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Franz Fischlin (Mitte) und seine Gäste (v.l.n.r.): Susanne Boos («WoZ»), Christoph Blocher, Jacqueline Badran und Arthur Rutishauser («Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung»). Bild: screenshot srf

«Das huere Altpapier» – Wie sich Blocher und Badran im «Club» über Zeitungen zanken

«Wer investiert noch in den Journalismus?», fragte der «Club» auf SRF. Während SP-Frau Jacqueline Badran das Ende der «vierten Gewalt» befürchtete, zeigte sich Christoph Blocher, seit neustem Besitzer von 25 Regionalzeitungen, bestens gelaunt – und lobte die linke «Wochenzeitung».



Die Zeitungsbranche befindet sich in der Krise: sinkende Auflagen und wegbrechende Werbeeinahmen vermiesen ihr das Geschäft. Wo man hinschaut: Sparmassnahmen, Stellenabbau, Zusammenlegungen von einst eigenständigen Redaktionen.

Letzte Woche wurden Gespräche über einen gemeinsamen Mantelteil von «Basler Zeitung» und «Südostschweiz» publik. Bereits im August gab Tamedia bekannt, dass zukünftig alle ihre 12 Deutschschweizer Bezahl-Titel von einer einzigen Mantel-Redaktion aus beliefert werden. 

In den letzten Wochen zeigte es die äusserst intensiv geführte Diskussion über die «No Billag»-Initiative, über welche am 4. März 2018 abgestimmt wird: Medienthemen interessieren nicht nur Journalisten, sondern beschäftigen auch die Bevölkerung.

Grund genug für den viermal jährlich ausgestrahlten «Medienclub», sich am Dienstagabend mit dem «abgeholzten Blätterwald» zu befassen. Soviel vorneweg: Es wurde eine äusserst lebhafte Diskussion mit unerwarteten Allianzen. 

Eingeladen waren zwei Journalisten und zwei Politiker. Die schreibende Zunft vertraten Susanne Boos, Redaktionsleiterin der linken «Wochenzeitung» (WoZ), und Arthur Rutishauser, derzeit Chefredaktor von «Tagesanzeiger» und «SonntagsZeitung», ab 1. Januar 2018 dann Chefredaktor der Tamedia-Mantelredaktion.

Aus der Politik waren SP-Nationalrätin Jacqueline Badran und SVP-Übervater Christoph Blocher zu Gast, der mit der «Basler Zeitung» und seinem jüngsten Zukauf, 25 regionalen Gratis-Wochenzeitungen der Zehnder-Gruppe, auch zum Medienunternehmer avanciert ist.

«Das sagen wir nicht», waren Blochers erste Worte, als er von Moderator Franz Fischlin nach dem Kaufpreis der Zehnder-Blätter gefragt wurde. Er schwieg wie gewohnt konsequent zu konkreten Geschäftszahlen seiner Zeitungs-Investments. Ansonsten war der Herrliberger äusserst gut aufgelegt und stellte sich als Investor dar, der Zeitungstitel in Not vor den Händen der grossen Verlagshäuser rettet und so zur Medienvielfalt beiträgt.

Blocher war sichtlich angetan von seiner Sitznachbarin Susanne Boos von der «WoZ». Er gratulierte ihr zu den schwarzen Zahlen, die das linke Blatt schreibt: «Das ist wirklich eine Leistung».

Auf der menschlichen Ebene schienen sich Boos und der Herrliberger gut zu verstehen. Sie gestand ein, dass Blochers Kauf der Regionalzeitungen schlau gewesen sei. Immer wieder mal brachte Blocher Boos mit seinen Sprüchen zum Lachen – etwa als er auf die Wichtigkeit seiner Gratis-Anzeiger für den Blutwurst-Verkauf eines Dorfmetzgers hinwies.

«Nächsten Dienstag habe ich Blutwürste»

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Medienpolitisch verliefen die Gräben hingegen anders und je nach Frage unterschiedlich. Blocher und Tamedia-Mann Rutishauser vertraten den Standpunkt, Zeitungen müssten als eigenständige Geschäftseinheiten Gewinn erzielen. Die Konzentration auf wenige, dafür schlagkräftige Mantelredaktionen sei ein legitime Antwort der Verlage auf die wegbrechenden Gewinne.

