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Er verdient am meisten mit Spotify in der Schweiz: EDX. bild: youtube/sirup music

So viel verdienen Schweizer Musiker auf Spotify: Ein Genre sahnt so richtig ab



Besonders hart trafen die Corona-Massnahmen Schweizer Künstlerinnen und Künstler. Überlebenswichtige Auftritte wurden kurzfristig gestrichen – da kommen Einnahmen mit Streamingdiensten umso gelegener.

Aber verdienen Schweizer Kunstschaffende wirklich Geld mit Spotify? Jein, lautet die Antwort. Während wenige ordentliche Einnahmen generieren, muss sich die Mehrheit mit einem kleinen Zustupf abfinden.

epaselect epa08575327 Two festival goers talk about the separation of the two visitor areas during the soundcheck of the Swiss band Hot Like Sushi, at the 'Swiss Mountain Roadshow', during the coronavirus disease (COVID-19) outbreak, in Steffisburg, Switzerland, 30 July 2020. The Swiss Mountain Roadshow brings the entire infrastructure, including artists, to the event locations. The mobile stage, the bars, the catering are arranged in such a way that the requirements of the federal and cantonal authorities in the fight against the spread of the corona virus can be followed. The audience is in two strictly separated sectors and a maximum of 2

Hot Like Sushi beim Soundcheck. Und auch die zwei Festival-Besucher der Swiss Mountain Roadshow checken was aus. Bild: keystone

Wie werden die Einnahmen berechnet?

Spotify bezahlt für sogenannte «Streams». Ein «Stream» wird verbucht, wenn ein Song für mindestens 30 Sekunden abgespielt wird. Wie viel diese 30 Sekunden wert sind, variiert. Der ausbezahlte Betrag besteht aus drei verschiedenen Arten von Tantiemen, die von Land zu Land unterschiedlich sein können und ziemlich undurchsichtig erscheinen.

Verschiedene Berechnungen der letzten Jahre deuten aber auf einen Durchschnittsbetrag von ca. 3.20 Dollar pro 1000 Streams hin. Diese Angabe deckt sich mit den Recherchen von watson. So generierte zum Beispiel der Schweizer Sänger und Songschreiber Max Apollo (Hören / Sehen) für 1000 Streams Einnahmen von 3.25 Franken (ohne davon was abgeben zu müssen). Ebenfalls ohne Abgaben kam die Cellistin Zoë Keating im September 2019 auf 3.70 Dollar. Etwas mehr verdienen Laurent & Max (Hören / Sehen): 4.50 Franken pro 1000 Streams sind es. 40 Prozent davon nimmt der Vertrieb. Den beiden Kinderliederbarden bleiben 2.70 Franken pro 1000 Streams. Für unsere Rechnung nehmen wir den Richtwert von 4 Franken pro 1000 Streams.

FILE - This May 1, 2019 file photo shows Drake at the Billboard Music Awards in Las Vegas.  Drake is the leading nominee at the 2020 BET Awards, which will celebrate its 20th anniversary later this month. BET announced Monday that Drake is nominated for six honors, including video of the year and best male hip-hop artist. For both best collaboration and the viewer's choice award, Drake is nominated twice thanks to the hits

Er gehört zu den weltweit am meisten gestreamten Künstlern auf Spotify – auch dank eines Schweizers (dazu später mehr): Drake. Bild: keystone

Das Beispiel Laurent & Max zeigt: Wie viel am Ende der Künstler kriegt, hängt nicht nur von der Anzahl Streams ab, sondern von den Verträgen der Künstler mit den Labels und Publishern – aber auch von den Verträgen der Labels mit Spotify. Universal, Sony und Warner mit direkten Deals mit dem Streamingdienst heimsen laut Recherchen von «Music Business Worldwide» 52 Prozent ein. Unsere Umfrage bei Künstlern brachte Zahlen von 30 bis 50 Prozent zutage. Von den acht von watson kontaktierten Labels wollte sich keines konkret zu Einnahmen mit Spotify äussern. Wir rechnen deshalb mit den branchenüblichen 50 Prozent.

