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Biels Janis Moser, links, jubelt nach seinem Tor (4-2) mit Biels Samuel Kreis, rechts, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den EHC Biel, am Dienstag, 16. Maerz 2021, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Biels Moser und Kreis feiern den vierten Treffer gegen Bern. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Biel und das Erwachen aus dem Albtraum SC Bern

Seit Einführung der Playofffs gilt im Bernbiet: Eishockey ist, wenn am Ende der SCB gegen Biel doch gewinnt. Nun ist Biel erstmals aus diesem Albtraum erwacht.



Früher war für Biel alles besser: im Frühjahr 1982 gewinnt Biel das Entscheidungsspiel um den Einzug in die Finalrunde gegen den SC Bern 3:2. Der SCB muss in die Abstiegsrunde und steigt ab. Biel aber wird 1983 zum bisher letzten Mal Meister.

Das war die letzte Phase der «Belle Epoque» der Seeländer Hockeykultur mit den drei Titeln von 1978, 1981 und 1983.

Seit der Einführung der Playoffs (1986) hat Biel nie mehr eine wirklich alles entscheidende Partie gegen den SCB gewonnen und jede Playoffserie verloren (Viertelfinal 1989, Halbfinal 1990, Viertelfinal 2017, Halbfinal 2019).

Der vorläufige Höhepunkt des Albtraumes SC Bern: Am 6. April 2019 kann Biel mit einem Sieg auf eigenem Eis erstmals in seiner Geschichte in den Final einziehen. Ein offensiver Sturmlauf (38:19 Torschüsse) endet mit einer bitteren 0:1-Niederlage und Bern erzwingt ein 7. Spiel. Die mental «zerstörten» Bieler sind chancenlos, verlieren 1:5 und später wird der SCB Meister.

Bieler Fans zeigen eine Choreo im sechsten Eishockey Playoff-Halbfinalspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem SC Bern, am Samstag, 6. April 2019, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Die Choreo half nichts, die Bieler verloren am 6. April 2019 das 6. Spiel in der Serie gegen Bern. Bild: KEYSTONE

Im Rückblick sind sich im Bernbiet eigentlich alle einig: Hätten die Bieler den Einzug in den Final von 2019 geschafft, hätten sie den Titel feiern können. Mit den Zugern wären sie genauso gut fertig geworden wie der SCB.

Nun hat Biel soeben in 24 Stunden zweimal hintereinander gegen den SC Bern gewonnen. 5:3 am Montag zu Hause und am Dienstag in Bern 4:2.

Diese zwei Derbys gehören zum Besten, was diese Saison bisher in der Qualifikation zu sehen war. Intensive, schnelle Partien mit dramatischem Verlauf zwischen zwei Teams, die beide kompromisslos und ohne taktische Schablonen, aber mit verschiedenen Stilrichtungen die Entscheidung gesucht haben.

Nun können wir argumentieren: Biel hatte schon vor diesem bernischen «Gipfeltreffen» (es handelt sich ja um die beiden besten bernischen Teams) 23 Punkte mehr auf dem Konto. Die beiden Siege sind also logisch.

Doch so ist es ganz und gar nicht. Spätestens seit Obersportchef Raeto Raffainer Anfang Februar die Führung der Sportabteilung übernommen hat, ist bei der grössten europäischen Hockeyfirma nach Monaten einer schier unfassbaren Wirrnis wieder Ruhe und Ordnung eingekehrt.

Berns Raeto Raffainer Chief Sport Officer, im Gespr

Der Zuzug von Sportchef Raeto Raffainer brachte Ruhe und Ordnung in den Club. Bild: keystone

Die Stadtberner treten wieder selbstsicher auf und reichern ihre Härte mit spielerischen Highlights an. Hätte der SCB schon im Herbst dieses Leistungsniveau erreicht, wäre die Playoff-Qualifikation längst geschafft und gegen einen gewöhnliches Biel hätte es zu zwei Siegen gereicht.

