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Barcelona's Andres Iniesta (R) challenges Real Madrid's Cristiano Ronaldo during their Spanish first division

Ronaldo und Iniesta: Zwei Männer, die von einer Regeländerung hätten profitieren können. Bild: GUSTAU NACARINO/REUTERS

Weil Iniesta und Ronaldo – und nicht Neymar und Chicharito – die Helden der Woche sind, braucht es im Fussball neue Regeln

In die Statistikbücher wird man diese Woche nur die Namen Neymar Junior und Javier Hernandez eintragen. Dabei gehört der Löwenanteil ihrer Tore ihren Teamkollegen. Es wird Zeit, dies zu ändern.



Dienstagabends kurz vor 21 Uhr: Andrés Iniesta bekommt den Ball tief in der eigenen Hälfte. Der Mittelfeldspieler macht einen schnellen Kreisel und schüttelt Gegenspieler Nr. 1 wie eine lästige Fliege ab. Danach geht Gegenspieler Nr. 2 – wie eigentlich alle Normalsterblichen – davon aus, dass Iniesta nach Aussen zieht. Macht er jedoch nicht. Gegenspieler Nr. 2 abgehängt.

Der Captain nimmt den Schwung gleich mit und lässt mit stupender Leichtigkeit Gegenspieler Nr. 3 stehen. Danach hat der spanische Stratege die Ruhe und Übersicht, einen perfekten Steilpass auf Neymar zu spielen, der nur noch den Torhüter vor sich hat, diesen ohne Probleme umkurvt und locker einschiebt.

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Neymars 1:0 für Barcelona, magistral vorbereitet von Iniesta. Video: YouTube/CTTX Entertainement

Gleiche Situation beim Erzrivalen

Mittwochabends kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit: Cristiano Ronaldo kriegt den Ball an der rechten Aussenlinie. Der Portugiese sprintet gleich drauflos, so dass seine Gegenspieler nicht mehr eingreifen können. Der Aussenverteidiger versucht sich in den Weg zu stellen. 

CR7 gibt den Ball kurz zu James Rodriguez ab, welcher sofort wieder Ronaldo anspielt (inklusive eines hübschen Tunnels des Gegenspielers). Im Höchsttempo rauscht Ronaldo an allen vorbei und legt im Fallen mustergültig für Chicharito auf, der nur noch einzuschieben braucht. Der Mexikaner läuft, übermannt von seinen Emotionen, sofort Richtung Eckfahne und legt sich hin, ohne sich zuerst beim Passgeber gebührend zu bedanken, wie es beispielsweise Neymar bei Iniesta gemacht hatte.

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Video: YouTube/Beanyman

Ex-Arsenal-Topskorer Thierry Henry, bei Sky Sports heuer als Experte tätig, mokierte sich daraufhin über Chicharitos egoistischen Jubel. «Das ist für mich Ronaldos Tor.» Und führt nachher aus: «Es schaut aus, als hätte Chicharito die WM gewonnen.» 

Auch wenn der Franzose inmitten seiner Kritik ein wenig Verständnis für die Situation von Javier Hernandez aufbringt, der endlich einmal von Beginn stürmen durfte und im Spiel lange erfolglos dem für ihn so wichtigen Tor hinterherhechelte, kann Henry den Jubel nicht nachvollziehen.

«Für mich ist es Ronaldos Tor.» 

Thierry Henry

Die Studiokollegen reagieren ihrerseits mit Unverständnis auf Henrys Kritik. Auch die Twitter-Community schlägt in die gleiche Kerbe und gibt der Arsenal-Legende Saures:

Wieso nicht gleich machen wie beim Eishockey?

Im ganzen Trubel geht jedoch die wichtigste Frage vergessen. Wieso hat der Torschütze im Fussball so viel mehr Stellenwert als in anderen (Team-)Sportarten? Dass der Löwenanteil bei Neymar und Chicharitos Toren eigentlich Andrés Iniesta und Cristiano Ronaldo gehört, bestreitet ja wohl niemand. 

Also wieso nicht analog zum Eishockey den Spieler auszeichnen, welcher gesamthaft am meisten Skorerpunkte sammelt, also Tore UND Assists. Hier wird sogar noch der Assistgeber des Assistgebers gezählt! 

Der Teamgedanke wird mit dieser Regelung deutlich mehr gefördert als mit einer Torjägerkanone oder ähnlichen Auszeichnungen. James Rodriguez oder auch Philipp Lahm bei Bayerns Traumtor über ihn, Thomas Müller und Robert Lewandowski hätten so auch Assistpunkte für ihre Vorlagen auf die anschliessenden Passgeber bekommen. Absolut verdientermassen, wie jeder Fussballfan eingestehen muss.

Auch Penaltys müssen unter die Statistik-Lupe

Ebenso sollten die Elfmetertore nicht in die gleiche Statistik aufgenommen werden wie die Treffer aus dem Spiel. Beim Eishockey liegt – abgesehen davon, dass es in der regulären Spielzeit nicht viele Penaltys gibt – die Trefferquote bei maximal 33 Prozent. Beim Fussball ist der Schütze da schon deutlicher bevorteilt. 

So lautet der Topskorer des HSV Rafael van der Vaart. Drei seiner vier Tore erzielte der Holländer vom Elfmeterpunkt. Ist das jetzt wirklich der torgefährlichste Spieler des Teams? Manche werden einwenden, auch die Verantwortung mit dieser schwierigen Situation – sprich Druck – müsse belohnt werden. Doch eventuell (vielleicht auch wahrscheinlich?) hätte auch Johan Djourou dreimal souverän eingenetzt und man könnte ihn jetzt als torgefährlichen Verteidiger besser vermarkten.

07.02.2015; Hamburg; Fussball 1. Bundesliga - Hamburger SV - Hannover 96;  Johan Djourou (Hamburg) (Tay Duc Lam/Witters/freshfocus)

Johan Djourou, Toptorschütze beim HSV? Eigentlich gar nicht so abwegig ... Bild: Tay Duc Lam/freshfocus

Beim Eishockey muss neuerdings beim Penalty der gefoulte Spieler antreten. Diese Regel könnte man bei Foulspiel im Strafraum auch auf den Fussball anwenden. Der gefoulte Spieler soll antreten. Einwände, wonach der gefoulte ein schwacher Elfmeterschütze sei und darum lieber ein anderer Teamkollege vorgeschickt werden soll, müssen abgelehnt werden. Wenn man so nervenschwach aus elf Metern ist, hätte man wohl auch die sich davor bietende Torchance kläglich vergeigt.

Das Handspiel müsste noch separat geregelt werden. Vielleicht darf die bestrafte Mannschaft einen Schützen auswählen. Mehr Diskussionen als die aktuellen Regeln beim Handspiel würde der oben erwähnte (zugegeben gewagte) Vorschlag auch nicht bringen. 

Fazit

Die Aufwertung des Passgebers und Abwertung des Elfmeterschützen in der Statistik des Einzelspielers wäre um einiges ehrlicher und aussagekräftiger. Und selbst mit der neuen Regelung wären beispielsweise Lionel Messi und Cristiano Ronaldo ihren Konkurrenten voraus. Spricht also sowohl für die beiden Ausnahmekönner als auch für eine Änderung der Kriterien.

Soll der Passgeber auf-, der Elfmeterschütze abgewertet werden?

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quelle: x01095 / reuters / juan medina
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