Am Wichtigsten für den Verdienst bleibt aber die Anzahl «Streams». Diese kann von Spotify-Mitgliedern mit einem «Artist Account» abgerufen werden – auch von anderen Künstlern. Dies machte Sam Steiner, Bassist der Schweizer Mundartband Spiegelbild (Hören / Sehen) kürzlich auf Twitter publik.

Und so haben wir mit Hilfe dieses Spotify-Tools einen Schweizer Künstler nach dem anderen überprüft – und anhand ihrer Streams die Einkünfte während der letzten 30 Tage berechnet. Und hier sind die etwas überraschenden Resultate:

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Rechnung: Anzahl Streams*Anzahl Tage*0.004*0.5 Bild: watson.ch

An der Spitze stehen lauter DJs und Produzenten elektronischer Musik. Sie profitieren zum Teil stark davon, dass sie in Spotify-nativen Listen auftauchen. Der Grammy-nominierte EDX, unsere Nummer eins auf der Liste, taucht zum Beispiel in der Liste «Pop-Remix» mit über 3,2 Millionen Followern auf. Oder in «Dance Hits» (3 Millionen). Am meisten gehört wird EDX in Amsterdam, Mexico City, Sydney, Los Angeles und Chicago. So kommt er auf durchschnittlich fast 400'000 Streams pro Tag – alleine auf Spotify. Angenommen, dass er die Hälfte der Einnahmen ans Label abgibt, bringt ihm das trotzdem komfortable 23'280 Franken pro Monat. Übrigens:

Wer nun verwundert mit den Achseln zuckt, weil ihm der Name EDX nichts sagt, dem sei gesagt: EDX ist auch der Künstler mit dem meistgestreamten Hit in unserer Liste. Sein Remix von «Show Me Love» von Sam Feldt wurde über 157 Millionen Mal gestreamt. Jaaa! Das ist von einem Schweizer!

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EDX: Kann sich zurücklehnen. Seit drei Jahrzehnten macht er Musik. Und sahnt damit auf Spotify ab. bild: YouTube/EDX

In einer ähnlichen Liga wie EDX spielen Nora en Pure und DJ Antoine. Allein «Welcome To St. Tropez» mit über 70 Millionen Streams hat Antoine nach unseren Berechnungen 140'000 Franken auf der Streamingplattform eingespielt. Ebenfalls über 100'000 Franken müsste er mit «Ma Cherie» (58 Millionen Streams) verdient haben. Sein Label Kontor wollte die Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren.

Nora en Pure taucht ebenfalls in äusserst namhaften Listen auf. Unter anderem in «Deep House Relax» (2 Millionen Follower), «Happy Beats» (1,3 Millionen) und «Lounge - Soft House» (1,5 Millionen). Ihr «Come With Me» wurde bisher fast 50 Millionen Mal gestreamt. Zum Vergleich: Der Schweizer Überhit «079» von Lo und Leduc kommt bisher auf weniger als die Hälfte (20 Millionen).

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Nora en Pure – hier am Tomorrowland in Belgien 2018. bild: Youtube/tomorrowland

Der etwas überraschende Platz von Mike Candys lässt sich mit seinen Listenverbindungen erklären. Er taucht neben anderen auch in diversen Spotify-nativen Listen auf, zum Beispiel in «Party Deluxe» (850'000 Follower), «Main Stage» (1,5 Millionen Follower) und auch «Dance Party» (4,2 Millionen Follower). Das schenkt ein. Mike Candys ist vor allem in Deutschland beliebt.

Als erster NICHT-Elektro-Musiker schafft der Zürcher Singer- Songwriter Faber mit 8'700 Franken in den letzten 30 Tagen ebenfalls ein ordentliches Sümmchen. Auch sein Label ging nicht auf unsere Anfrage ein. Streams holt er vor allem in Berlin und Hamburg.