WoZ-Frau Boos und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran sahen das anders. Die grossen Verlagshäuser sparten den Journalismus kaputt, weil sie mit den Gewinnen der verlagseigenen, Online-Kleinanzeigen-Portale (für Wohnungen, Jobs, Autos) nicht wie früher, beim vordigitalen Anzeigegeschäft, die Redaktionen finanzierten.

«Die Verlage finanzieren den Journalismus nicht mehr»

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Der Verlust der Medienvielfalt sei schädlich. Gerade in regionalen Märkten gebe es Monopole einzelner Verlagshäuser, bemerkte Boos. In einem föderalistischen Land wie der Schweiz könne nicht alles «von Zürich aus bespielt werden». Hier stimmte ihr Blocher zu.

Auf der anderen Tischseite war es zwischenmenschlich weniger harmonisch: Jacqueline Badran und «Tagi»-Chefredaktor Rutishauser schenkten sich nichts. Badran rief dazu auf, den Journalismus nicht als Geschäft wie jedes andere zu sehen: Als vierte Gewalt hätten Medien eine staatspolitische Bedeutung.

«Wenn ich Geld hätte, würde ich auch in Medien investieren»

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Um diese Aufgabe wahrzunehmen, entgegnete Rutishauser, brauchten Redaktionen eine gewisse Grösse und dafür wiederum eine genügend grosse Leserschaft. Das Mantelredaktions-Konzept der Tamedia stelle das sicher. Einem Leser in Bern sei es egal, wenn ein Leser in Zürich den gleichen Artikel vorgesetzt bekomme: «Damit rammen wir die Medienvielfalt nicht in den Boden».

«Für eine anständige Zeitung braucht es eine gewisse Grösse»

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Hier schaltete sich WoZ-Leiterin Boos engagiert ein. Die neue Mantelredaktion werde zwangsläufig einen eingemitteten, zahnlosen Journalismus machen, weil sie für eine unglaublich heterogene Leserschaft schreiben müsse.

«Die Tamedia-Mantelredaktion wird mit einer Schere im Kopf unterwegs sein»

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Diese Befürchtung gebar einen seltenen Moment der Übereinstimmung zwischen Badran und Blocher. Laut Badran mache sich die Politik parteiübergreifend Sorgen über die Gefährdung der Pressevielfalt. Blocher brachte es prägnant auf den Punkt: «Die Leute haben es nicht gern, wenn in allen Zeitungen das selbe steht».

«Es jammern nicht nur die Linken»

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Es war denn auch Christoph Blocher, der  nach etwas mehr als der Hälfte der Sendezeit die entscheidende Frage stellte: «Sind Zeitungen vorbei?» Wenn er junge Leute frage, ob sie Zeitung lesen, verneinten diese. Die Frage sei, ob «das Internet» eine Zeitung ersetzen könne. Blochers Antwort: Nein.

«Die Jungen sagen: Das huere Altpapier»

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Damit war die Schlussphase der Sendung eingeleitet, die sich mit möglichen Rezepten gegen die Krise befasste. Zu reden gab die Frage, ob es irgend eine Form von öffentlicher Unterstützung braucht. Tamedia-Journalist Rutishauser sprach sich gegen solche «Subventionen» aus, da sie zu einer Abhängigkeit und der Gefahr der politischen Beeinflussung führen könnten.

Allerdings schloss auch Rutishauser nicht aus, dass Medienhäuser in Zukunft auf öffentliche Unterstützung angewiesen sein könnten: «Aber eigentlich ist es zu gefährlich.» Mit einem Seitenhieb gegen die SRG wies er darauf hin, dass SRG-Präsident Jean-Michel Cina das gleiche Parteibuch hat wie Medienministerin Doris Leuthard (CVP).

«Staatsunabhängige Medien, die Subventionen erhalten gibt es nicht»

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Christoph Blocher gab bekannt, dass er definitiv ein Ja zur Initiative einlegen werde. «Es stinkt dir doch einfach, Christoph, dass du keine Kontrolle über die SRG hast», warf ihm Jacqueline Badran daraufhin vor. «Nein», entgegnete der Milliardär, «ich stimme Ja, weil man mir jedes Jahr 400 Stutz wegnimmt, obwohl ich keinen Fernsehen haben will.»

«Wir haben das staatsfernste öffentliche Medium»

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Die Fortsetzung dieser Diskussion folgt am Freitag in der «Arena» zur No Billag-Initiative. Wie diese verlaufen ist, gibt es wie immer in der watson-Rezension nachzulesen.

Das komplette SRG-Strategiepapier für den Kampf gegen «No Billag»

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