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Die Fans des FC Luzern feiern den Sieg nach dem Fussball Viertelfinal Cupspiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Luzern im Stadion Bruegglifeld in Aarau, am Samstag, 12. Dezember 2015. (KEYSTONE/Valeriano Di Domenico)

Die Fans des FC Luzern hoffen auf den dritten Cupsieg nach 1960 und 1992. Bild: KEYSTONE

Vier Teams, ein Traum – warum die Cup-Halbfinalisten reif für den Triumph sind

Heute Aarau gegen Luzern, morgen Servette gegen St.Gallen: In den Cup-Halbfinals stehen Klubs, die sich schon lange nach einem Titel sehnen. Wer macht das Rennen? Unsere Fussballreporter wissen es bereits jetzt.

sportredaktion / ch media



FC Aarau: Hopp Aarau!

von Sebastian Wendel, Aargauer Zeitung

Seit 2009 musste kein Aufsteiger in die Super League direkt wieder runter. Gut möglich, dass diese Serie anhält: Vaduz, obwohl vom Aufstieg überrumpelt, hat gute Chancen auf den Ligaerhalt. Der zweite Aufsteiger Lausanne schnuppert an den Europacup-Rängen. Und: Servette greift im zweiten Jahr nach dem Aufstieg nach der Auszeichnung «der Beste hinter YB».

In der laufenden Cup-Saison sind vier Klubs aus der Super League an solchen aus der Challenge League gescheitert: der FCZ an Chiasso, Sion an Aarau, Basel an Winterthur und Lausanne an GC.

Die Spieler des FC Aarau bejubeln 1985 im Berner Wankdorfstadion ihren Cupsieg. Die Mannschaft gewann am 27. Mai 1985 den Cupfinal gegen Neuchatel Xamax mit 1:0. Auf dem Bild zu sehen sind die Spieler Armando Granzotto, Thomas Tschuppert, Roberto Fregno, Walter Iselin, James Meyer, Karl Kueng und Thomas Zwahlen (vorne v.l.n.r.), sowie der Trainer Ottmar Hitzfeld mit dem Pokal. (KEYSTONE/Str)

Ottmar Hitzfeld machte den FC Aarau 1985 zum Cupsieger. Bild: KEYSTONE

Die zwei höchsten Schweizer Profiligen haben sich in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt angenähert. Die Super League ist schlechter geworden, die Challenge League besser. Die Zeiten, in denen der Unterklassige als krasser Aussenseiter in das Duell mit einem Super-League-Verein geht, sind vorbei. Der FC Basel, im vergangenen Sommer noch im Viertelfinal der Europa League, hat gegen Winterthur 2:6 verloren – 2:6! «Winti» ist Tabellensiebter in der Challenge League ...

Jetzt, wo auch Übermacht YB nicht mehr im Wettbewerb ist, sehen nur Realitätsblinde im FC Aarau keinen ernsthaften Anwärter auf den Cupsieg. Seit dem Totalumbruch im vergangenen Sommer (neuer Präsident, neuer Trainer, neue Strategie) hat sich die junge Mannschaft unter der Führung von Stephan Keller schneller entwickelt als erhofft, sie spielt den schönsten Fussball der Liga und liebäugelt nach dem furiosen 2:1 am Wochenende gegen GC weiterhin mit der Barrage.

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1985: Walter Iselin schiesst den FC Aarau zum bislang einzigen Cupsieg der Klubgeschichte. Video: YouTube/Remo Conoci

Kommt dazu: Kein Team trifft häufiger in der Challenge League als der FCA – Gast im Cup-Halbfinal im Brügglifeld ist mit Luzern ausgerechnet die Schiessbude der Super League. Mal ehrlich: In diesen verrückten Zeiten braucht es doch einen verrückten Cupsieger– oder? Hopp Aarau!

FC Luzern: Verschworen und gut

von Daniel Wyrsch, Luzerner Zeitung

Der FC Luzern hat sich in den letzten Jahren zu einem Cup-Spezialisten gemausert – ohne dabei mit der Sandoz-Trophäe auf Tuchfühlung zu gehen. In den acht Austragungen des K.o.- Wettbewerbs seit 2014 stehen die Innerschweizer bereits zum fünften Mal im Halbfinal. Viermal war Endstation in der Vorschlussrunde; der FCL schied gegen Basel (2014), Lugano (2016), Sion (2017) und Thun (2019) aus. Vom unterklassigen FC Aarau wird sich die Mannschaft von Fabio Celestini aber nicht ausbremsen lassen.

