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Hans was Heiri? Oder Roger was Christoph. bild: Keystone/watson

Wir müssen über Roger Köppels Frisur sprechen



Die SVP Schweiz lädt zur Delegiertenversammlung und debattiert über Europa. So weit, so bekannt. Das Rahmenabkommen mit der EU, das am Samstag im aargauischen Wettingen auf der Traktandenliste stand, ist zwar noch nicht spruchreif. Aber wann lässt man bei der SVP schon eine Gelegenheit aus, um gegen Brüssel und den «unterwürfigen» Bundesrat zu wettern?

Ein klarer Fall für Christoph Blocher also, der den Kampf gegen den «Kolonialvertrag» bereits mit Volldampf aufgenommen hat. Doch der Strategiechef der SVP glänzte in der Mehrzweckhalle Tägerhard durch Abwesenheit. An seiner Stelle trat einer ans Mikrophon, bei dessen Anblick man unvermittelt zusammenzuckte. Wer ist das? Blocher junior??

Roger Koeppel (SVP/ZH) aeussert sich zur internationalen Zusammenarbeit 2017-2020 am Donnerstag, 2. Juni 2016 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Roger Köppel während der Sommersession im Juni. Bild: KEYSTONE

Dann machte er den Mund auf, und man vernahm die Stimme von Roger Köppel, Nationalrat, Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche». Und tatsächlich so etwas wie Christoph Blochers Ziehsohn. Oder sogar mehr? Denn da war etwas, das den Betrachter fassungslos machte.

Köppels Haare.

Bislang kannte man ihn als Träger einer welligen bis strubbeligen Frisur. Der Köppel, der am Samstag zur johlenden SVP-Gemeinde sprach, präsentierte sich mit geglätteter Mähne. Und gab damit gewollt oder ungewollt ein Statement ab: Ich bin euer neuer Blocher, auch äusserlich.

Okay, einen Unterschied gibt es: Christoph Blocher trägt den Scheitel links, Köppel rechts. Ein wenig Individualismus darf sein, sonst kommt noch jemand auf die Idee mit der Analogie von Herr und Hund, die sich im Laufe der Jahre immer ähnlicher sehen. Aber die Botschaft war klar: Hier stehe ich, um die von Blocher entzündete Fackel weiterzutragen.

Knallige Metaphern und hämische Worte

Die Zeit dafür ist langsam reif. Christoph Blocher versteht es immer noch, seine Gefolgschaft zu fesseln. Aber er wird nicht jünger, seine öffentlichen Auftritte haben nicht mehr die hypnotische Kraft, mit der er etwa zu Zeiten des EWR-Abstimmungskampfs 1992 prall gefüllte Festzelte in Ekstase versetzen und selbst überzeugte Gegner ins Wanken bringen konnte.

Roger Koeppel spricht an der Delegiertenversammlung der SVP am Samstag, 20. August 2016, in Wettingen. (KEYSTONE/Siggi Bucher)

Roger Köppel am Samstag in Wettingen. Bild: KEYSTONE

Roger Köppel besitzt das Instrumentarium, um in diese gewaltigen Fussstapfen zu treten. Seine mit einer Standing Ovation bejubelte Rede liess keine Wünsche offen. Sie war gespickt mit knalligen Metaphern und hämischen Worten an die Adresse des Aussendepartements und seines Vorstehers Didier Burkhalter. Und der EU, auf die er genüsslich einprügelte, um dann treuherzig zu erklären, es sei «ganz schlechter Stil, einem Krankenwagen Steine hinterher zu werfen».

Schwache Gegner

Das war Blocher-Speak in Reinkultur, ebenso wie die Beteuerung, man wolle mit der EU gut zusammenarbeiten und bilaterale Abkommen «auf Augenhöhe» abschliessen. Wie das gehen soll, wenn die Schweiz gleichzeitig den Rahmenvertrag versenkt, liess Köppel offen. Seine «Gegner» machten es ihm am Samstag aber auch sehr leicht.

Staatssekretär Jacques de Watteville konnte den Habitus des distinguierten Diplomaten nie ablegen. Und SP-Nationalrat Tim Guldimann bot einen Auftritt zum Fremdschämen. Er leierte eine Kopfgeburt herunter in Form einer Parabel über einen Klub, dem ein kleines Land nicht angehören will und bei dem ein Parteipräsident namens Albert «Extrawurst mit Rösti» bestellt. «Aufhören!» rief irgendwann einer im Publikum. Es war unanständig, aber innerlich dachte man «Recht hast du!».

Wenn der Abstimmungskampf über das Rahmenabkommen ähnlich verläuft, werden Blocher und Köppel leichtes Spiel haben. Vollständig wird der Ziehsohn seinen Übervater nicht ersetzen können. Bei aller äusserlichen Angleichung fehlt dem immer noch etwas bubenhaften Köppel das bäuerische Charisma, mit dem Blocher die «einfachen Leute» dazu bringen kann, gegen ihre Interessen zu votieren.

Aber die Weichen sind gestellt. Wer immer noch die Illusion hegt, mit der SVP werde es nach Christoph Blocher abwärts gehen, muss spätestens seit Samstag alle Hoffnung fahren lassen. Es gibt eine Zukunft nach Herrliberg. Die Anhänger der SVP dürfen sich freuen. Für die Gegnerschaft aber sind es wahrhaft haarige Perspektiven.

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