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Alex, Deutscher, arbeitet als Escort in Bern.<br data-editable="remove">
Alex, Deutscher, arbeitet als Escort in Bern.
bild: mannschaft magazin

Alex verkauft seinen Körper als Escort an Männer: «Als ich meine ersten 150 Euro bekam, war ich wie die geborene Nutte»

Alex ist 23 Jahre alt, Deutscher und auf der Durchreise in Bern. Er wohnt in Hannover und beginnt im Sommer eine Ausbildung zum Immobilienmakler. Den Job als Escort macht er nebenbei. Während des Gesprächs gibt er zu, dass er eigentlich schon 25 Jahre alt ist.
16.11.2015, 12:33
greg zwygart / mannschaft magazin
Ein Interview von
Branding Box

Ist ein Escort oft auf der Durchreise?
Ja. Ein guter Escort ist nie lange am selben Ort, denn ein Schwuler will immer etwas Neues, Unverbrauchtes haben.

Wie gefällt dir Bern bis jetzt?
Sehr gut, vor allem zum Arbeiten. Vor vier Jahren war ich mit einigen anderen der einzige Escort und habe mir eine goldene Nase verdient. Da war Bern die beste Stadt in der Schweiz. Dieses Mal hat es aber übelst viele Escorts hier! Das sieht man überall. Das sind meistens Jungs aus Osteuropa, die kein Deutsch sprechen und immer weniger Geld nehmen. Für die ist es immer noch angenehmer, sich hier vergewaltigen zu lassen als zu Hause zu hungern. Das ist ganz gefährlich. Die knallen früher oder später durch und machen unseren Ruf kaputt.

Die Stricher-Interviews
Nicht nur in Zürich schaffen männliche Prostituierte an. Das Mannschaft Magazin hat sich zum Ziel gesetzt, zu zeigen, was in anderen Städten der Schweiz in dieser Hinsicht abläuft. «Nach mehreren Absagen und einer Versetzung» konnte die Redaktion mit drei Escorts reden – einer davon ist Alex aus Bern (siehe Interview).

Die anderen beiden Interviews findest du hier:
>>> Nils aus Wohlen AG: «Ich merke schnell, wenn sie nicht reden wollen»

>>> Daniel aus Luzern: «Das Klischee des armen dummen Strichers ist überholt»

Wird man als Escort in Bern fein ausgeführt? Viele schauen Bern als provinziell an im Vergleich zu Zürich.
Das ist es auch. Ich muss aber sagen, dass man sich in Bern Zeit nimmt für seinen Escort. In Zürich muss alles immer sehr schnell passieren. Hier geht man eher fein essen oder ins Theater.

«Mein erstes Mal war total beschissen. Widerlich. Der Typ war nicht toll und ich kam mir danach ganz benutzt vor. Ich war bestimmt auch eine Stunde duschen, weil ich das Gefühl hatte, dreckig zu sein.»

Wie sieht dein typischer Schweizer Kunde aus?
Durchschnittlich zwischen Mitte Dreissig bis Mitte Vierzig, meistens mit Frau und Kind zuhause.

Wann hast du dich entschieden, Escort zu werden?
Mit 17, das erste Mal gemacht habe ich es mit 18. Mein damaliger bester Freund war Escort und reiste in der Welt herum. Er kam immer mit schicken Markenklamotten zurück und hatte viel Geld in der Tasche.

Wie war dein erstes Erlebnis?
Total beschissen. Widerlich. Der Typ war nicht toll und ich kam mir danach ganz benutzt vor. Ich war bestimmt auch eine Stunde duschen, weil ich das Gefühl hatte, dreckig zu sein.

Wieso hast du weitergemacht?
Eigentlich wollte ich sofort aufhören. Ich war in einem Puff in Hamburg und wollte sofort mein Profil löschen. Die anderen Jungs dort erzählten mir dann von ihren Erlebnissen und schlugen mir vor, es doch noch ein paar Mal auszuprobieren. Aufhören könne man ja immer. Das zweite Mal war auch nicht so toll. Aber das dritte Mal. Uff. Der war 22, total sexy und der Sex war richtig geil. Und als ich dann meine 150 Euro bekam, war ich wie die geborene Nutte. Ich liebe, was ich tue, und mache es nicht, weil ich es machen muss. Es ist mein Hobby. Ich bin auch so sehr sexuell und stehe privat auf reifere Männer, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Mit Jungs in meinem Alter bin ich unterfordert.

Der Durchschnittsfreier ist aber kein 22-jähriger Schönling.
Dass Männer, die einen Escort buchen, über fünfzig und hässlich sind, ist ein Irrglaube. Ganz viele Leute sind ungeoutet, haben eine Freundin und können nicht einfach so an eine Party oder in eine Sauna gehen. Es geht ums Ausleben der Lust und das hat nichts mit dem Alter zu tun.

Kannst du verstehen, wieso ein junger, gutaussehender Typ sich nicht outen will?
Ich kann es verstehen, aber nicht nachvollziehen. Ich stelle es mir ganz schrecklich vor, wenn ich mich verstellen oder verstecken muss. Wenn jemand auf dem Land wohnt und ganz konservative Eltern hat, kann ich es schon verstehen.

Gibt es Regeln, die man als Escort befolgen muss?
Pünktlichkeit, Sauberkeit und Diskretion. Ich kann nicht mit einem Freund durch die Strassen laufen und sagen, das dort ist ein Kunde von mir. Das geht nicht. Ich bin wie ein Arzt. Ich stehe unter Schweigepflicht.

