Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa08297485 Mannequins dressed with face masks are displayed in the window of a wedding dress salon in Zagreb, Croatia, 16 March 2020. According to reports on 16 March 2020, Croatia has 49 confirmed cases of COVID-19 caused by coronavirus.  EPA/ANTONIO BAT

Brautkleider mit aktuellem Accessoire: Schutzmasken aus Tüll und Spitze machen auf die Pandemie aufmerksam. Bild: EPA

Heiraten hinter Plexiglas: Das Ja-Wort in der Corona-Krise

In den kommenden Wochen wollten viele Paare den Bund fürs Leben schliessen. Doch wie soll das während der Coronavirus-Pandemie gehen? Hier Antworten auf die wichtigsten juristischen Fragen.



Ab Ende Mai beginnt für die Hochzeits-Branche die Umsatzstärkste Zeit. Diese ist nun wegen der Coronavirus-Pandemie aber in Gefahr. Viele Brautpaare sind verunsichert und wissen nicht, ob sie ihre Heirat verschieben sollen oder nicht. Übrig bleiben nicht zu letzt auch einige rechtliche Fragen.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Es sollte der schönste Tag des Lebens werden: Der Termin in der Kirche oder im Standesamt steht fest, die Location ist reserviert, das Kleid beim italienischen Designer bestellt und die Blumenbuketts schon ausgesucht. Nun haben aber die Massnahmen des Bundes zur Eindämmung des Coronavirus in der Schweiz diese Hochzeitspläne zumindest vorerst auf Eis gelegt. Magier, Band und Fotograf sind jetzt auf Stand-by.

Auch die standesamtliche Trauung ist derzeit nicht ganz so einfach: In der Stadt Zürich etwa ist sie derzeit nur im Stadthaus möglich. In den auswärtigen Lokalen finden bis mindestens Ende April keine Trauungen statt. Im Stadthaus dürfen zudem bloss die Trauzeugen anwesend sein, und im Trauzimmer wurde eine Plexiglasscheibe installiert.

Antworten auf rechtliche Fragen

Wenn alle Vorbereitungen für das grosse Fest bereits getroffen sind, dieses aber ausfallen muss - muss das Brautpaar dann für die Kosten aufkommen? Man müsse dabei zwischen zwei Kategorien unterscheiden, sagt Florian Roth von Walder Wyss AG Rechtsanwälte.

Nicht zu bezahlende Leistungen

Zum einen gibt es Leistungen, die wegen der verordneten Schliessung oder wegen des Veranstaltungsverbots nicht erbracht werden können:

In diesem Fall würden sowohl Dienstleistende als auch Konsumierende von ihren jeweiligen Pflichten befreit, wegen «Unmöglichkeit der Vertragserfüllung». Das Restaurant kann und muss keinen Raum und kein Essen zur Verfügung stellen, das Brautpaar muss aber auch nicht bezahlen.

Zu bezahlende Leistungen

Trotzdem bezahlt werden muss bei Leistungen, die bereits vor der Hochzeit erbracht wurden oder noch erbracht werden können, auch wenn sie dem Konsumenten –in der jetzigen Situation – keinen Nutzen bringen:

Der Anwalt geht aber davon aus, dass die Dienstleister in der Regel kurzfristige Stornierungen oder die Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt anbieten. Denn sie hätten ja «ein wirtschaftliches Interesse an einer kundengerechten Dienstleistung».

Wenn eine Hochzeit wegen dem Veranstaltungsverbot nicht stattfinden kann, muss der Konsument die für die Hochzeit gemieteten Lokalitäten laut Obligationenrecht grundsätzlich zwar nicht bezahlen, in der Praxis sollte man sich aber, wenn immer möglich, auf einvernehmliche Lösungen einigen, sagt Florian Schmidt-Gabain von Nobel & Hug Rechtsanwälte.

Wegen der Einmaligkeit und Aussergewöhnlichkeit der Coronavirus-Situation sei nicht ganz ausgeschlossen, dass ein Teil der Miete oder Honorare trotzdem geschuldet ist: «Die Überlegung dahinter ist, dass es Treu und Glauben widersprechen würde, müssten die negativen Folgen grossflächiger und langandauernder Krisen wie der Coronavirus-Krise nur durch eine Vertragsseite getragen werden», sagt Schmidt-Gabain.

Weniger Aufträge für 2021

Die Situation ist nicht nur ein Desaster für heiratswillige Paare, besonders die kleinsten Unternehmen der Hochzeitsbranche trifft die Situation hart. «Umsatzeinbussen machen sich bereits bemerkbar», sagt auch die Hochzeitsplanerin Fabienne Joss aus Wetzikon.

Würde das Veranstaltungsverbot über den 26. April hinaus noch verlängert, würde sich das sicherlich nochmals akzentuieren. «Auch das Fehlen von neuen Aufträgen für die nächste Saison 2021 ist deutlich spürbar und wird auch bei uns Spuren hinterlassen.»

Kunden hätten bei ihr grundsätzlich das Recht, den Vertrag aufzulösen, sagt Joss. «Auch bei der Verschiebung des Hochzeitstages sind wir zurzeit kulant mit der Handhabung.» Wichtig sei, fair und individuell mit den Dienstleistenden über eine Verschiebung zu diskutieren. (adi/awp/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Heiraten bei McDonald's

Eine Hochzeit auf der Grenze zwischen Mexiko und den USA

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in der Schweiz und der internationale Vergleich

Die Corona-Pandemie wütet weiter. Die Neuansteckungen steigen auch in Schweizer Kantonen erneut. Hier findest du alle relevanten Statistiken und die aktuellen Corona-Fallzahlen von Corona-Data und dem BAG zur Schweiz sowie im internationalen Vergleich.

Das Coronavirus hält die Schweiz weiterhin in Atem. Die Zahl der Neuansteckung steigt in den unterschiedlichen Kantonen seit dem August wieder und viele sprechen bereits von einer zweiten Corona-Welle in Europa und in der Schweiz.

Damit du den Überblick über die sich stetig verändernde epidemiologische Lage behältst, zeigen wir dir hier alle relevanten Statistiken zu den Neuansteckungen, Positivitätsrate, Hospitalisierungen und Todesfällen in den Schweizer Kantonen sowie im internationalen …

Artikel lesen
Link zum Artikel