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Ein Streit zwischen Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam und dem Leiter der internationalen Vermögensverwaltung Iqbal Khan eskalierte – bei einem Abendessen in Thiams Villa. bild: monatge watson / keystone

Das CS-Drama begann in Thiams Villa – mit viel Alkohol

Seit dem Wochenende jagt eine Meldung die andere: Jetzt soll der Ursprung des Credit Suisse-Eklats bekannt sein. Bei einem Abendessen in der Villa von CS-Chef Tidjane Thiam soll Khan dessen Freundin beleidigt haben.



Die letzte Folge der Thriller-Soap kennen wir bereits: Privatdetektive beschatten Credit-Suisse-Topmanager Iqbal Khan (43), dieser merkt es, es folgt eine Auto-Verfolgungsjagd durch Zürich, Khan stoppt das Detektiv-Auto, fotografiert den Detektiv (gemäss Khan Schlägertyp mit Glatze und Tattoos), diese versuchen nach Khans Angaben ihm das Handy zu entwenden, es kommt zum Gerangel, die Detektive fahren weg, Khan ruft die Polizei, reicht Strafanzeige wegen Nötigung ein. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Was bisher geschah

Nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» war Khan noch bei der Credit Suisse angestellt, bis er Anfang Oktober zur UBS wechselt. Die CS werfe ihrem früheren Konzernleitungsmitglied vor, einige Führungskräfte seines Noch-Arbeitgebers angesprochen zu haben mit dem Ziel, sie zur UBS zu locken. Man habe laut der FAZ «klare Hinweise auf handfeste Abwerbeversuche». Das hat der CS offenbar gereicht, um die Schnüffel-Aktionen zu starten. Man wollte Khan wohl beim Treffen mit CS-Kundenberatern ertappen. Solche Treffen könnten allenfalls gegen die Austrittsvereinbarung verstossen, welche Khan mit CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner Ende Juni ausgehandelt hat.

Zu Gast in der Villa

Der «Tagesanzeiger» zeichnet nun den möglichen Auslöser des Abgangs von Iqbal Khan, bis vor kurzem Leiter der internationalen Vermögensverwaltung der CS, nach.

Die Zürcher Tageszeitung erzählt die Geschichte so: Im Januar 2019 lädt der CS-Chef Tidjane Thiam Khan und seine Frau zu sich in die Rundbau-Villa in Herrliberg ZH ein. Auch andere CS-Mitarbeiter sind bei dem vermeintlich geselligen Abend dabei. Für Khan und seine Frau ist es lediglich einen Katzensprung entfernt, vor einem Monat bezogen sie mit ihrer Familie das Haus direkt hinter Thiam.

Die Runde trinkt – inklusive Gastgeber – ziemlich viel Alkohol. Plötzlich wird es zwischen Khan und Thiam laut. Abseits der Gäste, nur mit ihren Frauen an der Seite, streiten sie sich. Der CS-Chef wirft Khan angeblich vor, dass er seine Freundin beleidigt habe. «Inside Paradeplatz» schreibt gar: «Thiam drohte Khan mit physischer Gewalt.» Khan habe später angegeben, sich an Leib und Leben bedroht gefühlt zu haben, wie der «Tagesanzeiger» berichtet. Bevor es völlig aus dem Ruder lief und handgreiflich wurde, konnte Khans Ehefrau die beiden trennen.

Doch wer jetzt dachte, es gehe wirklich nur um «Macho-beschützt-Frau», täuscht sich. Die Sache liegt tiefer. Es geht um Eifersucht und Verlustangst. Khans Vertraute erzählen, dass Thiam den Erfolg von Khan zunehmend skeptisch verfolgte. Das Banken-Wunderkind, der Kronprinz – für Thiam eine Bedrohung. Dabei sieht der CS-Chef Khan als seinen Ziehsohn. «Ich habe Iqbal erfunden», soll er immer wieder gesagt haben. Überraschend ist es nicht, dass Thiam seine Position bedroht sieht. Denn während er regelmässig in der Kritik stand, fuhr Khans internationale Vermögensverwaltung Milliardengewinne ein. Er mauserte sich zum heissen Top-Kandidat auf dem Banken-Jobmarkt.

Was danach geschah

Zurück zum Vorfall während des Abendessens in der Villa: Khan meldete das Geschehen dem Verwaltungsrat. Der Verwaltungsratspräsident Urs Rohner versuchte zu schlichten und die Situation unter Kontrolle zu behalten. Doch Versöhnung gab es keine, die Beziehung zwischen Thiam und Khan blieb weiter angespannt. Im Arbeitsalltag fielen abfällige Bemerkungen, auf E-Mails wurde verspätet geantwortet.

Anfang Juli dann die öffentliche Nachricht: Iqbal Khan tritt per sofort ab. Zuerst wurde von einer Denkpause gesprochen. Dann im September: Khan wechselt zur UBS – in die gleiche Position. Wie konnte er innerhalb so kurzer Zeit von der CS zur Konkurrenz wechseln? Der CS-Verwaltungsratspräsident Rohner versuchte wohl die Affäre nicht weiter eskalieren zu lassen. Khan musste sich jedoch verpflichten, während drei Monaten keine seiner früheren CS-Kollegen abzuwerben. Und hier wären wir wieder bei der Beschattung, dem vermeintlichen Anfang der Geschichte.

So geht es weiter

Von allen Seiten her schreit es: «Es werden Köpfe rollen!» Die Frage bleibt nur, wessen Köpfe. Bis zum Stellenantritt Khans am 1. Oktober sollte diese Frage geklärt sein. Der «Tagesanzeiger» gibt einen unbezahlbaren Funfact zum Schluss dieses Dramas preis: «Und der Zank geht weiter, denn Thiam hat an der Grenze zum Grundstück Khans zwei grosse Bäume pflanzen lassen, direkt in dessen Aussicht auf den See.»

(jah)

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