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Mehr Zeit mit dem Papa:  Der Detailhandelskonzern Manor gewährt frischgebackenen Vätern neu drei Wochen Vaterschaftsurlaub. (Symbolbild)

Der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub hat gute Chancen. Bild: KEYSTONE

Zwei oder Vier Wochen Vaterschaftsurlaub? Darüber diskutiert heute der Nationalrat



Heute Mittwoch debattiert der Nationalrat über die Initiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub sowie über einen Gegenvorschlag, der zwei Wochen fordert. Je länger das Thema diskutiert wird, desto mehr alternative Ideen tauchen auf.

Der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub hat in der grossen Kammer gute Erfolgschancen. Ihre vorberatende Bildungskommission hat dem Vorschlag zugestimmt. Väter sollen innerhalb von sechs Monaten ab Geburt des Kindes zwei Wochen bezahlten Urlaub nehmen können.

Der Urlaub würde wie der Mutterschaftsurlaub über das Erwerbsersatzgesetz finanziert. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 224 Millionen Franken pro Jahr.

Gegenvorschlag mit guten Chancen

Der Ständerat hatte dieser Gesetzesänderung in der Sommersession zugestimmt. Die Nationalratskommission folgte ihm mit 15 zu 10 Stimmen. Eine Minderheit möchte nicht auf die Vorlage eintreten.

In einem Mitbericht von Anfang Juli hatte sich auch die nationalrätliche Finanzkommission für den indirekten Gegenentwurf ausgesprochen. Ihrer Meinung nach handelt es sich um einen sinnvollen Kompromiss, der auch aus finanzieller Sicht vertretbar ist. Die Kosten seien im Vergleich zum Nutzen gering.

Initianten gehen in die Offensive

Die Initiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub - zum Nutzen der ganzen Familie», welche vier Wochen Vaterschaftsurlaub fordert, lehnte die Kommission mit 13 zu 10 Stimmen bei einer Enthaltung ab. Die Kosten eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs werden auf rund 420 Millionen Franken pro Jahr geschätzt.

Das Initiativkomitee will sich nicht mit den vorgeschlagenen zwei Wochen begnügen. Am Dienstag, ein Tag vor der Debatte im Nationalrat, legten die Initianten eine neue repräsentative Umfrage vor - wohl auch, um Druck auf die Parlamentarier zu machen. Gemäss dieser wünscht eine Mehrheit von fast 85 Prozent einen bezahlten Vaterschaftsurlaub, und 76 Prozent davon sagen Ja oder eher Ja zur Volksinitiative, die auf dem Tisch liegt.

Elternzeitmodelle auf dem Tapet

Die Debatte im Nationalrat dürfte mehrere Stunden dauern. Zu reden geben werden auch alternative Modelle wie ein Elternurlaub, also eine Auszeit für Eltern mit Jobgarantie. Dieses Konzept ist in der nationalrätlichen Kommission zwar mit 16 zu 9 Stimmen durchgefallen. Mehrere Minderheiten wollen ein solches jedoch dem Nationalrat vorlegen.

Verlangt werden je 14 Wochen für die Mutter und den anderen Elternteil, ein Elternurlaub von 38 Wochen oder ein Elternurlaub von 52 Wochen. Teilweise sind entsprechende Vorstösse bereits eingereicht, teilweise sind solche geplant.

Kosten dürften zu reden geben

Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) lieferte auf Anfrage der CH-Media-Zeitungen Angaben zu den Kosten der vorgeschlagenen Modelle. Die Zahlen liegen auch der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor.

Demnach brächte eine 38-wöchige Elternzeit jährliche Zusatzkosten von 2.3 bis 2.7 Milliarden Franken mit sich - je nachdem, wie sich die Mütter und Väter die Elternzeit aufteilen. Bei einer Finanzierung über die Erwerbsersatzordnung müsste der Lohnbeitrag von heute 0.45 Prozent auf bis zu 1.13 Prozent angehoben werden. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • tito 11.09.2019 18:29
    Highlight Highlight Die genannten "Zusatzkosten" entsprechen in etwa der Steuer, die Glencore und Transocean zahlen müssten, wenn sie gleich wie wir alle besteuert würden.
    So einfach ist das.
  • Rethinking 11.09.2019 12:57
    Highlight Highlight Das Ergebnis von zusätzlichem Urlaub (egal für wen) wird folgendes sein:

    1. Wer sich seinen persönlichen/privaten Wunsch/Traum erfüllt ein Kind zu haben bekommt ein bis zweimal im Leben zusätzlich Urlaub

    2. Die Unternehmen erhalten Erwerbsersatz vom Bund, werden jedoch keine zusätzlichen Ressourcen einstellen

    3. Die Arbeitskollegen kompensieren künftig weitere Urlaubswochen Arbeit der frisch gebacken Väter und Mütter

    4. Wer keine Kinder haben kann oder will ist guckt erneut in die Röhre.

    Wir hangen einem veralteten Weltbild nach
    • tito 11.09.2019 18:32
      Highlight Highlight Jetzt sei doch nicht so neidisch.
  • Spako 11.09.2019 10:49
    Highlight Highlight Ich war so froh als ich nach 2 Tagen wieder zur Arbeit fahren konnte 😊
    • who cares? 11.09.2019 16:41
      Highlight Highlight Mutter von deinem Kind möchte ich nicht sein.
  • Score 11.09.2019 10:00
    Highlight Highlight Wie wärs mit "beim ersten Kind zwei, beim jedem weiteren vier"? Jeder der mehr als ein Kind hat weiss, dass man in der Regel beim zweiten Kind von der Frau viel mehr gebraucht wird als beim ersten da man sich nicht mehr voll nach dem Baby richten kann...

