Schweiz
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Zahl der Depakine-Opfer in der Schweiz laut Studie unterschätzt



Die Zahl der Depakine-Opfer in der Schweiz könnte höher als die offiziellen Zahlen sein. Dies geht aus einer im «Swiss Medical Weekly» veröffentlichten Studie hervor, die Forscher aus Basel, Bern und Zürich durchgeführt haben.

Über die Studie berichteten «Le Matin Dimanche» und «SonntagsZeitung». In einem Bericht aus dem Jahr 2019 bestätigte Swissmedic 39 Missbildungen oder geistige Retardierungen, die durch das Antiepileptikum Depakine zwischen 1990 und 2018 verursacht wurden. Der letzte gemeldete Fall stammt aus dem Jahr 2014.

Es gebe wahrscheinlich viel mehr Depakine-Opfer in der Schweiz, betonte Alice Panchaud, Apothekerin aus dem Kanton Waadt und Mitautorin der aktuellen Studie, in «Le Matin Dimanche».

In der Studie wird darauf hingewiesen, dass selten mehr als 10 Prozent der negativen Auswirkungen eines Medikaments gemeldet werden. Dieses Phänomen sei noch ausgeprägter, wenn die Auswirkungen erst nach längerer Zeit auftreten würden. Die Studie fordert ein besseres Überwachungssystem für solche Fälle und die Einführung einer systematischen Kontrolle.

Zu viele Verschreibungen

Im Studienzeitraum von 2014 bis 2018 war der Einsatz des Wirkstoffes Valproat höher als erwartet. 1.9 von 10'000 Schwangerschaften wurden noch mit Valproat behandelt, und bei 1.3 von 10'000 Schwangerschaften wurde die Behandlung erst beendet, als die Schwangerschaft bestätigt wurde.

Allerdings werde Valproat während der Schwangerschaft viel seltener verschrieben als andere Antiepileptika, hält die Studie fest. Aber in bestimmten Fällen sei es immer noch das einzige Medikament, das Anfälle effektiv kontrollieren könne.

Die Verschreibung von Valproat für Frauen im gebärfähigen Alter sei zwar zurückgegangen, scheine aber höher zu sein als klinisch notwendig, so die Studie. Die Schweiz schneide dabei etwas besser ab als andere europäische Länder.

Angeborene Fehlbildungen

Depakine, das erste Antiepileptikum auf der Basis von Valproinsäure (oder Valproate), ist in der Schweiz seit 1972 zugelassen. Zwischen 1990 und September 2018 wurden in der Schweiz laut dem Swissmedic-Bericht von 2019 mehr als 800 Meldungen über verschiedene unerwünschte Wirkungen im Zusammenhang mit Valproate registriert. Meist enthielten diese Meldungen indes mehrere Medikamente.

Das Risiko von valproatebedingten Fehlbildungen ist seit Ende der 1970er Jahre bekannt. Erst Anfang der 2000er Jahre kam der Verdacht auf Entwicklungsstörungen auf. 2006 wurden in der Schweiz und anderen Ländern entsprechende Warnhinweise in den Arzneimittelinformationen eingeführt. Seit März 2015 warnt Swissmedic vor dem Risiko von Fehlbildungen beim Fötus während der Schwangerschaft. (sda)

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