DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

An vielen Supermarktkassen locken Bonbons, Schokoladenriegel und Kaugummi. Bild: Sandra Ardizzone

Süssigkeiten an der Kasse verbieten? Jetzt schaltet sich der Bund ein

Zu süss, zu salzig, zu fettig: Der Bund plant eine neue Empfehlung an die Adresse der Grossverteiler: Sie sollen Supermarktkassen von ungesunden Produkten säubern.

Kari Kälin / ch media



Äpfel anstatt Gummibärchen. Tomätchen anstatt Schokoladenriegel. Mineralwasser anstatt Süssgetränke: Die Westschweizer Konsumentenschutzorganisation FRC möchte, dass Grossverteiler an den Supermarktkassen keine Süssigkeiten mehr präsentieren – um übermässigen Verzehr von ungesunden Lebensmitteln nicht anzukurbeln. Laurence Fehlmann Rielle goss das Anliegen in einen Vorstoss und forderte ein Verbot für Süssigkeiten in Kassennähe.

Die Genfer SP-Nationalrätin betont den präventiven Charakter ihres Vorgehens. 42 Prozent der Schweizer Bevölkerung seien übergewichtig oder fettleibig, gibt die Genfer SP-Nationalrätin zu bedenken. Kinder müssten von klein an davor bewahrt werden. Dafür sei eine ausgewogene Ernährung wichtig. Die Gesundheitspolitikerin will auch Erwachsene den kalorienhaltigen Verführungen schützen. Sie verweist aber auch auf spezifisches pädagogisches Problem: Kinder bestürmen ihre Eltern in der «Quengelzone» an der Kasse manchmal so lange, bis sie einknicken.

Auch der Bundesrat ist nicht glücklich über die Schleckwaren in Kassennähe. Verbieten will er das zwar nicht. Aber einer Empfehlung, insbesondere für Grossverteiler, ihre Kassenumgebung mit gesunden Produkten auszustatten, steht er positiv gegenüber. Dies schrieb er letzte Woche in der Antwort auf den Vorstoss von Laurence Fehlmann Rielle. Was bedeutet das genau?

Massnahmen basieren auf Freiwilligkeit

Im Rahmen der Ernährungsstrategie 2017 bis 2024 erarbeitet das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) derzeit ein Konzept, um das an Kindern gerichtete Marketing von zu süssen, zu salzigen und zu fettigen Produkten einzudämmen. Im Fokus stehen Werbebeschränkungen in Printmedien, Radio und Fernsehen und sozialen Medien. Bis Ende Jahr soll das Konzept vorliegen. Eine Massnahme davon könnte die Empfehlung sein, in Supermärkten in Kassennähe gesunde Produkte anzubieten.

Klar ist: Der Bund wird die Lebensmittelwirtschaft und die Grossverteiler nicht dazu zwingen können, das Marketing an Kindern – dazu gehört auch die Präsentation Süssigkeiten im Kassenbereich – einzuschränken. Die Massnahmen basieren gleich wie die Reduktion von Zucker in Milchprodukten und Frühstücksflocken auf Freiwilligkeit.

Volg-Sprecherin: Eltern handeln eigenverantwortlich

Die Detailhändler beschreiten beim Süssigkeitenmanagement unterschiedliche Strategien. In grösseren Migros-Filialen, sagt eine Sprecherin, stünden Familienkassen zur Verfügung, die frei von Süssigkeiten seien. An den Self-Scanning-Kassen stellt sich das Problem ohnehin nicht. Coop schreibt: «Sofern es die Platzverhältnisse zulassen, setzen wir in unseren Megastores, wenn immer möglich, auf Familienkassen.»

«Süssigkeiten in Kassennähe anzubieten, entspricht in unseren Dorfläden einem Kundenbedürfnis», sagt eine Volg-Sprecherin. In den meisten der rund 600 Volg-Dorfläden gebe es nur eine Kasse. Für eine «alternative» Kasse habe es keinen Platz. In der Regel kämen Kleinkinder in Begleitung ihrer Eltern in die Dorfläden. «Wie unsere Erfahrung zeigt, handhaben sie die Frage, was ihre Kinder konsumieren dürfen, gerne eigenverantwortlich.»

Eine Art Pionierrolle spielt Lidl. Der Discounter bietet in seinen Läden schon seit Jahren alternative Kassen an. Jeweils an der Hauptkasse mit dem grössten Kundendurchlauf würden gesunde Alternativen wie Nüsse, getrocknete Früchte oder Mineralwasser angeboten. Lidl steht einer Empfehlung des Bundes für süssigkeitenfreie Kassen positiv gegenüber.

In der US-Stadt Berkeley gilt ein Verbot

Andernorts sind die Behörden bereits präventiv gegen sogenannte Impulskäufe eingeschritten. In der Stadt Berkeley im US-Bundesstaat Kalifornien befinden sich seit März im Kassenbereich keine Schleckereien mehr. In Grossbritannien plant Premierminister Boris Johnson angesichts grassierenden Übergewichts bei Jung und Alt, die Kassenzone von ungesunden Snacks zu befreien und sie stattdessen in weniger gut sichtbaren Regalen zu verstecken. Ein entsprechendes Gesetz soll 2022 in Kraft treten.

Für Barbara Pfenniger, verantwortlich für den Bereich Ernährung bei der Westschweizer Konsumentenschutzorganisation FRC, zeigen diese Beispiele: Ist der politische Willen vorhanden, lassen sich klare Regeln installieren. In der Schweiz scheine ihr das derzeit aber unrealistisch. Was die FRC nicht vom Ruf nach aus ihrer Sicht vernünftigen Einschränkungen abhält. Sie verlangt, dass Süssigkeiten wenigstens nicht in Griffweite und auf Augenhöhe von Kindern platziert werden. Pfenniger berichtet von verärgerten Eltern, die notgedrungen ein Schokoladenei berappen mussten, weil sich ihr Nachwuchs an der Kasse vom Kinderwagen aus ein Exemplar schnappte und es kurzerhand vertilgte. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Frühstücksflocken – damals und heute

1 / 16
Frühstücksflocken – damals und heute
quelle: wikicommons / wikicommons
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Die Schweiz ist dem globalen Zuckerkrieg nicht voraus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wechsel im Kampf um die Nummer 1: Neu ist Coop der grösste Detailhändler im Land

Lange machte sich der Einkaufstourismus in den Büchern der Supermärkte und Warenhäuser bemerkbar. Doch die Corona-Pandemie hat für Rekordumsätze gesorgt - und für einen neuen Platzhirsch.

Es waren andere Zeiten. Zeiten, in denen der Einkaufstourismus und ausländische Onlinefirmen wie Zalando noch nicht Mainstream waren. Bis 2010 stiegen denn auch die Umsätze der hiesigen Detailhändler, von Migros, über Coop und Manor bis hin zu Ikea, stetig an auf 96.2 Milliarden Franken. An Branchenanlässen frohlockten die Firmenvertreter bereits über das baldige Erreichen der 100-Milliarden-Grenze.

Doch es kam anders. Der Franken-Schock führte zu einem starken Abfluss der Shopping-Umsätze ins …

Artikel lesen
Link zum Artikel