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Sophie HUnger

Keine Angst vor Hatern: Sophie Hunger sagt allen die Meinung. Bild: Universal

Sophie Hunger twittert: Für Kannibalismus und immer wieder anti Baby (das nervt nur Väter)

Mit ihrem neuen Album «Supermoon» erobert die Schweizer Singer-Songwriterin Sophie Hunger gerade Europa. Aber auch was sie auf Twitter treibt, ist gross.



Die Bibel kennt zehn Gebote, «Fight Club» acht Regeln, eine Entziehungskur vollzieht sich in zwölf Schritten – und Sophie Hunger hat bis heute gut zwanzig «Rules» getwittert. Sie hat nämlich am 6. August nicht mit Nummer eins, sondern gleich mit der elf begonnen. Eins bis zehn tat sie schon vor zwei Jahren im Film «The Rules of Fire» kund. 

Und im Gegensatz zu ihrer musikalischen Düstermärchen-Feenhaftigkeit (mit der sie diesen Sommer in Deutschland in den Top Ten der Singlecharts und in Tschechien die Nummer eins ist) sind Sophies Regeln so kühl und hart wie ein geeistes Samuraischwert. Und genauso schneidend. Eine Radikalismus-Schule in 140 Zeichen, wie man sie sich von Schweizer Kulturschaffenden nur selten gewohnt ist. Wir haben uns ein paar ihrer Regeln angeschaut.

Antibaby

Jawoll. Kinder sind Kinder, Kunst ist Kunst.Verwechslungen sind grundsätzlich ausgeschlossen. Es sei denn, Lady Gaga ruft an und will eine Geburt filmen für ein Musikvideo. Kann ja vorkommen. Man soll bitte auch nie mehr bei Schauspielern sagen, Mutter/Vater zu werden, sei «ihre/seine beste Rolle». Ähm, nein. Es ist keine Rolle. Es ist bloss das ganz normale, banale, langweilige Leben.

No baby

Nichts ist einleuchtender als das. Und nicht nur, weil die Revolution dafür bekannt ist, ihre Kinder zu fressen. Im Nahkampf gibt es keine Wickeltische. Auch wenn Martin Luther King vier, Che Guevara fünf und Karl Marx sechs Kinder hatte. Für die natürlich die diversen Mütter verantwortlich waren. Gegen diesen Tweet haben sich – wen wundert's, uns nicht – ausschliesslich Väter gewehrt. Mit Voten wie «Bullshit!» und «Meine Kinder haben mein Leben auf eine Weise verändert, wie es keine Revolution könnte». Ja, klar. Geht Flaschen wärmen statt zu schmeissen.

Antikapitalismus

Dem muss man nichts mehr hinzufügen.

Antimadonnaismus

Neiiiin! Neiiiiiiiin! Und schon haben wir das Tischgespräch.

Marketingkünstler

Stimmt. Danke. Das. Machen. Nämlich. Eigentlich. Alle. Weil wir schon lange nicht mehr (nur) in der Generation Praktikum, sondern vor allem in der Generation PR leben.

Crybaby

Die Frage «Wie furchtbar war ich eigentlich als Kind?» soll man sich ruhig ab und zu stellen. Und die Blumen darf man auch vorbeibringen.

Essentialismus

Und noch einmal werden werdende Eltern gebasht. Achtung, liebe DNA-Verschlepper: Euer Kind hat keine Verpflichtung, so zu werden wie ihr. Keine. Es hat auch keine Verpflichtung, euch zu lieben. In den meisten Fällen wird es dies allerdings tun.

Kannibalismus

Eine grossartige Regel! Und nach kurzem Nachdenken kommt man zum Schluss, dass man auf jedem Flug über die Wüste einen appetitlichen, gepflegten, aber nicht allzu dünnen Freund dabeihaben sollte, der sich womöglich vegan ernährt, weil ja auch bei Tieren Pflanzenfresser ganz einfach besser schmecken als Allesfresser.

Antitourismus

Nicht nur Til Schweiger, auch Sophie Hunger äussert sich zur Flüchtlingspolitik. Beide meinen das Gleiche, aber im Gegensatz zu ihm ist sie als Songwriterin einer wunderbar poetischen Sprache mächtig.

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