ZUR VEROEFFENTLICHUNG DES ALBUMS

Steht nicht im Regen und kalte Füsse braucht er auch nicht zu bekommen: Faber. Bild: KEYSTONE

Für viele dürfte die Band Fäaschtbänkler eine Überraschung sein. Aber Hochdeutsch ist wieder in Mode. Vor allem holt man so Streams ausserhalb der Schweiz. Die Fäaschtbänkler werden vor allem in Wien, München, Stuttgart, Zürich und Hamburg gehört.

Ebenfalls ziemlich erfolgreich auf Spotify – erfolgreicher als nationale Grössen wie Göla oder Züri West – sind Eluveitie und Zeal & Ardor. Beide Genrebands verfügen über eine internationale Strahlkraft. Die meisten Hörer hat Eluveitie in Helsinki, gefolgt von Zürich, Paris, Stockholm und Prag. Zeal & Ardor haben ihre grössten Fanbasen in Chicago, Berlin, Zürich und Warschau.

Swiss musician Sophie Hunger arrives on stage with a beer bottle, during the 36th edition of the Gurten music open air festival in Bern, Switzerland, Friday, July 19, 2019. The open air music festival runs from 17 to 20 July. (KEYSTONE/Peter Klaunzer) .

Sophie Hunger – wird am meisten in Berlin, Istanbul und Paris gehört. Mit etwas mehr als 2200 Franken verdient sie damit aber zu wenig. Bild: KEYSTONE

Eher mager fällt die Ausbeute der rein nationalen Grössen aus. Lo und Leduc erwirtschafteten in den letzten 30 Tagen etwas mehr als 2000 Franken. Immerhin: Als Interpreten und Produzenten sollte der Hit «079» dem Berner Duo mit 20 Millionen Streams seit Erscheinen auf Spotify etwa 40'000 Franken eingebracht haben. Gölä muss mit seinen 1000 Franken noch etwas mehr büezen.

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Raucht Shisha und produziert Welthits: Der Schweizer Produzent OZ (links). bild: Youtube/Hiphop.de

Mangels Überprüfbarkeit tauchen sowohl Rapperin Loredana wie auch der Ostschweizer Beat-Produzent OZ nicht in dieser Liste auf. Mit 27 Millionen Streams in 30 Tagen macht Loredana über doppelt so viele Streams wie EDX. Es ist allerdings anzunehmen, dass sie pro Stream weniger einnimmt. Wieso das? Viele Ihrer Songs sind Kollaborationen mit anderen erfolgreichen Musikern (Juju, Mozzik, Capital Bra). Die Beute Die Beträge werden entsprechend aufgeteilt. Loredana dürfte aber zu den Schweizer Musikern gehören, die mit Spotify sehr gutes Geld verdienen.

Der Fall des Produzenten OZ ist ähnlich gestrickt. Beatproduzenten arbeiten in der Regel nach einem Punkte- oder Leasingsystem, das normalerweise nicht kommuniziert wird. Je nach Stellenwert des Produzenten – OZ ist weltweit einer der angesehensten Produzenten – können sie so bis zu 5 Prozent der Tantiemen eines Songs für sich beanspruchen. Fünf Prozent tönt nach nicht viel. Aber OZ hat zum Beispiel «Toosie Slide» von Drake produziert (450 Millionen Streams), «Sicko Mode» (1,16 Milliarden Streams) und «Highest in the Room» (644 Millionen Streams) von Travis Scott.

Aktuellere von OZ produzierte Hits sind «Popstar» und «Greece» mit DJ Khaled feat. Drake (48 Millionen und 36,5 Millionen Streams bis jetzt). Man braucht kein Prophet zu sein: OZ würde die Liste anführen.

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Video: watson

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