Das ist der entscheidende Punkt: Wir haben zweimal hintereinander nicht mehr das gewöhnliche, spielerisch spektakuläre, aber zerbrechliche Biel gesehen, an das wir uns seit dem Aufrücken in die obere Tabellenhälfte gewöhnt haben.

Drei Faktoren sind aufgefallen

Keine Angst vor Tristan Scherwey. Die Bieler haben die SCB-Härte ausgehalten. Auch Tristan Scherwey konnte sie nicht mehr erschüttern. Sie verloren in der Schlussphase des ersten Spiels ihren spielerischen Leitwolf durch einen fürchterlichen Check des SCB-Vorkämpfers: Jason Fuchs kugelte die Schulter aus. Sie wurde sogleich wieder eingerenkt. Aber gestern konnte er trotzdem noch nicht wieder antreten.

Inzwischen ist nach intensivem Video-Studium klar: Tristan Scherweys Check war hart, aber soweit korrekt, und wäre allerhöchstens eine Zweiminutenstrafe «wert» gewesen. So beurteilt auf Anfrage auch der in der Sache ja unbefangene Schiedsrichter-Chef Andreas Fischer den Fall. Der Entscheid der Schiedsrichter, den Check nicht zu ahnden, ist also vertretbar. Schlussfolgerung: Wer Tristan Scherweys Härte aushält, dann kann hockeytechnisch eigentlich nicht mehr viel erschüttern.

Ein grosser Torhüter. Joren van Pottelberghe (23) ist drauf und dran, ein grosser Goalie zu werden. Auf Augenhöhe mit seinem Vorgänger Jonas Hiller. Der coole, reflexschnelle Riese (191 cm/85 kg) mit dem ruhigen, sachlichen Stil und hoher Spielintelligenz ist nun Biels klare Nummer 1. In der aktuellen Verfassung dazu in der Lage, in der Nationalmannschaft die Nachfolge von Leonardo Genoni und Reto Berra anzutreten. Er hat die Mannschaft in Bern erst im Spiel gehalten und dann mit mehreren Schlüsselparaden den Sieg gesichert.

Biels Torhueter Joren Van Pottelberghe, trinkt, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und den HC Davos, am Freitag, 13. November 2020, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Tritt Joren van Pottelberghe dereinst die Nachfolge von Genoni und Berra an? Das Potential hat er. Bild: keystone

Eine neue physische und psychische Robustheit. Nach wie vor neigen die Bieler mit ihrem grandiosen Lauf- und Tempohockey zur spielerischen Übertreibung. Das Spektakel endet immer noch hin und wieder vor dem gegnerischen Tor wie ein Sturm im Mehltrog ohne Nutzen.

Aber die Schmetterlinge haben beissen gelernt: In Bern setzten sie sich bei den entscheidenden Treffern zum 2:2 und 3:2 im «Infight» vor dem SCB-Kasten durch.

Die Bieler haben beide Spiele nach ungünstigem Verlauf – der SCB egalisierte am Montag vorübergehend einen 0:2-Rückstand, die Bieler holten am Dienstag in Bern einen 0:2-Rückstand auf – doch noch gewonnen. Und in Bern vermochten sie das Schlussdrittel gegen einen starken SCB zu dominieren (14:6 Torschüsse).

Das Ende des Albtraums?

Die Bieler sind aus dem Albtraum SCB aufgewacht. Sollten diese zwei Siege am Ende gar dazu führen, dass der SCB die Playoffs (Pre-Playoffs) doch nicht erreicht, dann hätten sie sogar die Liga von diesem Albtraum befreit.

Es wäre auch für Zug ein bisschen einfacher auf dem Weg zum Titel nicht gegen den Meister antreten zu müssen.

P.S. Aber Biel hat nach wie vor gegen den SC Bern keine Playoff-Serie gewonnen.

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