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Sportchefin Florence Schelling lacht waehrend einer Vorsaison-Medienkonferenz des SC Bern, am Montag, 31. August 2020 in der Postfinance Arena, in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SCB-Sportchefin Florence Schelling. Bild: keystone

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Doch noch ein Prestige-Erfolg für Florence Schelling – aber teuer erkauft

Der Pulverdampf verzieht sich, das Hockey-Leben geht in Bern weiter. Der künftige Nationalmannschafts-Verteidiger Mika Henauer verlängert beim SC Bern um mindestens drei Jahre. Aber die erste Erfolgsmeldung für Sportchefin Florence Schelling ist ein teuer erkaufter Prestige-Erfolg.



Spare in der Not, so hast du in der Zeit. Im Eishockey gilt diese alte Volksweisheit andersherum: Transferiere in der Not, dann hast du in der Zeit. Eine Krise ist immer auch eine Chance zum Aufbau eines neuen Teams. Und unsichere Zeiten ermöglichen Vertragsverlängerungen zu günstigen Konditionen. HCD-Sportdirektor Raëto Raffainer macht es in diesen Tagen mit der Verpflichtung der Talente Alex Simic (von den ZSC Lions) und Valentin Nussbaumer (von Biel) vor. Langnau verlängert rechtzeitig günstig mit Torhüter Ivars Punnenovs, Biel mit Verteidiger Janis Moser.

Beim SCB geht es darum, wenigstens die eigenen Talente zu halten. Mika Henauer ist erst 20 und bereits hinter Eric Blum der punktbeste SCB-Verteidiger (10 Spiele/2 Tore/2 Assists) – vor den Grossverdienern Calle Andersson (9 Partien/3 Punkte) und Ramon Untersander (12/3). Allein diese unpolemischen Statistiken zeigen uns: Der SCB kann sich den Abgang von Mika Henauer einfach nicht leisten. Er ist Berner, beim SCB ausgebildet worden und einer der talentiertesten Schweizer Verteidiger überhaupt. Vom Stil und vom Potenzial her kann er die SCB-Antwort auf Raphael Diaz werden.

Berns Mika Henauer freut sich ueber seinen Treffer im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EHC Biel, am Freitag, 23. Oktober 2020, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Mika Henauer ist einer der talentiertesten Schweizer Verteidiger. Bild: keystone

Mika Henauer nach Davos? Mika Henauer zu Servette? Oder gar Mika Henauer zu den Lakers oder gar zu Gottéron? Das darf unter absolut gar keinen Umständen passieren. Er muss bleiben. Coûte que coûte. Die letzte Glaubwürdigkeit der sportlichen Führung nach dem ganzen Trainer-Theater wäre dahin. Die Vertragsverlängerung mit dem klugen jungen Mann (er wird neben seiner Sportkarriere auch ein Studium machen) ist beim SC Bern das wichtigste Transfer-Dossier. Und kein einfaches: Mika Henauer wird vom wohl fähigsten Spieleragenten betreut (sein Name ist uns soeben entfallen).

Die erste SCB-Offerte führte zu keiner Einigung. Der erste Advent schon vorbei und Florence Schelling hat nun halt kräftig auf eine freundliche sechsstellige Summe nachgebessert. Das hat gewirkt. Mika Henauer wird bleiben. Es geht nur noch darum, ob der Vertrag um drei oder vier Jahre verlängert wird (die lange Vertragsdauer macht auch wegen des Studiums Sinn) und es gilt noch, ein paar Bonus-Zahlungen auszuhandeln. Dann kann der tüchtige Kommunikations-Direktor Christian Dick per Medienmitteilung mit der Vertragsverlängerung von Mika Henauer endlich auch wieder einmal eine erfreuliche Neuigkeit verkünden. Dass es ein teuer erkaufter Prestigeerfolg für die sportliche Führung ist, muss er ja nicht erwähnen.

Die Frage ist allerdings, ob es in Bern auch noch für ein paar dringend benötigte Transfers reichen wird. Soeben hat Georges Müller den Klubs seinen «Weihnachtskatalog» zukommen lassen: Die Liste seiner Spieler, die zu haben sind. Darunter gibt es einen sehr interessanten Namen: Nationalstürmer Yannick-Lennart Albrecht (26). Die Zuger haben ihn im Frühjahr 2018 für ein Jahressalär von kräftig über 300'000 Franken in Langnau abgeworben und jetzt läuft der Vertrag aus.

