DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Eismeister Zaugg

Aufstand beim SCB – Mark Streit widerspricht erstmals Marc Lüthi

Lange schien es, als seien die Liga-Reformpläne (10 Ausländer) von den sportlich Vernünftigen nicht mehr zu verhindern. Doch jetzt beginnt der Wind zu drehen. SCB-Verwaltungsrat Mark Streit wechselt behutsam ins Lager der Opposition. Hilft ihm auch die Bundespolitik?



Die missglückte U20-WM (alle Spiele verloren) lässt sich gut erklären. Schon vor drei Jahren warnten Kenner vor einer schwierigen Periode und einem möglichen Abstieg in der Saison 2020/21. Wahrscheinlich hat uns nur die Viruskrise (keine Relegation) vor dem Abstieg bewahrt. Die aktuellen Junioren-Jahrgänge gelten als die schwächsten seit dem letzten Abstieg (Saison 2007/08). Die Basis in der Schweiz ist nur halb so breit wie bei den meisten Grossen. Dramatische Schwankungen gehören zu unserer Hockeykultur.

Germany's Tim Stutzle (8) checks Switzerland's Noah Meier (24) during the third period of an IIHF World Junior Hockey Championship game Wednesday, Dec. 30, 2020, in Edmonton, Alberta. (Jason Franson/The Canadian Press via AP)

Trotz einer beachtlichen Aufholjagt verlor die U20 auch gegen Deutschland 4:5. Bild: keystone

Die verunglückte Vorstellung beim wichtigsten Junioren-Titelturnier hat sogar etwas Gutes: Sie stärkt die Opposition gegen das von Marc Lüthi, Zugs Patrick Lengwiler und ihrem umtriebigen Mephisto Denis Vaucher (Liga-Direktor) zur Unzeit inszenierte Reformtheater (10 Ausländer, Abschaffung Auf/Abstieg, Salary Cap). Wie ist es möglich, dass sich für diese Massnahmen, die auch von den zahlenden Zuschauerinnen und Zuschauern abgelehnt werden, eine Mehrheit abzeichnete? Die Antwort ist einfach: Marc Lüthi und Patrick Lengwiler operieren auf der politischen Linie. Wobei nichts für den Sport schädlicher ist als das Primat der Politik über den Sport.

Sie mahnen die Klubmanager, dass man in dieser schwierigen Zeit als Liga solidarisch sein müsse. Sonst mache es keinen guten Eindruck. Und es könne nicht sein, dass man sich von der Stimmungsmache in den Medien beeinflussen lasse. Da müsse man durch. Fanproteste werden ignoriert. Inzwischen geht es auch um Eitelkeiten. Fachlich überzeugende Argumente fehlen. Das Märchen von den sinkenden Löhnen dank 10 Ausländern glaubt inzwischen niemand mehr. Und die Präsidenten haben sich bisher von den Sirenen-Gesängen eines Gesamtpaketes einschläfern lassen, das neben 10 Ausländern auch die Abschaffung des Auf- und Abstieges und den Salary Cap enthält. Die Lohnbegrenzung ist längst zu einem zahnlosen Papiertiger umgearbeitet worden.

Nun regt sich spät, aber vielleicht nicht zu spät Widerstand. Von ZSC-Präsident Walter Frey über ZSC-Manager Peter Zahner, HCD-Sportchef Raëto Raffainer bis zu Nationaltrainer Patrick Fischer oder Ambris Chefcoach Luca Cereda wenden sich immer mehr glaubwürdige, hoch angesehene Hockeyfachmänner gegen das Reformpaket mit den 10 Ausländern ab der Saison 2022/23. Und ausgerechnet im SCB, dort wo die Reform-Ideen ausgebrütet worden sind, gibt es nun Opposition.

ZUR MELDUNG DASS WALTER FREY SEIN AMT ALS VIZEPRAESIDENT DER SVP ABGEBEN WERDE, STELLEN WIR IHNEN AM SONNTAG, 10. JANUAR 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Walter Frey, VR-Praesident der ZSC Lions, bei seinen Ausfuehrungen, aufgenommen am Dienstag, 26. August 2008, anlaesslich der Pressekonferenz der ZSC Lions fuer die Eishockey Saison 2008/09 im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Eddy Risch)

ZSC-Präsident Walter Frey wendet sich nun gegen das Reformpaket. Bild: KEYSTONE

Beim SCB gibt es gegen Marc Lüthi so wenig Widerstand wie Polemik gegen den Sozialismus beim Parteitag in Havanna (Kuba). Beat Brechbühl ist beim SCB bloss ein Operetten-Präsident. Die anderen Unternehmen sind von Marc Lüthis Gnaden abhängig oder mit ihm seit Jahren befreundet. Und doch erhebt sich intern eine mächtige Stimme gegen Marc Lüthis sportpolitischen Amoklauf. Von Mark Streit. Frage an den Leviathan (= noch grösser als ein Titan) unseres Hockeys: Sind Sie eigentlich auch für die 10 Ausländer? Er zögert einen Moment. Dann sagt er: «Eigentlich nicht.» Solche Worte sind im hierarchisch auf Marc Lüthi zurechtgeschmiedeten SCB nachgerade aufrührerisch.