Der FC Aarau repräsentiert den Kantonsnachbar Aargau – er ist ein spezieller FCL-Gegner. Dazu kommt die aussergewöhnliche Spielstätte Brügglifeld. Ein Ort für Fussball-Romantiker, wo zusätzlich zu den erlaubten 100 Zuschauern weitere 150 bis 200 Fans von einer Mauer den Blick frei auf den Rasen haben. Ein Plus an Atmosphäre für beide Teams.

Die Statistik spricht für Luzern: Je die letzten drei Direktvergleiche im Cup und in der Liga gewannen in Aarau die Gäste aus der Innerschweiz. Als Oberklassiger ist der FC Luzern sowieso Favorit, dazu stimmt die Form: Das Team reist mit dem Erfolgserlebnis von erstmals in dieser Saison drei Siegen in Folge an, damit sind alle Abstiegssorgen weg, der Kopf ist frei für den Cup.

Beat Mutter, Torhueter des FC Luzern, haelt nach dem 3:1 Sieg im Cupfinal gegen AC Lugano am 8. Juni 1992 im Wankdorf-Stadion in Bern den Pokal, beklatscht von Spieler Adrian Knup, links, und Bundesrat Flavio Cotti, Mitte. (KEYSTONE/Str)

1992 gewann der FC Luzern als NLA-Absteiger letztmals den Schweizer Cup. Bild: KEYSTONE

Den FCL trennen noch zwei Siege vom dritten Cup-Triumph nach 1960 und 1992. Celestini kündete bereits vor dem Viertelfinal in Lugano an, dass er mit Luzern Geschichte schreiben will. Sein Team hat die Fähigkeiten, diesen vierten Titel der Klubhistorie – inklusive der Meisterschaft 1989 – zu gewinnen. Es ist eine verschworene Gruppe garniert mit den Könnern Schaub, Sorgic und Tasar, die auch im Cupfinal den Unterschied machen können. Zudem zählt der FCL mit Marius Müller auf den wohl besten in der Schweiz tätigen Torhüter und hat mit Pascal Schürpf den wirkungsvollsten Mentalitätsspieler.

Servette FC: Spielerisch überlegen

von Jakob Weber, bz Basel (Genfer im Herzen)

«Oh Maman, Maman, Maman. Sais-tu pourquoi mon cœur est grenat. J’ai vu jouerle Servette. Eh Maman: J’suis tombé amoureux.» Diese Liebeserklärung singen die Genfer Fans gerne und immer dann, wenn Servette verzückt. Und sie wird auch am Mittwoch nach dem Cup-Halbfinal und am Pfingstmontag nach dem Final überall, wo sich Genfer Fans aufhalten, lautstark zu hören sein.

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«Oh Maman, Maman» – als noch Fans ins Stadion durften. Video: YouTube/EnfantsduServette

Servette ist der Favorit, weil dort seit sechs Jahren überdurchschnittlich gut gearbeitet wird. Nach Chaos-Jahren mit Doppelinsolvenz und sportlichem Niedergang hat Ex-Präsident Didier Fischer den Klub 2015 gerettet und seitdem kontinuierlich entwickelt. Heute kümmert sich Fischer um die Fondation 1890. Die Stiftung hält die Servette-Aktien, beglich damals die Verbindlichkeiten und deckt heute das jährliche strukturelle Defizit von sechs Millionen.

Die finanzielle Sicherheit überträgt sich auf den Rasen. Es macht Spass, dem Genfer Spiel zuzusehen. Der Aufsteiger landete vergangene Saison direkt in Europa und ist auf dem besten Weg, dies 2021 zu bestätigen. Von den vier Cup-Halbfinalisten hat Servette unbestritten die grösste Qualität. Jeremy Frick gehört zu den besten Torhütern der Liga. Gael Clichy bringt reichlich Champions-League-Erfahrung mit. Im Mittelfeld räumen Gael Ondua und Théo Valls ab, gleichzeitig beherrschen aber auch sie das schnelle Passspiel, was ganz Servette auszeichnet.