Er hat die sportlichen Erwartungen in Zug durchaus erfüllt, auch in dieser Saison (10 Spiele/6 Punkte) und bleibt doch in der Center-Hierarchie ein Hinterbänkler: In der Regel führt er «nur» die vierte Linie. Sein Pech: Sven Senteler (28) ist zwar nicht ganz so gut. Aber die Vertragsverlängerung des Zürchers, der unbedingt in Zug bleiben will, wird wesentlich weniger kosten. Das ist für Zugs Sportchef Reto Kläy wichtig: Er will ja noch HCD-Stürmer Fabrice Herzog verpflichten, ohne das Budget zu arg zu strapazieren.

Rapperswils Andrew Rowe, links, gegen Zugs Yannick-Lennart Albrecht, im Eishockeyspiel der National League zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem EV Zug, am Freitag, 2. Oktober 2020, in der St. Galler Kantonalbank Arena in Rapperswil-Jona. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Albrechts (r.) Vertrag bei Zug läuft aus und wurde dem SCB angeboten. Bild: keystone

Die zwei logischsten neuen Arbeitgeber für Yannick-Lennart Albrecht wären eigentlich die SCL Tigers (wo er zum Nationalstürmer gereift ist) oder der SC Bern. Langnaus Sportchef Marc Eichmann bestätigt auf Anfrage: «Es stimmt: Georges Müller hat uns Albrecht angeboten. Aber die Lohnvorstellungen liegen gänzlich ausserhalb unserer Möglichkeiten.»

Allerdings ist nicht ganz auszuschliessen, dass diese Vorstellungen bescheidener werden – vor allem dann, wenn sich die vom Portal Zentralplus lancierte Meldung bestätigen sollte, Zug wolle Yannick-Lennart Albrecht aus Kostengründen ausmustern. Dann wird das Pokern um einen neuen Vertrag schwieriger. Zumal bereits zwei mögliche neue Arbeitgeber ausfallen. HCD-Sportdirektor Raëto Raffainer: «Albrecht hat bei uns nicht erste Priorität». Gottéron-General Christian Dubé bemüht sich gar nicht erst um Diplomatie und sagt: «Kein Interesse». Und so dürfte wohl Marc Eichmanns kluge Einschätzung richtig sein: «Geduld haben kann sich in diesen unsicheren Zeiten lohnen …». Aber vielleicht meldet sich ja noch Lausanne oder Lugano bei Georges Müller.

Eigentlich würde Yannick-Lennart Albrecht mit seiner Postur (190 cm/92 kg) und Spielintelligenz (mit diesen Eigenschaften kompensiert er läuferische Limiten) perfekt als «Big Bad Bear» zum SCB passen. Ein Titanen-Duo Simon Moser/Yannick-Lennart Albrecht würde die gegnerischen Verteidiger in Angst und Schrecken versetzen. Aber beim SCB geht es erst einmal ums wirtschaftliche Überleben. Investitionen in die Zukunft (wie in Mika Henauer) werden von Marc Lüthi bewilligt. Aber keine teuren Transfers und günstig kann Florence den Visper sowieso nicht bekommen: Georges Müller ist unter anderem auch der Interessensvertreter von Simon Moser und Vincent Praplan und kennt die barocken SCB-Lohnverhältnisse mit den überbezahlten Mitläufern bestens.

Günstig zu haben ist immerhin ein anderer Zuger: Jesse Zgraggen (27), im Frühjahr 2018 für mehr als 300'000 Franken in Ambri abgeworben, wird keinen neuen Vertrag bekommen. Der kräftige Haudegen war in Ambri eine Stütze der Abwehr und Bereicherung nach vorne und kam in 50 Spielen immerhin auf 6 Tore und 9 Assists. Doch seine Bilanz in Zug ist ernüchternd: bisher in 91 Qualifikationspartien null Tore und 8 Assists.

Der kanadisch-schweizerische Doppelbürger wird als «defensive Allzweckwaffe» zwar einen neuen Arbeitgeber finden. Aber wahrscheinlich nur noch zum halben Lohn. Sein Agent Darren McCann ist gefordert.

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SCB Florence Schelling und Marc Lüthi im Interview

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