    Ein zweifacher Vater
  • 3.14159265359 aka Pi 11.09.2019 08:11
    Highlight Highlight Die Schweiz hinkt in Sachen Vaterschaftsurlaub und externe Kinderbetreuung den meisten anderen europäischen Ländern hinterher und entschieden wird meist aufgrund der finanziellen Mehrkosten. Ich bezweifle, dass dies sozial ein nachhaltiger Kurs ist.
  • Schluch 11.09.2019 07:58
    Highlight Highlight vaterschafsurlaub könnte als wk-tage angerechnet werden. so entstehen keine zusätzlishen kosten und keine zusätzlishen absenzen bei der arbeit.
    • michiOW 11.09.2019 09:09
      Highlight Highlight Also soll Vaterschaft dem Dienst an der Gesellschaft gleichgestellt werden?
      Betroffen wäre dann ja auch Zivilschutz und Zivildienst.
    • who cares? 11.09.2019 09:27
      Highlight Highlight @michiOW macht für mich absolut Sinn. Wenn ich höre, was meine Freunde im WK/Zivilschutz jeweils machen (viel rumsitzen, sich eine Erkältung holen) ist es wohl nicht so ein Verlust, wenn jemand für ein Jahr fehlt (vielleicht das Jahr, wo er das Kind bekommt und sich vielleicht lieber um das kümmert als 3 Wochen im WK abzusitzen?). Und wie oft bekommt man Kinder im Leben? Zweimal?

      Dann fällt auch das dumme "KMU kann das gar nicht organsieren, die Firma geht gleich ein, wenn einer mal nicht da ist"-Argument zusammen.
    • Schluch 11.09.2019 09:53
      Highlight Highlight ja, michi, warum nöd? betroffen wäre dann ja auch die mutter und das kind.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Freebee 11.09.2019 07:37
    Highlight Highlight Wow, ganze zwei Wochen... Dann prescht die Schweiz ja vom absoluten Schlusslicht der OECD Staaten zum etwas weniger abgehaengten Schlusslicht vor. Da nimlt das Parlament aber all seiben Mut zusammen :-(
    • ChillDaHood 11.09.2019 09:57
      Highlight Highlight Wenn wir die 2 Wochen heute bekommen, dann ist das wenigstens schon mal etwas. Ich hoffe, dass die CVP auch zu 4 Wochen ja sagt.

      Ist mir lieber, als jetzt Nein sagen mit der Vorstellung, dass 38 Wochen Elternurlaub möglich sind, vielleicht 2038 oder nie oder so.
    • tito 11.09.2019 18:30
      Highlight Highlight Das ist nicht zum Scherzen, das ist tragisch. Wo sind die Politiker geblieben, die angeblich sich so sehr um die Familienangelegenheiten kümmern?
  • ClaudiaSBL 11.09.2019 07:32
    Highlight Highlight Schluss mit Vaterschaftsurlaub. Wir sollten es wie die Skandinavier machen: Vernünftige Elternzeit, nur so ist es für beide Elternteile fair.
    • just sayin' (haters will be ignored) 11.09.2019 09:45
      Highlight Highlight ich bin auch der meinung, dass wir hier eine chance verpassen, ein zeitgemässes modell einzuführen.

      heutzutage definieren paare selber, wie sie die kindesbetreuung regeln wollen. da soll ihnen auch die rechtliche grundlage gegeben werden, selber zu entscheiden wer, wieviel elternzeit nimmt.

      es ist nicht mehr 1960
    • ChillDaHood 11.09.2019 10:00
      Highlight Highlight Je länger ich darüber nachdenke, desto eher bin ich für eine 14 Wochen und 4 Wochen fix Lösung plus starker Förderung von 50-70% Stellen für Mamis/Papis, bei denen beide Elternteile einer Erwerbsarbeit nachgehen.
  • wilhelmsson 11.09.2019 06:46
    Highlight Highlight Zu teuer? Klingt nach viel, aber: "Der Bundeshaushalt schloss 2018 mit einem Überschuss von 3,0 Milliarden Franken ab." Dazu kommt der gesellschaftliche Nutzen.
    • tito 11.09.2019 18:35
      Highlight Highlight Geld ist da. Für die UBS konnten vor 10 Jahren über ein Wochenende 60 Milliarden bereitgestellt werden.

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