Unterstuetzt von Alex Frei, links unten, und seinen anderen Teamkollegen, leert sich Goran Obradovic, rechts, vom FC Servette nach dem 76. Schweizer Fussball-Cupfinal zwischen dem FC Servette und Yverdon-Sports am Sonntag, 10. Juni 2001, in Basel Champagner aus dem Schweizer Fussballpokal ueber den Kopf. Der neue Cupsieger Servette gewann das Spiel mit 3:0 Toren. (KEYSTONE/Markus Stuecklin) ===ELECTRONIC IMAGE===

20 Jahre sind seit dem letzten Servette-Cupsieg mittlerweile vergangen. Bild: KEYSTONE

Aus dem guten Kollektiv sticht Miroslav Stevanovic heraus. Der Bosnier war ein Weltenbummler, ehe er 2017 zu Servette kam. Seitdem hat er in 133 Spielen 79 Skorerpunkte gesammelt. Stevanovic sorgt nicht nur offensiv für Gefahr, er ackert auch defensiv mit und hat damit eine Qualität, die den meisten Flügelstürmern abgeht. Er ist Servettes Trumpf auf dem Weg zum achten Cupsieg und dem ersten Titel seit 2001. Und er wird die Fans zum Singen bringen.

FC St.Gallen: Der Rest hat Komplexe

von Christian Brägger, St.Galler Tagblatt

Betrachten wir das Ganze aus Ostschweizer Optik doch mit einem Augenzwinkern: Der FC Aarau mag zwar cool sein, die Fussballromantiker bezirzen mit seinem maroden Brügglifeld, solange es noch steht. Aber wie, bitte schön, soll ausgerechnet ein kleiner Klub dem FC St.Gallen gefährlich werden, der es nicht einmal schafft, ein 4:0 über die Runden zu bringen, und daran bis heute zu beissen hat?

Und die Luzerner, die schon immer ein bisschen sein wollten wie die St.Galler. Im Stadionbau haben sie es mit ihrem goldigen Käfig ja beileibe nicht geschafft, beim Zuschaueraufkommen hinken sie sowieso hinterher, immerhin haben sie ihren Präsidenten aus unseren Reihen abgezwackt, und vielleicht haben sie mit Fabio Celestini einen Coach, den man gut und gern auch bei uns laufen lassen könnte. Und sonst? Fehlt schlicht der Tatbeweis, dass die Zentralschweizer es genau jetzt auf die Reihe kriegen und «leuchten».

Die Spieler des FC St. Gallen koennen am 26. Mai 1969 in Bern mit dem Pokal jubeln: im Finalspiel im Wankdorfstadion besiegen die Ostschweizer Bellinzona mit 2:0 und werden damit erstmals in ihrer Vereinsgeschichte Schweizer Cupsieger. (KEYSTONE/Str)

1969 landete der erste Mann auf dem Mond und St.Gallen wurde letztmals Cupsieger. Bild: KEYSTONE

Bliebe Servette: Wahrlich noch der härteste Widersacher, dies bereits im Halbfinal, und wie St.Gallen heuer YB-Besieger. Dazu mit Leibchen in der Farbe eines formvollendeten, mundenden Rotweines. Das macht Lust – auf den Wein. Doch wie will ein Kanton im absoluten Puckfieber ausgerechnet jener Region gefährlich werden, die den Ball im Cup am höchsten hängt?

So ist für jeden nachvollziehbar, weshalb die Cup-Trophäe in den Osten geht. Gewiss, anhand der schwachen Leistungen in der Meisterschaft eine etwas verwegene Haltung. Doch vom Quartett der Halbfinalisten warten sie hier am längsten auf diesen Erfolg, der Wettbewerb ist ihr Sehnsuchts- und noch mehr Zufluchtsort. «Der Cup, der Cup!», schreien Präsident Matthias Hüppi und Co. unentwegt, und umso mehr werfen sie alles Erdenkliche in die Waagschale, damit am Pfingstmontag «FC St.Gallen 1879» auf den mit grünweissem Band verzierten Kübel geritzt wird – er soll ja endlich schön aussehen.

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Alle Schweizer Cupsieger seit 1990

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quelle: keystone / alessandro della valle
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