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Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewaeltigung und internationale Zusammenarbeit, rechts, spricht neben Eric Scheidegger, Leiter der Direktion fuer Wirtschaftspolitik, Staatssekretariat fuer Wirtschaft SECO, links, und Martin Ackermann, Praesident National COVID-19 Science Task Force, waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, am Dienstag, 15. Dezember 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Die Covid-Taskforce des Bundes präsentiert ihre Erkenntnisse. Bild: keystone

Corona-PK des Bundes verpasst? Das sind die wichtigsten Punkte



Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes hat heute eindringlich vor weiter steigenden Fallzahlen und der Ausbreitung der Pandemie in der Schweiz gewarnt. «Die Tendenz der Corona-Fallzahlen zeigt schweizweit nur in eine Richtung: nach oben», sagte Patrick Mathys vom BAG am Dienstag gleich zu Beginn der Medienkonferenz. Die dringliche Empfehlung der Taskforce: Ein Lockdown wie im März.

Taskforce fordert Lockdown und Homeoffice-Durchsetzung

Video: watson

>> Die wichtigsten Corona-Entwicklungen im Liveticker

Das sind die wichtigsten Aussagen und Warnungen der Covid-Taskforce:

Was ist das Problem?

Es gebe deutliche Hinweise, dass die von Bund und Kantonen gesetzten Ziele nicht erreicht würden, sagte Patrick Mathys vor den Medien.

«Wie müssen ernsthaft damit rechnen, dass die Fallzahlen in nächster Zeit wieder deutlich zunehmen werden.» Schweizweit liege die Reproduktionszahl bei 1,13. «Das heisst eine Verdoppelung der Fallzahlen in unter einem Monat.»

Mathys rechnet mit bis zu 20'000 Neuinfektionen täglich im Januar, sollten keine weiteren Massnahmen getroffen werden.

Welche Regionen sind betroffen?

In sämtlichen Regionen hätten die Corona-Zahlen hohe Plateaus erreicht, die Zunahme sei in allen Regionen sicht- und spürbar. «Eine Trendwende im negativen Sinne hat stattgefunden», sagte Mathys. Er wolle nicht darauf eingehen, ob man von einer dritten Welle sprechen könne.

Wie entwickeln sich die Spital- und Todeszahlen aus?

Mit Verzögerung werde sich der Anstieg der Fallzahlen auf die Hospitalisationen und die Todesfälle auswirken. Um den Druck auf das Gesundheitssystem zu verringern, brauche es nun Massnahmen, die zu einem raschen Rückgang der Fallzahlen führten. «Das Personal ist am Limit. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir uns bereits an den Grenzen des Möglichen befinden.»

Wenn die Schweiz nicht ähnliche Massnahmen wie das Ausland einführe, werde sie sich noch weiter im negativen Sinne von den anderen Ländern absetzen.

Wie viel Platz hat es in den Spitälern noch?

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Die Auslastung der Spitäler Gesamtschweiz. Screenshot: Youtube/BAG

Die Situation in den Spitälern ist gemäss Covid-Taskforce sehr ernst. Zehn Kantone haben derzeit keine freien zertifizierten Intensivbetten. Das sagte Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD).

Es sind dies nach Angaben von Stettbacher die Kantone Zug, Freiburg, Solothurn, Genf , Glarus, Graubünden, Thurgau, Tessin, Waadt und Wallis.

Schweizweit stehen derzeit fast 24'000 Akut- und Intensivbetten zur Verfügung. Von den Akutbetten sind derzeit 16'677 belegt. Auf den Akutstationen liegt der Anteil von Covid-Patienten derzeit 14 Prozent der Patienten mit Covid. Die Reserve bei den Akutstationen beträgt aktuell 25 Prozent.

839 Intensivbetten sind belegt, davon 57 Prozent von Covid-Patienten. Hier beträgt die Reserve laut Stettbacher aktuell 22 Prozent. Reservekapazitäten von rund 20 Prozent bedeuteten eine hohe Auslastung auch für das Personal. Mit der rechtzeitigen Verlegung von Intensivpatienten könne deren Behandlung aber sichergestellt werden. «Wir haben noch Reserven, müssen aber dazu Sorge tragen», so Stettbacher. Es sei wichtig die Infektionszahlen zu senken, damit es nicht zu Überlastungen des Gesundheitssystems komme.

Was braucht es für Massnahmen?

Zur Bekämpfung der Pandemie braucht es nach Ansicht von Martin Ackermann, Präsident der wissenschaftlichen Task Force des Bundes, umfassende schweizweite Massnahmen.

«Der Gedanke an einen Lockdown ist nicht einfach», betonte Ackermann. Aus wissenschaftlicher Sicht wären Massnahmen wie im Frühling mit dem Lockdown je früher je besser.

Dazu gehörten die Schliessung der Restaurants, die Schliessung aller nicht lebensnotwendigen Geschäfte und flächendeckendes Homeoffice.

Auch der Präsenzunterricht in den Schulen soll ausgesetzt und erst dann wieder aufgenommen werden, wenn es die epidemiologische Lage zulässt.

«Das Virus kennt keine Kantonsgrenzen», sagte Ackermann am Dienstag am Point de Presse in Bern. Es sei der Moment um sich solidarisch zu zeigen. Nur wenn der R-Wert unter 0,8 sinke und gehalten werden könne sei eine Besserung in Sicht. Der R-Wert zeige jedoch im Moment nur nach oben.

Die Lage in den Schweizer Spitäler sei bereits sehr ernst. Auch aus wirtschaftlicher Sicht sei es sinnvoll, sofort Massnahmen zu ergreifen, um die Fallzahlen zu senken.

Wie würde sich das auf die Wirtschaft in der Schweiz auswirken?

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat sowohl Negativ- wie Positivszenarien erstellt zur möglichen Erholung der in der Corona-Krise arg gebeutelten Wirtschaft. Demnach könnte die Erholung ab Frühjahr 2021 einsetzen oder aber erst Ende 2022 erreicht sein.

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Die drei Szenarien für die Schweiz.

«Vor der Pandemie gab es in der Schweiz ein moderates Wachstum, dann einen drastischen historischen Einbruch im ersten Quartal», sagte Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik im Seco. Dann habe es eine Erholung im dritten Quartal gegeben. Wie es nun weiter gehe, sei nicht vorhersehbar, das hänge ab von der Entwicklung der Corona-Pandemie, vom Erfolg der Impfungen und der Wirkung der Massnahmen.

In einem Positivszenario werde die Wirtschaft sicher noch bis im Frühjahr 2021 belastet sein. In einem Negativszenario werde sich das Bruttoinlandprodukt erst Ende 2022 wieder erholt haben.

Ein Schnelltest vor der Weihnachtsfeier?

Es sei nicht sinnvoll, sich vor Weihnachten mit einem Schnelltest testen zu lassen, sagte Ackermann auf eine entsprechende Frage: «Ich würde nicht wegen eines Schnelltests mehr Kontakte auf mich nehmen. Man schützt seine Eltern und Grosseltern, wenn man nahe Kontakte vermeidet.»

Mathys betonte: «Schnelltests sind bei symptomatischen Personen sinnvoll. Bei nicht-symptomatischen Personen kann es zu einem falschen negativ-Ergebnis kommen. Ein negativer Schnelltests kann dazu führen, dass man die anderen Regelungen ausser Acht lässt. Höchstens ein Positiver kann etwas bringen. Negativ am morgen heisst noch nicht, dass Sie am Abend nicht doch ansteckend wären.»

(meg/sda)

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