Hätte Mark Streit nicht den Beruf eines Eishockeyspielers ergriffen, dann wäre ihm im diplomatischen Dienst eine grandiose Karriere sicher gewesen. Dieser weitgereiste, freundliche, kluge Mann, der einst die New York Islanders als Captain führte und finanziell längst unabhängig ist, wählt seine Worte sorgfältig. Und fügt an, rein vom Konkurrenzgedanken habe er nichts gegen 10 Ausländer einzuwenden. Und durch die Abschaffung der Lizenz-Schweizer werde die Massnahme etwas abgefedert. Aber er habe Bedenken, ob die ganze Sache gut sei für die Förderung des Nachwuchses.

Mark Streit hilft in diesen schwierigen Zeiten im SCB-Coachingteam aus. Es ist beinahe so, als spiele Robert Redford beim Schülertheater Bümpliz eine Nebenrolle. Aber er sitzt auch im SCB-Verwaltungsrat, dem es obliegt, das Tun und Lassen des Managements zu überwachen und bei offensichtlichen Fehlentwicklungen korrigierend einzugreifen. Zudem ist der Stanley Cup-Sieger auch Mitglied des Verbands-Verwaltungsrates. Der Verband ist sogar offiziell auch gegen die Regelung mit 10 Ausländern.

CEO Marc Luethi, spricht mit Journalisten nach einer Vorsaison-Medienkonferenz des SC Bern, am Montag, 31. August 2020 in der Postfinance Arena, in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Bild: keystone

Die Frage also an Mark Streit: Werden Sie bei Marc Lüthi in der Sache vorstellig? Er zögert, wägt seine Worte wiederum sorgsam ab. Er weiss, dass seine Botschaft in Bern Gospel ist und sagt schliesslich: «Wir werden intern noch darüber diskutieren …» Eine Mission von Marc Lüthi intern im SCB diskutieren, in Frage stellen, dem grossen Zampano widersprechen – eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen, die einem Aufstand gleichkommt.

Womöglich erhält die Opposition noch von anderer Seite wirkungsmächtige Unterstützung. Von der Politik. Die kluge Sportministerin Viola Amherd hat die grosszügige Staatshilfe für den Profisport auch mit der Notwendigkeit begründet, die gesellschaftlich relevanten Nachwuchsorganisationen zu erhalten. Wenn nun die Empfänger der Steuergelder Massnahmen beschliessen, die diesen Nachwuchsorganisationen schwersten Schaden zufügen, dann sollte die Politik hellhörig werden und entschlossen eingreifen.

Die Hilfe aus den Steuergeldkasse ist zwar von beiden Kammern des Parlamentes bereits bewilligt. Aber die Ausführungsbestimmungen sind noch nicht in trockenen Tüchern und die Gelder noch nicht ausbezahlt.

In diesem Zusammenhang müsste eigentlich der tüchtige BASPO-Direktor Matthias Remund seine langjährige Freundschaft mit Marc Lüthi ausnahmsweise der Sache unterordnen und dafür sorgen, dass in den Ausführungsbestimmungen der Passus eingeführt wird, die Ausländerregelung dürfe in den nächsten fünf Jahren nicht verändert werden.

Manchmal ist die Lösung für grosse, wichtige und schwierige Angelegenheiten einfacher als man denkt.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So haben Schweizer Hockey-Stars früher ausgesehen

1 / 36
So haben Schweizer Hockey-Stars früher ausgesehen
quelle: hc davos / str
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Du bist ein echter Eishockey-Fan? So kriegst du das Stadion-Feeling zuhause hin.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

SC Bern – «Stunde null» nach der heftigsten Transferniederlage der Geschichte

SCB-Obersportchef Raeto Raffainer bestätigt, dass der SCB keine Transfers machen kann. Trotzdem nennt er als Saisonziel Platz 6 bis 8.

Das beispiellose sportliche Führungsversagen hat dem SCB die heftigste Transferniederlage seiner Geschichte beschert: Die Berner haben nicht einen einzigen Schweizer Feldspieler verpflichtet, aber eigene Talente (Playoff-Topskorer André Heim, Yanik Burren, Kyen Sopa) an die Konkurrenz verloren. Transfertechnisch die «Stunde null».

Sogar «Small Market Teams» wie Langnau, Ambri oder die Lakers mit viel bescheideneren finanziellen Mitteln sind heute im Transfer-Business erfolgreicher. Und das in …

Artikel lesen
Link zum Artikel