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Nach 12:57 Minuten explodiert der Zürcher Böögg: Ein guter Sommer sollte uns bevorstehen

Nach 12 Minuten und 57 gab es den grossen «Chlapf»: Dem Zürcher Böögg auf der Urner Teufelsbrücke explodierte mit lautem Krachen der Kopf. Damit ist der Winter offiziell vertrieben – und vielleicht ja auch das Coronavirus.



Im Vergleich zu anderen Jahren kam das diesjährige Bööggen-Aus relativ schnell. Der Sommer dürfte also schön werden. 140 Böller waren im Schneemann eingebaut. Entsprechend laut krachte es in der Schöllenenschlucht, als sie alle in die Luft flogen. In seinen letzten Lebensminuten geizte der Böögg nicht mit Spezialeffekten.

Der Dreizack, den er wegen seines teuflischen Standorts hielt, sprühte Funken. Der Bööggen-Bauch klappte zudem auf und zeigte ein ungesundes Innenleben: ein fies grinsendes Corona-Monster, das giftig-grüne Aerosole verströmte.

The ÒBoeoeggÓ burns on the platform over the Devil's Bridge, on Monday, 19 April 2021, in the Schoellenen Gorge near Andermatt, Switzerland. The Sechselaeuten (ringing of the six o'clock bells) is a traditional end of winter festival with the burning of the Boeoegg, a symbolic snowman, at 6 pm. Because of the coronavirus pandemic, the festival takes place without the parade of guilds in historical uniforms and not on the Sechselaeutenplatz square in Zurich but in the Schoellenen Gorge of the guest canton Uri. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Das erste Mal mit grünem Rauch: Der Böögg will nicht nur den Winter, sondern auch das Coronavirus vertreiben. Bild: keystone

The head of the ÒBoeoeggÓ explodes on the platform over the Devil's Bridge, on Monday, 19 April 2021, in the Schoellenen Gorge near Andermatt, Switzerland. The Sechselaeuten (ringing of the six o'clock bells) is a traditional end of winter festival with the burning of the Boeoegg, a symbolic snowman, at 6 pm. Because of the coronavirus pandemic, the festival takes place without the parade of guilds in historical uniforms and not on the Sechselaeutenplatz square in Zurich but in the Schoellenen Gorge of the guest canton Uri. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Dank den starken Winden in der Schöllenenschlucht dauerte es nur 12:57 Minuten, bis der Kopf explodierte. Bild: keystone

Rasch flog das Virus-Monster ebenfalls in die Luft, womit diese Plage hoffentlich nun auch im echten Leben ein Ende findet. Wegen der Pandemie wurde der Böögg erstmals in der langen Geschichte des Frühlingsfestes ausserhalb der Stadt Zürich verbrannt. Zu Ehren des Gastkantons Uri, der wegen der Pandemie nun schon zum zweiten Mal keinen Auftritt erhielt, war der Böögg ins Corona-Exil in die Schöllenenschlucht gereist.

So gab es zwar schon wieder kein Frühlingsfest, aber doch immerhin eine Bööggen-Verbrennung an einem Ort, an dem wegen der steilen Felswände ohnehin keine Zuschauermassen Platz finden. Die Verbrennung wurde von mehreren Fernsehstationen übertragen.

Zugige Schlucht statt Blumensträusse

Damit die historische Teufelsbrücke keinen Schaden nahm, standen Böögg und Scheiterhaufen auf einer Holzkonstruktion. Angezündet wurde der Holzhaufen vom Urner Landammann Urban Camenzind (Die Mitte), der dafür mit einem Klettergurt gesichert wurde.

Aufmerksam beobachtet wurde er dabei von der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) und der Zürcher Regierungspräsidentin Silvia Steiner (Die Mitte). Sie kennen das Sechseläuten sonst als Frühlingsanlass, bei dem Blumen gereicht werden und sich Prominente ein Stelldichein geben. Nun standen die beiden Zürcher Politikerinnen für einmal fröstelnd in der zugigen Schöllenenschlucht.

Das Publikum sah den Böögg in diesem Jahr lediglich aus der Ferne. Seine Verbrennung wurde von mehreren Sendern übertragen. Das sogenannte «Volks-Grillieren» fiel wegen Corona abermals aus. In normalen Jahren halten viele Zürcherinnen und Zürcher nach dem grossen «Chlapf» jeweils ihre Bratwürste über die Bööggen-Glut.

epa09144605 The Boeoegg, a symbolic snowman, is lowered by a large crane onto the platform over the Devil's Bridge, in the Schoellenen Gorge near Andermatt, Switzerland, 19 April 2021. The Sechselaeuten (Ringing of the six o'clock bells) is a traditional end of winter festival, celebrated in Zurich, with the burning of the Boeoegg, a symbolic snowman, at 6 pm. Because of the coronavirus pandemic, the festival takes place without the parade of guilds in historical uniforms and not on the Sechselaeutenplatz square in Zurich but in the Schoellenen Gorge of the guest canton Uri.  EPA/URS FLUEELER

Der Böögg steht in der Schöllenen-Schlucht bereit. Bild: keystone

Als Sommer-Orakel taugt er nichts

Auch wenn der «Böögg» ganz viel Lärm macht: Seine Fähigkeiten als Sommer-Orakel sind gelinde gesagt zweifelhaft. MeteoSchweiz machte eine statistische Untersuchung der Jahre von 1965 bis 2005 und fand heraus, dass es kaum einen Zusammenhang zwischen der Brenndauer des Böögg und der durchschnittlichen Sommertemperatur gab.

Als Sommer-Orakel tauge der Böögg nichts, schrieb der Wetterdienst erleichtert. Doch auch ihm gelingt gelegentlich ein Zufallstreffer. So etwa im legendären Hitze-Sommer 2003, als dem Böögg bereits nach 5 Minuten und 40 Sekunden der Kopf explodierte. Ausser diesem Zufallstreffer lag er aber weit häufiger daneben.

Vielleicht vertreibt er ja das Coronavirus

Wie lange der Böögg jeweils durchhält, hängt eher vom Aufbau des Scheiterhaufens, von der Trockenheit des Holzes, dem Wetter und der Holzart ab. Ausschlaggebend ist aber auch die Menge des Brandbeschleunigers, der jedes Jahr in mehr oder weniger grossen Mengen übers Holz gekippt wird.

Wenn er als Wetterfrosch schon versagt, dann vertreibt der Böögg aber vielleicht ja das Coronavirus. Im Jahr 1890, als der Böögg noch eine dekorierte, kleinere Puppe war, grassierte die Russische Grippe, die weltweit über eine Million Menschen das Leben gekostet hatte.

Mit dem Verbrennen dieser Puppe hofften die Zürcher damals, nicht nur den Winter zu vertreiben. Sie verbrannten damit ausdrücklich auch die «Influenza». (sda)

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Die Böögg-Verbrennung in voller Länge ohne Kommentar

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