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Niemand will dort arbeiten – jetzt muss die reformierte Kirche ihre Lehrstellen streichen

Bild: KEYSTONE

Die Reformierte Landeskirche Zürich muss ihre Lehrstellen streichen. Seit vielen Jahren gab es Probleme bei der Stellenbesetzung. Zuletzt liessen sich für den Job gar keine Lehrlinge mehr finden.



Während vieler Jahre war es möglich, bei der Reformierten Landeskirche Zürich eine kaufmännische Lehre zu absolvieren. Die Ausbildung umfasste, wie jede andere kaufmännische Lehre auch, das Erlernen von administrativen Tätigkeiten, betriebswirtschaftlichen Prozessen oder Sachbearbeitungsaufgaben. Eine Mitgliedschaft in der Kirche war für den Job nicht Voraussetzung. 

Nun aber mussten die gesamtkirchlichen Dienste der Reformierten Zürcher Landeskirche ihre Lehrstellen streichen. Dies, weil sich keine Bewerber mehr finden liessen. Laut Nicolas Mori, Sprecher der Reformierten Kirchen, war es 2014 das letzte Mal, dass die Kirche einen Lehrling einstellen konnte. Inzwischen habe diese nun die Lehre abgeschlossen. Einen Nachfolger habe man nicht mehr gefunden. «Offenbar ist es für Junge einfach nicht attraktiv, bei der Kirche zu arbeiten», sagt Mori.

In früheren Jahren hat es laut Mori bis zu vier Lehrlinge gleichzeitig in der Ausbildung gehabt. Dass man sich vor fünfzehn Jahren dafür entschieden hat, in der Landeskirche Lehrstellen zu schaffen, sei eine Reaktion auf den damaligen Lehrstellenmangel gewesen. «Ich kann mich noch gut an den Entscheid erinnern», sagt Mori. «Wir sagten uns, dass auch wir handeln müssen. Schliesslich haben wir als Kirche eine hohe Verantwortung.»

Von Beginn weg waren die kaufmännischen Lehrstellen bei der Landeskirche allerdings bei den Jugendlichen nicht besonders begehrt. «In der Regel trafen die Bewerbungen erst bei uns ein, nachdem die Lehrstellensuchenden bereits zahlreiche Absagen erhalten hatten», sagt Mori. So sei darum das schulische Niveau der Bewerbenden für ein erfolgreiches Bestehen der Lehre oft kritisch gewesen und entsprechend hätten sie Mühe gehabt, im Anschluss an die Lehre eine Stelle zu finden.

Dabei sei eine Ausbildung bei der reformierten Kirche durchaus attraktiv gewesen. «Sie gab Einblicke in die verschiedene Bereiche der Verwaltung, war darum spannend und abwechslungsreich», sagt Nicolas Mori. 

Zuletzt habe man einsehen müssen, dass es keinen Sinn mehr mache, etwas anzubieten, nach dem nicht gefragt wurde. Denn die Entwicklungen im kaufmännischen Sektor – die Konkurrenz durch die Berufsmatura, die Auslagerung in Billiglohnländer, die Digitalisierung – seien derart rasant, dass das Lehrstellenangebot in diesem Bereich nicht mehr marktgerecht sei, so Mori. Auch das gesamtschweizerische Überangebot von Lehrstellen habe das KV bei der reformierten Kirche obsolet gemacht. 

Neben Problemen bei der Lehrlingssuche hat die reformierte Kirche auch mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen. 1970 bekannte sich noch jede zweite Person in der Schweiz zur reformierten Kirche. 1990 waren es noch 40 Prozent, 2000 noch rund 34 Prozent und 2014 waren es 25 Prozent. Dass die Streichung der Lehrstellen aufgrund einer Kosteneinsparung wegen Mitgliederschwund erfolgt, negiert Mori jedoch.

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