Verweigerst du Freier?
Ich mache nichts mit dicken oder alten Leuten. Ein Alter zu nennen ist schwierig, denn es gibt Leute, die mit 65 sportlich und agil sind. Andere sind im selben Alter der Tod in Person und können sich nicht einmal die Schuhe ausziehen. Wenn ich mein Gegenüber nicht attraktiv finde, merkt er das. Ich biete eine Dienstleistung an, die für meinen Kunden auch befriedigend sein soll. Mein Ziel ist es, dass jeder neue Kunde Stammkunde wird.

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«Ich kann nicht mit einem Freund durch die Strassen laufen und sagen, das dort ist ein Kunde von mir. Das geht nicht. Ich bin wie ein Arzt. Ich stehe unter Schweigepflicht.»

Das ist aber ein Luxus.
Richtig, wenn man den Job nicht hauptberuflich macht. Diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Sonst kommt man schnell in eine Situation, wo man etwas machen muss, weil man das Geld braucht. Dabei wird man ganz schnell unglücklich.

Wie viel kann man hauptberuflich verdienen?
Das ist schwierig. Dafür muss man sich hinter den Laptop setzen und Werbung machen. So kann man bis zu 6000 Euro im Monat verdienen, manchmal sogar bis zu 9000. Im Nebenberuf ist es etwa die Hälfte.

Verdienst du in der Schweiz besser?
Definitiv. In Deutschland verlange ich 120 Euro, in der Schweiz 250 Franken. Das ist fast das Doppelte.

Wissen deine Freunde und deine Familie, dass du als Escort arbeitest?
Alle, da mache ich kein Geheimnis daraus. Ich bin ein selbstbewusster Mensch und ich steh zu all dem, was ich tue. Meine Mutter wusste es von meinem ersten Gedanken an. Leider haben sich auch ein paar Freunde abgewandt. Das sind aber auch keine Freunde. Auf die kann ich verzichten.

Die November-Nummer des «Mannschaft» Magazins

Du machst auch Reisebegleitung. Welches war die weiteste Reisedestination?
Dubai. Bezahlt wurde es von einem Scheich, der mich in Hannover zusammen mit einem Kollegen gebucht hatte. Seine Mutter war zu dieser Zeit in der Herzklinik, die als eine der besten der Welt gilt. Er buchte uns jeden Tag und erzählte uns, dass er ein Scheich aus Dubai sei. Natürlich glaubten wir ihm nicht, bis wir zwei Wochen später zwei First-Class-Tickets nach Dubai im Briefkasten hatten. Dubai war das Krasseste was ich je erlebt habe. Wir wurden vom Flughafen abgeholt, hatten die Präsidentensuite in einem Hotel und bekamen je eine Kreditkarte, die wir gebrauchen konnten. Ich habe mich komplett eingekleidet. Uns begleiteten Tütenträger und ein 24-Stunden-Chauffeur. Doch den Scheich haben wir dort nicht einmal gesehen. Ich denke, er wollte uns einfach etwas Gutes tun.

Das tönt sehr glamourös. Hast du schlechte Erfahrungen gemacht?
Ein paar Mal sind sehr negative Sachen vorgefallen. Einige Kunden wollten mich vergewaltigen, und ich habe auch schon die Polizei gerufen. Negative Seiten gibt es aber in jedem Beruf, doch das Positive sollte immer überwiegen. Ich arbeite auch nicht mehr in Bordellen oder Agenturen, weil ich immer mache, was ich will. Gerade weil ich meinen Körper verkaufe, will ich mir dabei von nichts und niemandem sagen lassen, mit wem ich ins Bett muss.

«Ein Kunde hat mich mit nach Ibiza genommen. Ich musste täglich Trampling machen, das heisst über seinen Oberkörper und sein Gesicht laufen. Das ist sein Fetisch. Schmerzhaft ist es wohl schon, aber das ist ja nicht mein Problem.»

Was bietest du alles an?
Fast alles ausser Dirty oder S/M. Leute aufschneiden und Spiele mit Blut oder Kaviar mache ich gar nicht. Es gibt ja schon crazy Sachen.

Was war das Ausgefallenste, das von dir verlangt wurde?
Ich sollte mit der neunjährigen Tochter eines Kunden schlafen, während er zuschaut. Jetzt im Ernst. Doch. In St.Gallen. Ich habe auch die Polizei gerufen und dorthin geschickt.

Wie gehst du mit solchen Sachen um?
Man muss Distanz nehmen können. Wenn ich zum Kunden gehe, macht es da oben irgendwo klick und ich schalte meinen Kopf aus. Sonst geht das nicht.

Hattest du schon einen Freier, der keinen Sex wollte?
Ja, ein Kunde der mich gerade mit nach Ibiza genommen hat. Ich musste täglich Trampling machen, das heisst über seinen Oberkörper und sein Gesicht laufen. Das ist sein Fetisch. Schmerzhaft ist es wohl schon, aber das ist ja nicht mein Problem.

Hast du einen Freund?
Nein. Ich hatte schon Sugardaddys, mit denen ich zusammengewohnt habe, dabei waren aber nie Gefühle involviert. Im Endeffekt bin ich seit sieben Jahren Single. Beziehungen sind nichts für mich. Da muss ich viel zu viele Kompromisse eingehen, und dafür bin ich zu egoistisch.

Wie lange willst du noch als Escort arbeiten?
Solange es geht. Bestimmt noch zehn oder zwölf Jahre.

Spürst du, dass Leute weniger Geld in der Tasche haben?
Die Krise ist angekommen, definitiv. In Zeiten wie heute spart man bei Luxusgütern. Und ich bin eben ein Luxusgut.

Ein intimer Blick in die Bordellzimmer dieser Welt

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Ein intimer Blick in die Bordellzimmer dieser Welt
quelle: yoshiko kusano / yoshiko kusano
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