ein Punk-Fan war.

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Fan-Tattoo in Madrid. bild: HME

hillbilly moon explosion tourbus spanien https://www.facebook.com/hillbillymoonexplosion

Tourbus in Spanien. Bild: facebook/hillbillymoon

Security? Da gibt es sicher weitere Anekdoten zu erzählen?
Es gab schon die eine oder andere brenzlige Situation. Wir sind zwar nicht die härteste Band der Welt, aber einige Songs heizen ein, und das kann gefährlich werden. In Paris schlug eine Frau den Kopf am Bühnenrand an, wurde kurz ohnmächtig und sackte zusammen. Die verschwand schnurstracks unter den Leuten. Als Band auf der Bühne bekommst du das mit. Im Publikum merken das aber nur gerade die drei umstehenden Menschen. Zwei Reihen weiter hinten drängeln und schieben die Leute einfach weiter. Wir haben dann sofort aufgehört, bis die Frau herausgezogen werden konnte. Die Hälfte des Publikums wusste nicht einmal, weshalb die Show unterbrochen wurde.

Und du hast mir mal von einem Vorfall in Moskau erzählt.
Ja. Dort begannen drei Idioten beim letzten Song «Sieg Heil» zu schreien. Wir liessen sie gleich rauswerfen. Nach dem Konzert kamen diverse Leute auf uns zu, die sich dafür bedankten. Offenbar wird das dort viel zu wenig gemacht. Aber ohnehin ist es ja mehr als doof, als Nazi Rock'n'Roll hören zu wollen – schwarze Musik, die von Juden geschrieben wurde.

Wieso bist du eigentlich nie Vollzeitmusiker geworden?
Um von der Musik zu leben, musst du jeden Gig annehmen. Auch vom Jassverein Hinterbümpliz. Die zahlen dann nett Gage, aber das Ganze ist eine saumässige Büez. Als Teilzeitmusiker kann ich die Vorteile beider Welten geniessen, und du glaubst mir nicht, wie sehr ich mich nach einer Tournee wieder auf die Arbeit hier im Büro freue. Viele meiner Musikerkollegen aus dem Ausland beneiden mich dafür. Es ist auch eine Frage des Alters. Dick Dale musste nur schon wegen der Arztrechnungen weiter touren. Das ist doch tragisch.

Dann freuen wir uns also, wenn du in zwei Wochen wieder zurückkommst.
Hoffentlich. Denn am 27. April ...

... genau, jetzt kannst du es loswerden ...
... ist die Plattentaufe und das 20-Jahre-Jubiläum von Hillbilly Moon Explosion im Club Escherwyss.

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Geschickt platzierte Werbung. bild: HME

Wann beginnt die Sause?
21.00 Uhr.

Gibt es noch Tickets?
Ja, gibt es natürlich noch. Keine Ahnung aber, wo man die kriegt. Starticket.ch glaub?

Eine neue Platte gibt es auch noch?
Ja: «The Sparky Sessions» heisst sie, und die gibt es bereits ab dem 29. März in den Läden und auf Spotify und und und.

Und ich hätte noch eine Bitte: dass du ein Food-Special mit deinen Erfahrungen aus Amerika mit nach Hause bringst.
Hoffentlich. Ich will endlich mal eine Taco-Rezept-Story machen. Was man hier kriegt, ist ja eine Frechheit.

Apropos Frechheit: Auch der Autor dieses Interviews hat in seiner Freizeit was erschaffen. Ein wahnsinnig schwieriges Smartphone-Game. Man kann es hier für Android downloaden. Hehehe.

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