DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Sie bleiben draussen: Viele junge Paare geben sich das Jawort nicht mehr in der Kirche. bild: shutterstock

Schweizer Pfarrer knöpfen sich unverheiratete Paare vor – weil der Papst es so will

Das Bistum Sitten bezeichnet unverheiratete Paare oder solche, die geschieden sind als «verletzte Paare». Sie will das Bistum nun zu einer «geregelteren» Form ihrer Partnerschaft bringen. Bischof Jean-Marie Lovey plant einen Tag der offenen Tür – auf Empfehlung des Papstes. 



Am 1. September lädt der Bischof von Sitten Jean-Marie Lovey «verletzte Paare», wie er sie nennt, zu sich ein. Er will unverheiratete Paare, solche die geschieden oder standesamtlich wiederverheiratet sind, dazu anregen, «einen weiteren Schritt in Richtung einer vollendeten und geregelten Form ihrer Partnerschaft zu nehmen». Will heissen: Das Bistum will den Paaren die Ehe schmackhaft machen. 

Der Auftrag kommt direkt aus dem Vatikan: In seinem Lehrschreiben «Amoris Laetitia» (Freude der Liebe) zum Familienbild der katholischen Kirche schlug Papst Franziskus 2016 einen neuen Ton an. Unter anderem schrieb er, Menschen in «irregulären» Situationen müsse die Kirche «mit Geduld und Feingefühl» begleiten. 

«Eingeladen sind Christen, die aufgerufen sind einen weiteren Schritt in Richtung einer vollendeten und ‹geregelten› Form ihrer Partnerschaft zu machen.»

Das Bistum Sitten in seiner Medienmitteilung 

Generalvikar Pierre-Yves Maillard führt aus: «Wir wollen keine Überzeugungsarbeit leisten im Sinne von: ‹Kommen Sie zurück auf den richtigen Weg.› Die Botschaft ist :‹Kommt, der Bischof lädt Sie ein, er möchte Sie treffen und Ihnen zuhören. Es geht um den Dialog.›» Das Angebot stosse auf rege Nachfrage. Seit der Publikation der Einladung am Montag seien bereits 15 Anmeldungen eingegangen, so Maillard. 

Schweizer Einzelfall 

Seelsorge-Angebote, die auch nicht verheirateten Paaren offen stehen, sind auch in anderen Kantonen verbreitet. Doch das geplante Treffen im Bistum Sitten ist eine Premiere. Mehrere Pfarreien in der Deutschschweiz teilen auf Anfrage mit, man organisiere keine solche spezifischen Begegnungen. 

Urban Schwegler, Kommunikationsverantwortlicher der Katholischen Kirche Stadt Luzern, führt aus: «Wir setzen andere Schwerpunkte. Ausserdem verstehen wir uns als offene Kirche, die bei den Menschen ist, unabhängig davon, ob jemand in einer regulären oder irregulären Beziehung lebt. Die Qualität der Beziehung ist entscheidender als der kirchenrechtliche Status.» Das spreche jedoch nicht gegen Kurse für Paare, fügt Schwegler an. 

Generalvikar Maillard erstaunt, dass «Amoris Laetitia» nicht mehr Beachtung geschenkt wird: «Es handelt sich um eine Weisung des Papstes, die auch die Schweizer Bischofskonferenz in einem Communiqué bereits Ende 2017 befürwortete.» In Frankreich hätten bereits zahlreiche solche Treffen stattgefunden. 

In 20 Jahren 60 Prozent weniger Eheschliessungen 

Der «Offenheit» des Bistums Sitten liegt möglicherweise auch die Abnahme der religiösen Ehen zugrunde. Die Kirchen verlieren immer mehr ihre «ehemals selbstverständliche Rolle bei der Eheschliessung», wie das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) in einer Statistik feststellt. 

Vor 20 Jahren wurden noch rund 60 Prozent mehr Eheschliessungen verzeichnet. 2015 wurden in der Schweiz 3845 Paare katholisch getraut. Im Jahr zuvor waren es noch 4085 Trauungen gewesen. In der Diözese von Sion sank die Zahl der katholischen Ehen zwischen 1997 und 2014 um mehr als 40 Prozent. 

Kirchen müssen sich an individuelle Taufen gewöhnen

Video: srf

Papst empfängt 150 Obdachlose in Sixtinischer Kapelle

1 / 12
Papst empfängt 150 Obdachlose in Sixtinischer Kapelle
quelle: ap/l'osservatore romano
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum dieser Bio-Bauer keine Angst vor der Trinkwasser-Initiative hat

Es brodelt in der Bio-Branche. Die Trinkwasser-Initiative spaltet die Gemüter. Der Berner Bio-Bauer ist enttäuscht über die Nein-Parole von Bio Suisse. Bei einem Rundgang über seinen Hof erzählt er von seiner Vision – und erklärt, warum er kein Nutella isst.

Durch die malerische Landschaft des Berner Seelands, vorbei an den typisch rund geschwungenen Dächern der Berner Bauernhäuser, durch die Gemeinde Grossaffoltern führt ein einsamer Weg auf den Hof von Markus Bucher. Er trägt den lieblichen Namen «Farnigasse». Und die Farnigasse gibt Buchers Reich seinen Namen. Das «Farngut» des Bio-Bauern ist umgeben von blühenden Apfelbäumen und frisch bepflanzten Knoblauch-Feldern. Es ist ruhig auf dem Hof. In der Ferne sind einige Feldarbeitende zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel